digitale Themen, leicht verständlich.

VOD-Anbieter skeptisch

Netflix, Amazon Prime und Co.: EU bestimmt Quote für regionale Produktionen

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Eine Richtlinie der EU soll zukünftig dafür sorgen, dass Streaming-Anbieter eine Mindestquote an europäischen Produktionen in ihren Mediatheken zur Verfügung stellen. Anbieter wie Netflix sehen eine Zwangsvorgabe an Inhalten kritisch, die EU sieht hingegen Chancen für eigene Produktionen und Investitionen in europäische Medienformate.

Das deutsche Fernsehen kränkelt! Sender haben uns jahrelang mit günstigen Trash-Formaten, Promi-Quiz-Shows und unzähligen Wiederholungen von (amerikanischen) Erfolgsserien drangsaliert, bevor uns Netflix, Amazon Prime und andere Streaming-Anbieter aus der TV-Lethargie gerissen haben. Seitdem erleben wir den Hochglanz amerikanischer Unterhaltung hautnah, stets abrufbereit und genießen Formate mit (für deutsche Verhältnisse) unvorstellbar hohem Budget - was sich nicht nur in den Geschichten, sondern auch in der Qualität der Inhalte widerspiegelt.

Für deutsche und europäische Produktionen keine sonderlich guten Nachrichten. Schwinden die Zuschauer, schwindet das so schon vergleichbar kleine Produktions-Budget und die Konkurrenzfähigkeit bleibt auf der Strecke. So könnte zumindest ein Erklärungsansatz dafür lauten, weshalb sich die EU jetzt in diesen Teufelskreis einklinkt und eine Richtlinie auf den Weg gebracht hat, die Streaming-Anbietern in Zukunft vorschreibt ihre Medienbibliotheken mit mindestens 30 Prozent europäischen Inhalten zu bestücken.

Netflix sieht Quote skeptisch

Innerhalb der nächsten 21 Monate gilt es nun für die europäischen Mitgliedsstaaten, aus der neuen Regelung heraus ein nationales Recht umzusetzen.

Bereits längere Zeit ist die Rede von einer Quote, die Fernsehsendern und Streaming-Anbietern einen prozentualen Anteil an Formaten aus dem europäischen Raum verordnen möchte. Nun ist der Regelung zugestimmt worden, um die kulturelle Vielfalt für europäische Medien zu fördern. Innerhalb der nächsten 21 Monate gilt es nun für die europäischen Mitgliedsstaaten, aus der neuen Regelung heraus ein nationales Recht umzusetzen, an das sich Anbieter wie Netflix, Amazon oder iTunes zukünftig zu richten haben, schreibt Heise.

Bereits im Oktober äußerte sich Netflix kritisch zu solch einer Quote, da man sich lieber an Optimierungen orientieren würde als an verordneten Quoten. Die EU verspricht sich durch die Richtlinie hingegen neue Chancen für europäische Medienformate und eine gesteigerte Investitionsbereitschaft in heimische Produktionen.

Strengere Jugendschutzregeln für VOD-Anbieter

Zudem hat die EU schärfere Regeln in Bezug auf den Jugendschutz in der Richtlinie festgehalten. Diese bezogen sich zwar zunächst nur auf Fernsehanstalten, wurden im Zuge der Anpassungen allerdings auf Streaming-Anbieter ausgedehnt. Die Richtlinien besagen, dass Anbieter deutlich zügiger auf Meldungen von potenziell anstößigen oder gewaltverherrlichenden Inhalten reagieren müssen. Außerdem sollen die Mechanismen zur Meldung solcher Inhalte leichter zur Verfügung gestellt werden.

Aus dem Heise-Bericht geht außerdem hervor, dass die Richtlinien ebenso einen gesteigerten Schutz für personenbezogene Datensätze von Kindern vorsehen. Diese dürften von VOD-Anbietern nicht dafür benutzt werden, um Profile zu erstellen und daraus hervorgehend maßgeschneiderte Werbung zu platzieren.

(@deBeneke)
Qualität setzt sich durch, dafür benötigt es keine Quote.

Während ein besserer Datenschutz sicherlich positiv anzuerkennen ist, wirkt die Zwangs-Quote für europäische Inhalte eher wie eine Bevormundung des Zuschauers. So in der Art: Wir wissen, dass wir im internationalen Vergleich gegenüber den Hochglanzproduktionen von Netflix, AMC oder Hollywood abstinken, aber mit der Quote setzen wir die Formate wenigstens per Zwang ins Rampenlicht.

Es gibt durchaus hochwertige europäische Produktionen wie 'Dark', 'Black Mirror' oder das spanische 'Haus des Geldes' (um an dieser Stelle nur einige Netflix-Produktionen aufzuzählen), die auch international von sich Reden gemacht haben. Doch wenn die Nutzer scharenweise zu den amerikanischen Streaming-Anbietern wechseln, sollte man vielleicht an der eigenen Qualität schrauben und mit kreativen Ansätzen punkten, anstatt mit dem Finger neidisch auf Hollywood zu zeigen. Qualität setzt sich durch, dafür benötigt es keine Quote.

Quelle: heise.de

Hier erfährst du mehr über: Netflix und Video-Streaming

Sag uns deine Meinung!