Fortsetzung folgt?

Netflix kappt Verbindungen zu Marvel: Adé Jessica Jones und The Punisher

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von Julius Zunker -

Als im Oktober 2018 Netflix 'Iron Fist' und 'Luke Cage' absetzte, ließ sich dies als erster Vorbote für die baldige Trennung von Marvel/Disney und Netflix erahnen. Das Aus für 'Marvel’s Daredevil' bestätigte diese Vorahnung. Mit der Absetzung von 'Jessica Jones' und 'The Punisher' streicht Netflix auch die letzten seiner Straßenhelden aus dem Programm. Doch es gibt Hoffnung.

Disney, Marvel und Netflix hatten mit ihrer Kooperation um 'Daredevil' und Co. eine kleine Revolution losgetreten: Eine auf Hochglanz polierte Comic-Serie für ein erwachsenes Publikum, welche zwar im Marvel Cinematic Universe verankert ist, allerdings nicht von den Fans verlangt, sich sklavisch mit jedem Inhalt auseinandergesetzt zu haben. Der Teufel von Hell’s Kitchen prügelte sich mit Anlauf in die Herzen der Fans. Matt Murdock auf dem Fuße folgten seine Viertel-Nachbarn Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist. Nach einem mehr als erfolgreichen Gastauftritt bekam sogar The Punisher eine eigene Serie.

Jede Netflix-Marvel-Serie mit eigenem Stil

Das Konzept hinter dieser Zusammenarbeit hatte direkten Anklang gefunden. Anstatt nur weitere AAA-Helden zu installieren, operierten die 'The Defenders' auf den Straßen New Yorks, alle mit einer gewissen Begrenzung durch ihre Stadtviertel. Bisweilen kreuzen sich ihre Wege über gemeinsame Bekannte und Plot-Stränge. Dabei haben sie jedoch immer auch ihre eigenen Kämpfe auszutragen - ob mit Immobilien-Spekulanten, traumatisierenden Ex-Gegnern, gierigen Club-Betreibern, uralten Mörder-Kulten oder inneren Dämonen.

Unser Partner mag sich dafür entschieden haben die Geschichten dieser großartigen Charaktere nicht weiter zu erzählen… doch Ihr kennt Marvel doch besser.

Jeph Loeb

Jede der Serien hatte, bei allen Gemeinsamkeiten, ihren eigenen Stil. Daredevil richtete sich in Optik und Erzählung in vielen Belangen an Procedural-Dramen, Jessica Jones orientierte sich im Aufbau an Noir-Geschichten, Luke Cage baute sich als Hood-Erzählung auf. Nur Iron Fist hatte merkliche Probleme beim Spagat zwischen Eastern und Familien-Tragödie. The Punisher in seinem Spin-Off entpuppte sich schnell als klangstarke Sicht auf die immensen Schwierigkeiten, mit denen sich Veteranen an der Heimatfront konfrontiert sehen, wenn der Krieg doch eigentlich hinter ihnen liegen sollte. Kurzzeitig vereinten sich die vier Haupthelden sogar gegen einen gemeinsamen Feind in 'The Defenders'.

Mit der Ankündigung von Marvel Besitzer Disney unter dem Namen einen eigenen, weltweit operierenden Streaming-Sender namens 'Disney+' Ende 2019 zu starten, zeichnete sich schnell ab, dass zu enge Verbindungen zwischen Disney und Netflix flott gekappt werden würden. Luke Cage und Iron Fist wurden als erste auf ihre Matten geschickt. Nach zwei Staffeln kam für beide Helden das Aus.

Eine letzte Staffel für Jessica Jones auf Netflix

Als nächstes schlug für den Helden die Stunde, mit dem alles begann. Nach seiner dritten Staffel war für Matt Murdock die Zeit gekommen, sich zu verabschieden. Netflix hat nun offiziell mit der Absetzung von Jessica Jones und The Punisher auch die beiden verbliebenden Heroen aus- bzw. angezählt. The Punisher bekam seine letzte Staffel schon, Jessica Jones wird sich noch ein letztes Mal als Privatdetektiv versuchen dürfen, bis auch für sie wirklich der letzte Vorhang fällt.

In einem Statement richtet sich Netflix an die Fans der Serien: "Marvel’s The Punisher wird nicht für eine dritte Staffel auf Netflix zurückkehren. Zusätzlich wird die kommende, dritte Staffel die letzte Staffel für Jessica Jones sein. Wir danken Marvel für fünf Jahre einer fruchtbaren Partnerschaft und danken allen leidenschaftlichen Fans, die diesen Serien seit ihrem Beginn gefolgt sind."

Marvel macht Fans Hoffnung

Auch Marvel ausführender Vize Jeph Loeb hat sich zu dem Thema in einem emotionalen Brief auf Marvels Internet-Auftritt zum Ende der Kooperation geäußert. Er betont, dass noch nie jemand zuvor ein Experiment gewagt hat, in dem vier Serien von unterschiedlichen Show-Runnern, Autoren, Regisseuren und mit unterschiedlichen Ausrichtungen zu einer Serie wie The Defenders vereint wurden. Und er lässt einen Hoffnungsschimmer für alle Fans aufkeimen:

"Unser Partner mag sich dafür entschieden haben die Geschichten dieser großartigen Charaktere nicht weiter zu erzählen… doch Ihr kennt Marvel doch besser. Wie es Matt Murdocks Vater einst sagte: Miss einen Mann nicht daran, wie er auf die Matte sinkt, sondern daran, wie er sich wieder erhebt." Dahinter setzt Loeb noch ein betont dramatisches "Fortsetzung folgt…!"

Wie (und ob) es für Daredevil und Co. weitergeht, wird sich sicherlich erst zum Ende des Jahres abzeichnen. Mehr als fraglich erscheint es dabei, dass es in irgendeiner Form der bisherigen Besetzungen fortgesetzt werden sollte. Allerdings wurden schon andere TV-Formate nach ihrer Absetzung von Sendern aufgekauft und erfolgreich weiterproduziert. 'The Hollywood Reporter' gegenüber äußerte Disneys oberster Deal-Einfädler Kevin Mayer ebenfalls, dass diese Möglichkeit noch im Raum steht. Eventuell ist also für die Verteidiger von New York doch noch nicht die letzte Schlacht geschlagen.

Quelle: marvel.com

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