Bessere Bedienbarkeit, mehr Offenheit

Männlich, weiblich, divers: Google will mehr genderneutrale Emojis

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von Michael Springer -

Google will seine Emojis für Android ab diesem Jahr konsequenter geschlechtsneutral gestalten. Generell bergen Gender-Diskussionen viel Sprengpotenzial, doch Googles Vorschläge dürften allen Nutzern zugutekommen.

Emojis fallen nicht vom Himmel in unsere Chats, Apps und Mails, sie werden von langer Hand vorbereitet, diskutiert, gestaltet und letztlich implementiert. Auch wenn Diskussionen um Details ihrer Designs kleinlich wirken können, sind sie manchmal unvermeidbar, um die Aussage der kleinen Bildchen auf einen Nenner zu bringen.

In einer öffentlichen Mitteilung hat Google nun angekündigt, die Gestaltung seiner Emojis auf Android künftig konsequenter genderneutral ausrichten zu wollen. Das US-Unternehmen wünscht sich außerdem, dass andere Hersteller sich ebenfalls dieser neuen Richtlinie verpflichten. Was im ersten Moment nach einem weiteren Kapitel in den ewigen Gender-Debatten klingt, könnte in der Praxis allen Beteiligten das Leben leichter machen.

Emoji-Standard: Unicode-Norm regelt nicht die Gestaltung

Das grundlegende Problem: Einen verbindlichen Standard für die Gestaltung von Emojis gibt es nicht. Alle Hersteller, ob Google, Apple, Samsung oder Twitter, orientieren sich lediglich an den Vorgaben des Unicode-Konsortiums. Unicode ist eine internationale Norm, die den eigentlichen Code hinter den Buchstaben, Ziffern, Sonderzeichen und auch Emojis, die unsere PCs und Smartphones anzeigen, definiert.

Im Unicode-Zeichensatz ist beispielsweise der Code für ein Muffin-Emoji festgelegt – diese Codierung steht auf allen Computer, auf allen Smartphones für die Darstellung eines Muffin-Symbols. Wie genau dieser Muffin allerdings gestaltet wird, bleibt den Herstellern überlassen: Apples Muffin kommt mit weißer Zuckerglasur daher, Googles mit pinker.

Neuer genderneutrale Emojis bei Android

Missverständnisse bei plattformübergreifender Kommunikation: Genderneutral definierte Emojis sind nicht entsprechend gestaltet.

Quelle: (Screenshot)  Google 

Neuer genderneutrale Emojis bei Android

Missverständnisse bei plattformübergreifender Kommunikation: Genderneutral definierte Emojis sind nicht entsprechend gestaltet.  

Quelle: (Screenshot)  Google 

So weit, so unspektakulär. Unicode sieht aber für die Implementierung vieler Emojis drei Geschlechter vor: Männlich, weiblich und geschlechtsneutral (im Unicode ist dann nur von "Person" die Rede). Hier kommt Googles Anliegen ins Spiel, denn die allermeisten Hersteller liefern für die eigentlich als neutral definierten Codierungen keine eigens geschlechtsneutral gestalteten Emojis aus.

Neuer genderneutrale Emojis bei Android

Auch andere Emojis sind nicht einheitlich gestaltet.

Quelle: (Screenshot)  Google 

Neuer genderneutrale Emojis bei Android

Auch andere Emojis sind nicht einheitlich gestaltet.  

Quelle: (Screenshot)  Google 

Stattdessen greifen sie willkürlich auf entweder die weibliche oder männliche Variante zurück. So wird die "Person in der Sauna" bei Apple zum Mann, bei Samsung zur Frau. Verwirrend kommt hinzu, dass etwa WhatsApp plattformübergreifend dieselben Emojis verwendet, dies auf normale Textnachrichten oder E-Mails aber nicht zutrifft.

Genderneutrale Emojis: Mehr Offenheit, bessere Bedienbarkeit

Laut Google ist das in zweierlei Hinsicht problematisch. Zum einen könne es zu unnötigen Missverständnissen in der Kommunikation führen – dem Empfänger wird ein anderes Symbol angezeigt, als der Sender eigentlich verschicken wollte. Zum anderen schließe es Menschen aus, die sich mit der klassischen Definition der Geschlechter nicht identifizieren können (das deutsche Recht nennt diese Geschlechtseinordnung "divers").

Neue genderneutrale Emojis in Android

Google schlägt vor, genderneutrale definierte Unicode-Emojis auch entsprechend zu designen.

Quelle: (Screenshot)  Google 

Neue genderneutrale Emojis in Android

Google schlägt vor, genderneutrale definierte Unicode-Emojis auch entsprechend zu designen.  

Quelle: (Screenshot)  Google 

Google wird daher für Android in all diesen Fällen eine neue, geschlechterneutrale Gestaltung einführen (auch wenn Googles Emoji-Chefin Jennifer Daniel einräumt, dass die Unterscheidung bei den typischerweise kleinen Emojis nur sehr schwierig umzusetzen ist). So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Die plattformübergreifende Kommunikation wird ein Stück mehr feingeschliffen, gleichzeitig sorgt die dritte Emoji-Variante für mehr Offenheit. Um diesen Effekt in der Breite zu verstärken, legt Google allen Herstellern ein ähnliches Vorgehen nahe.

Neue genderneutrale Emojis bei Android

Die genderneutralen Emojis könnten die Aufhänger für die weitere Auswahl darstellen und so die aufgeblähten Emoji-Menüs verschlanken.

Quelle: (Screenshot)  Google 

Neue genderneutrale Emojis bei Android

Die genderneutralen Emojis könnten die Aufhänger für die weitere Auswahl darstellen und so die aufgeblähten Emoji-Menüs verschlanken.  

Quelle: (Screenshot)  Google 

Außerdem könne dieser Ansatz genutzt werden, um die unaufhörlich wachsenden Emoji-Menüs zu verschlanken. WhatsApp oder iOS zeigen etwa in der Regel die männliche und weibliche Variante eines Emojis direkt nebeneinander an. Google schlägt stattdessen vor, eine genderneutrale Gestaltung als Aufhänger zu nehmen und Details wie Geschlecht, Haut- und Haarfarbe anschließend festzulegen. Das könne die Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit insgesamt verbessern, weshalb Google mehr Vorstöße in diese Richtung ankündigt.

Quelle: Google, Emojipedia

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