Printmedien suchen nach neuen Ansätzen

Nachrichten im Tinder-Style - der digitale Durchbruch für Regionalzeitungen?

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt ein Projekt, das Jugendlichen und jungen Erwachsenen mithilfe einer App Nachrichten im Tinder-Style anzeigt. Die typischen Wischbewegungen sollen dabei helfen, Nutzern zukünftig zielgerichteter Informationen aus dem Nachrichtenangebot der Regionalzeitungen bereitzustellen.

Ein Wisch nach links "Das sagt mir jetzt aber mal gar nicht zu", ein Wisch nach rechts "Oha, das ist jetzt aber mal interessant" - was sich stark nach dem Tinder-Prinzip für Dating-Apps und Partnerbörsen anhört, könnte zukünftig auch im regionalen Nachrichtensektor eine Rolle spielen. Forscher der Universitäten Bremen und Hamburg können für die nächsten zwei Jahre auf eine umfangreiche Projektförderung zugreifen, um eine dementsprechende App zu entwickeln und zu testen.

Die App soll zeigen, was möglich ist, wenn man das Denken umdreht und nicht von den Gewohnheiten und Interessen von Medienunternehmen ausgeht, sondern von denen der Nutzerinnen und Nutzer

Professor Andreas Hepp (ZeMKI)

Die App soll sich intuitiv bedienen lassen - ganz nach dem großen Vorbild - und Nutzern eine einfache Oberfläche bieten, auf der sich Nachrichten entweder als interessant oder uninteressant bewerten lassen. Nach und nach soll die App dazulernen und Testpersonen vermehrt Nachrichten anzeigen, die den eigenen Interessen entsprechen, heißt es in der Pressemitteilung der Universität Bremen. Zunächst soll die App regional für Bremen und zwei weitere Landkreise bereitgestellt werden und vor allem von jungen Menschen zwischen 16 bis 36 Jahren genutzt werden.

Zunächst soll das redaktionelle Angebot, das in seiner gewohnten Form bereits existiert, auf die App übertragen werden. Anschließend lassen sich Interessen und Lesegewohnheiten junger Menschen auf Grundlage der "Tinder-Logik" ableiten, die es nach und nach mithilfe der empirischen Datenerhebung ermöglichen, eine neue Nachrichten- und Informations-App zu kreieren. Man zäumt das Pferd also vielmehr von hinten auf - nicht aus der Sicht der Verlage, sondern aus dem Verhalten und dem Interesse der Leser.

Von den App-Erhebungen erhofft man sich ein Umdenken

Ausgangspunkt ist demnach die Krise, der sich (nicht nur) regionale Nachrichtenzeitungen ausgesetzt sehen: Das Interesse an Printprodukten nimmt seit der digitalen Entwicklung von Online-Formaten und Blogs spürbar ab und lokale App-Umsetzungen der Verlage stoßen in der Regel auf wenig Beachtung. Dabei greifen vor allem Jugendliche immer weniger zu klassischen Printmedien und beziehen ihre Infos vor allem aus Kanälen, die sie über das Smartphone, Tablets oder den PC erreichen.

In einer Erhebung des Statistik-Portals Statista gaben nur 27 Prozent der befragten Jugendlichen an, "täglich oder mehrmals in der Woche eine Tageszeitung zu nutzen". Zum Vergleich: Vor zehn Jahren griffen immerhin noch 47 Prozent der 12- bis 19-Jährigen auf die gedruckte Form der Tagesnachrichten zu.

Einen Namen trägt dieses Projekt zwar noch nicht, allerdings scheint sich das zuständige Bundesministerium für Bildung und Forschung sicher zu sein, dass sich aus den Ergebnissen der Erhebung rege Schlüsse ziehen lassen, die den Regionalzeitungen zugutekommen - so sicher, dass man rund 640.000 Euro an Fördergeldern bereitstellt.

(@deBeneke)
Nachrichten dienen nicht primär der Unterhaltung

Ob sich aus den erhobenen Ergebnissen ein komplettes Umdenken für Regionalzeitungen herleiten lässt, stelle ich zumindest infrage. Prinzipiell ist es sicherlich hilfreich, sich ein Bild von den Interessen der nachfolgenden Generation zu machen und anhand der technischen Mittel neue Wege zu finden, wie man Publikum dazugewinnt. Letztendlich sind Nachrichten aber aus meiner Sicht mehr, als bloße Unterhaltung - sie dienen der Informationsbeschaffung und der Aufklärung.

Dass man mit diesen Themen nicht generell jeden hinter dem Ofen hervorlockt, ist selbstverständlich - nicht jeder interessiert sich lokalpolitisch oder gemeindeverbunden. Allerdings sollte das auch nicht im Fokus stehen.

Meiner Meinung nach fehlen vielfach ansprechende, innovative Umsetzungen digitaler Print-Alternativen und Formate abseits des Lehrbuchs. Darüber hinaus fehlt es meines Erachtens an einer einfachen, webseitenübergreifen Mikro-Payment-Lösung, mit der man...

  1. ...auch wirklich nur für das bezahlt, was man gelesen hat, anstatt ein Abonnement mit Inhalten zu erstehen, wovon man 60% nicht liest

  2. ...seinen Teil dazu beiträgt, dass Medienhäuser qualitativ hochwertigen Content auch weiterhin produzieren können

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