Aber bloß nicht die Schallplatte vergessen!

Musikkonsum der Gegenwart: Tschüss Downloads, hoch lebe Streaming

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von Julius Zunker -

Die Musikkultur ist im Wandel. Downloads brechen ein, Vinyl ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Aber weit vor dem "schwarzen Gold" hat sich mittlerweile Streaming positioniert - und zeitgleich den kompletten Musikmarkt revolutioniert. Hörer konsumieren nicht nur per Stream, sie kaufen und lassen sich von einem baldigen Kauf überzeugen - immer häufiger auf Schallplatte.

Vor vier Jahren regierten die 99-Cent-Tracks auf iTunes die Musik-Industrie. Doch der König ist nicht tot, aber gefallen. Thronanwärter auf der anderen Seite des großen Teichs sind Schallplatte und CD. Downloads sind auf 11 Prozent der Gesamtheit des Marktes gestürzt. Physische Kopien machen 12 Prozent aus. Alles andere gehört dem jüngsten Spross der Familie: Streaming nimmt den Thron für sich mit knappen 75 Prozent Marktanteil. Noch 2015 waren Streaming und Downloads gleich auf, mit je 34 Prozent.

In den USA: Streaming, Vinyl, CDs - und Tapes

Das Wachstum der Plattenverkäufe in den USA ist dennoch beachtlich. Diese haben laut dem 'BuzzAngle Music 2018 Year-End Report' um 11,9 Prozent zugelegt. Dies ergibt 9,7 Millionen Schallplatten, die über analoge wie digitale Ladentheken wanderten. Noch 2017 waren es "nur" 8,6 Millionen. Wer in den USA übrigens wirklich nicht ausstirbt, ist ein wahrer Dinosaurier: Die Kassette. Tape-Verkäufe sind um fast 20 Prozent angestiegen auf knappe 120.000 Stück. Anscheinend beladen irgendwo Horden von Hipstern ihre Ghetto-Blaster mit neusten Tracks auf Magnet-Band. Dennoch mussten auch physikalische Tonträger Marktanteile ans Streaming abtreten: 15,3 Prozent - damit allerdings nicht so viel wie digitale Downloads, die bald darauf 22 Prozent verloren.

In Deutschland folgt nach dem Stream direkt der Silberling

Hierzulande zeichnet sich ein leicht abweichendes Bild. Auch hier nimmt Streaming solide zu, allerdings hängt der deutsche Hörer stärker an handfesten Formaten. Gemäß der Zahlen des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) stieg die Zahl der Streams auf 79,5 Milliarden und nahm somit um satte 40 Prozent zu. Platz 2 geht an CDs, die sich fast 49 Millionen Male verkauften und somit einen Einbruch von 23 Prozent hinnehmen mussten. Vinyl hat nur einen leichten Treffer hinnehmen müssen, die Verkäufe sanken um 7 Prozent auf 3 Millionen Alben.

Die CD hat ihren Zenit zwar längst überschritten, doch tot ist sie noch lange nicht.

Quelle:  BVMI 

Die CD hat ihren Zenit zwar längst überschritten, doch tot ist sie noch lange nicht.  

Quelle:  BVMI 

Streaming als Marktbefeuerer

Diese Zahlen unterstreichen deutlich den raketenartigen Aufstieg des Streamings. Fans und solche, die es werden wollen, kaufen nicht jedes Album sofort, wie in den Tagen von CDs oder Downloads, sie zahlen lieber eine Monatsgebühr wie auf Spotify, Amazon Prime und Apple Music oder Hörer gleich werbefinanziert und somit kostenlos. Teile der Musikschaffenden sind von diesem Trend wenig begeistert, doch schlussendlich hat die komplette Musikindustrie von diesem Trend profitiert und die besten Zahlen seit Jahren im Verkauf erzielt.

Streaming stärkt weite Teile der Musikindustrie nämlich als Marketing-Multiplikator. Wem ein Album auf Spotify gefällt, ist eher geneigt es sich tatsächlich zu kaufen. Und hier dominiert in Fan-Kreisen mehr und mehr der Plattenspieler. Die Geräte machen nicht nur optisch etwas her, sie klingen in den Ohren vieler Fans auch gut. Obendrein ist es mittlerweile mehr als üblich, dass zur veröffentlichten Vinyl auch ein Download-Code des Albums für Plattformen wie 'Bandcamp' gehört.

Amtliche Schallplattenverkäufe online

Wer regelmäßig auf Konzerten unterwegs ist, der wird dieses Bild bestätigen: Nach dem Besuch am Merch-Stand sieht man stets mehr Fans mit einer Schallplatte unterm Arm stolz davon marschieren, als solche, die sich an ihre CD klammern. Die meisten Schallplatten aber verkaufen sich nicht auf Konzerten oder beim lokalen Vinyl-Dealer, sie werden übers Internet vertrieben. Weit vorne hat sich die Seite 'Discogs' positioniert. Eigentlich wurde die Seite im Jahr 2000 von Kevin Lewandowski gegründet um seine eigene Plattensammlung zu verwalten. Sein Projekt fand weltweit Begeisterung, hat einen eigenen Marktplatz und steht auf Platz 244 der beliebtesten Seiten in unseren Breitengraden. 2018 wurden hier allein 11 Millionen Schallplatten verkauft.

Quelle: Cnet

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