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In Europa und den USA eher unbekannt

Mobiles Adblocking überholt Desktop-Werbesperre – aber nicht bei uns

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Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Was auf PC und Laptop äußerst beliebt ist - die Unterdrückung von Werbeeinblendungen - scheint auf dem Smartphone von weit weniger Interesse zu sein. Eine von Adblock Plus in Auftrag gegebene Studie zeigt: Nur 22 Prozent aller amerikanischen Adblock-User nutzen diesen auch auf dem mobilen Gerät. Aber warum ist das so?

Von allen Nutzern eines internetfähigen Geräts installierten nur 15 Prozent einen Adblocker

Die Entwickler des populären Adblock Plus Browser-Addons waren verwundert: Mittlerweile ist die Werbesperre auf wesentlich mehr Mobilgeräten installiert, als auf Desktops - allerdings hauptsächlich im asiatischen Raum. In den USA und in Europa staffieren die User ihre Smartphones und Tablets kaum mit einem solchen Tool aus. Wie kann das sein? Um dieser Frage nachzugehen, beauftragte man GlobalWebIndex mit einer Umfrage. 1011 amerikanische Internetnutzer wurden zu ihrem Adblock-Verhalten befragt.

Als Ergebnis trat unter anderem zutage, dass ein Großteil der Teilnehmer (sechs von zehn) nicht einmal wusste, dass es überhaupt möglich ist, Adblocking auch auf dem Mobilgerät zu betreiben. Dabei verweisen diverse Erhebungen auf die hohe Priorität der mobilen Internetnutzung. Laut dem deutschen Digitalverband Bitkom, ist hierzulande für fast zwei Drittel der Internet-User (63 Prozent) das Smartphone das bevorzugte Gerät, um zum Beispiel Nachrichten zu lesen. Erst danach folgt der Laptop und schließlich der Desktop-Computer.

Infografik zur Nutzung von Adblockern

Nur wenigen Studienteilnehmern war bewusst, dass sich auf dem Mobilgerät ebenfalls Adblocker installieren lassen.  

Quelle:  Eyeo GmbH (Adblock Plus) 

Infografik zur Nutzung von Adblockern

Nur wenigen Studienteilnehmern war bewusst, dass sich auf dem Mobilgerät ebenfalls Adblocker installieren lassen.  

Quelle:  Eyeo GmbH (Adblock Plus) 

In der GlobWebIndex-Studie kamen jedoch noch weitere, recht überraschende Zahlen ans Tageslicht: Von allen Nutzern eines internetfähigen Geräts installierten nur 15 Prozent einen Adblocker auf dem mobilen Gerät. Auf Nachfrage bestätigten die Teilnehmer jedoch ein großes Interesse an einem Adblocking-Tool für Smartphones, denn ein Drittel der mobilen Internet-User fühlen sich von zu viel Online-Werbung belästigt. Tatsächlich scheint die mobile Variante des Adblocking einfach relativ unbekannt zu sein. In Asien dagegen ist man Technologie-Trends wesentlich schneller auf der Spur.

Eine Recherche im Play Store zeigt, dass unter dem Suchbegriff "Adblocker" sofort verschiedene Optionen zu finden sind, unter anderem der Free Adblocker von Rocketshield oder diverse Adblock Browser. Gesperrt werden mit diesen Tools Bannerwerbung, Pop-ups und Werbevideos. Im Ranking der Top-Apps und der Bestseller tauchen die digitalen Werbesperren allerdings nicht auf - eine gezielte Suche ist notwendig.

Adblocking hat eine Schattenseite

Auch wenn die ungeliebte Werbung nervt, erfüllt sie einen Zweck, der nicht in jedem Fall so "verwerflich" ist, wie viele Befürworter des Adblockings glauben machen wollen. Denn hinter kostenlosen Digitalangeboten wie beispielsweise Blogs, News-Seiten oder Apps, stecken Menschen, die viele Stunden ihrer Zeit investiert haben, um diese Inhalte zur Verfügung zu stellen.

In diesem Zusammenhang ist eine Untersuchung von PageFair interessant, die sich mit den "versteckten Kosten" des Adblocking auseinandergesetzt hat. Demnach haben Adblocker durchaus negative Effekte: Webseiten, deren User häufig auf Adblocker anwandten, haben in den letzten Jahren deutlich an Traffic verloren. Ohne finanzielle Basis wird es Webseitenbetreibern unmöglich gemacht, ihre Angebote auszubauen beziehungsweise langfristig bereitzustellen. Oriel - ein Londoner Unternehmen - fand zudem heraus, dass Adblocker nicht immer zwischen Werbung und echten Inhalten unterscheiden können und dadurch die Webseiten-Usability beeinträchtigt wird.

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