"Rosige Zeiten" oder "Hallo Standard"?

Mit Sky Q führt der Pay-TV-Anbieter seine neue Plattform ein

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell: Ab dem 2. Mai startet der Pay-TV-Anbieter Sky mit seiner neuen Plattform 'Sky Q' auch in Deutschland in sein neues Angebot. Die plattformübergreifende Oberfläche soll das verstaubte Sky-Format aufpolieren und bindet deshalb neben multi-flexiblem Streaming zukünftig auch Netflix in seinen Funktionsumfang mit ein.

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern – Sky wird aufgemotzt und verbrüdert sich zudem noch mit Streaming-Primus Netflix. Der Pay-TV-Anbieter hat demnach kräftig an seiner Fassade geschraubt und möchte seine zahlende Kundschaft nun ab dem 2. Mai ohne Mehrkosten in der Neuzeit begrüßen. Zumindest, wenn ihr bereits im Besitz eines Sky+ Pro Receivers seid oder euer Receiver noch nicht zu alt für ein Software-Update ist. Um ein Update eures Sky-Vertrags kommt ihr laut Sky auch herum, denn "für alle Bestandskunden, die noch keinen Sky+ Pro besitzen, sowie für Neukunden ist Sky Q ebenfalls ab Mai erhältlich."

Böse Zungen würden jetzt behaupten "Zu spät, zu wenig! Was Sky uns mit seiner neuen Plattform 'Sky Q' serviert ist längst überfällig und unter alten Streaming-Hasen schon längst kalter Kaffee – aufgewärmte Funktionen von On-Demand-Anbietern, die schon längst gezeigt haben, wie Streaming 2018 zu sein hat", aber schauen wir uns das neue Sky Q erstmal an.

Sky Q – um Kunden auf ewig an das Programm zu binden

Eine Plattform für die Linsen, Kunden mit Rollos ins Dunkel zu treiben und ewig ans Programm zu binden – seit der Einführung von Sky Go ist dies wohl das größte Facelift für die Oberfläche, um Kunden vor den TV, Monitor oder das Smartphone-Display zu bannen. Sky Q wird die Oberfläche für die bisherigen Dienste Sky Go, Sky Ticket und das Live-Programm der Fernsehsender bilden, auf die ihr mit bis zu fünf Geräten gleichzeitig zugreifen könnt. Oder doch nicht?

Während Sky selbst in einer Pressemitteilung schreibt, dass Sky Q nun zukünftig DIE Plattform wird, auf der Kunden plattformübergreifendes Live- und On-Demand-Fernsehen bekommen, werden anscheinend auch die anderen Plattformen Sky Go, Sky Kids und Sky Ticket aufpoliert. Aus Kundensicht für meine Begriffe ein unübersichtlicher Flickenteppich, der sich auch noch mal in Sachen Abo unterscheidet – einfach geht anders! Logge ich mich jetzt auf Sky Go via Smartphone ein, um einen Film anzufangen, den ich dann auf Sky Q am TV zu Ende schaue?

Startseite von Sky Go

Bleibt es oder wird Sky Go bald Teil der neuen 'Plattform Sky Q'?

Quelle: (Screenshot)  skygo.sky.de/ 

Startseite von Sky Go

Bleibt es oder wird Sky Go bald Teil der neuen 'Plattform Sky Q'?  

Quelle: (Screenshot)  skygo.sky.de/ 

On-Demand-Funktionen halten Einzug in Sky

Vor allem in puncto On-Demand schleift der Anbieter an seinen Funktionen. Mit frischen Begriffen wie 'Restart' und 'Autoplay' führt die Oberfläche nun die standardmäßigen Komfort-Funktionen ein, die ihr bereits von Netflix kennt: Sendungen von vorne schauen, gleich die nächste Folge mithilfe von Autoplay verkonsumieren, ohne einen Finger zu rühren und geräteübergreifend an der Stelle fortfahren, wo ihr aus eurem Binge-Marathon herausgerissen wurdet – kennt man. Nur die heiß diskutierte Funktion 'Skip Intro' hat es bislang nicht in die Funktionen geschafft.

Es wird besser, einfacher und schöner als je zuvor.

Carsten Schmidt | CEO Sky Deutschland

Zudem erleichtert die App die Integration von Sky Q auf Samsung-Fernsehern (Vertragspartner?) und auch via Apple TV lässt sich das Sky-Programm bald munter bingen. An dieser Stelle reißt mich aber vor allem die Integration der ZDF- und ARD-Mediatheken und weiteren Smart-TV-Apps aus dem Halbschlaf, die für mich (ganz privat) dadurch mehr in den Fokus rücken. Auch die Angebotsverschmelzung von Sky und Netflix steht hier für den Sommer im Raum, sodass man auch über Sky Q Netflix-Inhalte streamen kann – dazugehöriges Bezahl-Konto natürlich vorausgesetzt, denn Netflix gibt es nicht gratis auf das Sky-Abo obendrauf.

Auf die Zweitkarte möchte Sky zukünftig auch verzichten, denn mit Sky Q lassen sich Sendungen gleichzeitig auf bis zu fünf Bildschirmen schauen – drei auf dem Fernseher, zwei über Mobilgeräte (PC?). Wieder die Frage – Sky Q-App oder Sky Go oder beides?

Alles in allem aber rosige Zeiten für Sky-Kunden, die dem Pay-TV-Anbieter – wie ich – wegen des Angebots an Sportereignissen, exklusiven Serien und aktuellen Blockbustern trotz der lange Zeit fehlenden Komfort-Funktionen die Treue gehalten haben. Trotzdem: Die Konkurrenz schläft nicht und wenn man mal mit etwas Abstand auf die Funktionen schaut (und die Geschmacksfrage des Medienangebots beiseitelässt) ist es ein bisschen weit hergeholt, hier von einer "Innovationsoffensive" zu sprechen. "Angekommen beim Standard" wäre für mich die passende Bezeichnung.

Quelle: info.sky.de

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