Wie Google Earth ohne Earth

NASA begeistert auf neuer Webseite mit erkundbaren Planeten und Retro-Postern

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Die NASA macht Marketing. Nicht etwa einfach nur für ihr neues Weltraumteleskop 'TESS', sondern für die fernen Brüder und Schwestern der Erde, nämlich sogenannte 'Exoplaneten', also erdähnliche Himmelskörper in der Ferne des Alls. Und wie machen sie das? Mit einer neuen Website, auf der sich diese Himmelskörper ähnlich wie bei Google Earth erkunden lassen.

Im Jahr 2009 startete die NASA das Weltraumteleskop 'Kepler', das nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannt wurde, der bereits im 17. Jahrhundert die Gesetzmäßigkeiten der planetaren Umlaufbahnen erkannte. Seither lichtete Kepler mit seinen Kameras fleißig ferne Sonnensysteme ab. Bei diesem Planeten-Casting fand es eine wahre Flut erdähnlicher Planeten, die einen neuen Hype um mögliche kolonisierbare Welten entfachte und für so etwas wie einen Miniaufschwung der NASA sorgte.

Diesen Schwung möchte man in Washington D.C. nutzen, weshalb man kurzerhand eine Webseite ins Leben gerufen hat, auf der sich Weltraumbegeisterte die gefundenen fremden Planeten in Google-Earth-Manier ansehen können. Frei schwenkbare Sicht und animierte Landschaftsimpressionen eines Künstlers sollen uns die fernen Himmelskörper näher bringen.

Neuer Raumfahrthype dank SpaceX

NASA Exoplanet

Über das NASA Travel Bureau lassen sich auch Informationen zu interessanten neuen Himmelskörpern abrufen. Beispielsweise Kepler-22b, der aus einem riesigen grünen Ozean besteht.  

Quelle: (Screenshot)  exoplanets.nasa.gov 

NASA Exoplanet

Über das NASA Travel Bureau lassen sich auch Informationen zu interessanten neuen Himmelskörpern abrufen. Beispielsweise Kepler-22b, der aus einem riesigen grünen Ozean besteht.  

Quelle: (Screenshot)  exoplanets.nasa.gov 

Dass diese Seite aktuell so gut ankommt hängt auch damit zusammen, dass von einem neuen Raumfahrthype gesprochen werden kann. Nach der Einstellung des Shuttle-Programms im Jahr 2011 schien der Weltraum nach über 40 Jahren immer neuer Entdeckungen an Reiz zu verlieren - bis Elon Musk auf den Plan trat. Mit seiner Firma 'SpaceX' und seiner erklärten Mission, die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies machen zu wollen, steckte er auch Investoren wie Jeff Bezoz und Juri Millner an, die nun ebenfalls neue Raketen und Antriebssysteme entwickeln.

Als es Musk schließlich gelang, die verschiedenen Raketenstufen seiner Falcon-Reihe zurückfliegen und landen zu lassen, waren sie mit einem Mal wiederverwertbar und damit erheblich günstiger als die Konkurrenz. Daraufhin schienen auch die politischen Entscheider in den USA wieder mehr Enthusiasmus für die teure Raumfahrt erzeugen zu können.

NASA + SpaceX = vom Weltall träumen

Seither sind die NASA und SpaceX zu einem guten Team geworden. Die NASA lässt Musks Raketenbauer die ISS mit Vorräten (und bald Personen) versorgen und nun auch mit Sonden. Neuestes Beispiel ist die Weltraumsonde 'TESS', die als Nachfolger Keplers den gesamten aus der Erdnähe beobachtbaren Kosmos nach möglicherweise habitablen, also von Menschen bewohnbaren, Planeten absuchen soll. Der Grund dafür, dass diese High-Tech-Teleskope für viele Millionen Euro in den Orbit geschossen werden ist, dass die Lichtverhältnisse auf der Erde 99 Prozent der Sterne verdecken (bei Nacht wohlgemerkt).

Um TESS also einen würdigen Start in seine (Um-)Laufbahn zu ermöglichen, dachte man sich nun also die Webseite aus, auf der wir per Mausklick vom Besuch der bisher entdeckten Himmelskörper träumen dürfen. Die meisten von ihnen bieten ungewöhnliche Farbgebungen wie rotes Gras, mehrfache Schattenwürfe wegen mehrerer Sonnen oder besonders kurze Jahre von so wenig wie irdischen zwei Tagen.

NASA mit Humor: Poster als Dreingabe

Exoplanet Kepler 16b

Kapler-16b: Wo dein Schatten immer Gesellschaft hat ...  

Quelle:  exoplanets.nasa.gov 

Exoplanet Kepler 16b

Kapler-16b: Wo dein Schatten immer Gesellschaft hat ...  

Quelle:  exoplanets.nasa.gov 

Man beschränkt sich bei der 'National Aeronautics and Space Administration' aber nicht bloß auf die Google-Earth-Variante für den Weltraum, sondern hat obendrein auch noch Retro-Werbeposter designen lassen, wie sie vor 30 Jahren in einem Reisebüro gehangen haben könnten. Darauf ist beispielsweise ein Pärchen in extravaganter Kleidung auf PSO J318.5-22 zu sehen - darunter der Slogan: "Besuchen Sie den Planeten ohne Stern. Wo das Nachtleben niemals endet."

Ein weiteres Beispiel ist HD 40307g, der deutlich massereicher ist als die Erde und damit eine deutlich höhere Schwerkraft hat. Auf dem Bild sieht man einen Menschen in einem Wingsuit in Richtung Oberfläche springen. Der freie Fall dort wäre um ein Vielfaches schneller als auf der Erde, weshalb der Slogan "Erleben Sie die Gravitation von HD 40307g - eine Super Erde" wohl treffend gewählt ist.

Ferne Erden: Mehr für Spanner als für Reise-Junkies

Die Erkundung ferner erdähnlicher Planeten wird allerdings vorerst auf die NASA-Webseite beschränkt bleiben. Zwar werden wir wohl schon bald mehr über sie erfahren, zum Beispiel mit dem geplanten 'James-Webb-Weltraumteleskop', das alle bisher gefundenen Exoplaneten erneut ablichten und detaillierter untersuchen soll. Aber Gewissheit über die Zustände vor Ort würde nur eine Sonde liefern können und das würde viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende dauern.

Beispiel gefällig? Eines der nächstgelegenen Sonnensysteme ist 'Proxima Centauri', das 'nur' 4,2 Lichtjahre entfernt ist, also knapp 40 Billionen Kilometer. Zum Vergleich ist der Mars, wenn sich unsere Bahnen um die Sonne am nächsten sind, lediglich 54 Millionen Kilometer entfernt. Für diese Reise brauchen menschliche Raumsonden aktuell mindestens sechs Monate Zeit. Nach Proxima Centauri wäre es also 740.000 mal weiter als zum Mars. Dort kreist der uns nächste erdähnliche Planet. Ein Klick auf die NASA-Webseite ist also deutlich näherliegender.

Wer sich die echten Distanzen nicht vorstellen kann, findet hier Auszüge aus dem IMAX-Film 'A Cosmic Voyage':

Quelle: NASA

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