Emotionen in der Öffentlichkeit

Netflix-to-Go: Immer mehr Menschen schauen unterwegs

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Neben guten Serien produziert Netflix schon mal Begriffe fürs Wörterbuch und - wenn es sein muss - schreibt sich der Streaming-Dienst zur Not auch auf die Fahne, das Handeln der Menschen zu beeinflussen. So geschehen im letzten Blogpost-Eintrag des Medienkonzerns, der mit 109 Millionen Nutzern zu den einflussreichsten Entertainment-Services gezählt werden kann.

Nachdem Netflix maßgeblich an der Schöpfung des Wortes 'Binge Watching' beteiligt ist, kommt der neueste Blog-Eintrag zur Schlussfolgerung: Unsere Verhaltensweisen ändern sich, weil uns nun auch die Möglichkeit gegeben wird, komplette Staffeln mithilfe der Streaming- und Download-Funktionen unterwegs zu inhalieren. Stimmt das? Werfen wir unsere Gewohnheiten über Bord, nur weil es immer weniger Binge-Watching-freie Zonen gibt, in denen wir nicht mit einem der rund 2,4 Milliarden Smartphones oder Tablets Serien suchten? Nur, weil wir nicht mehr bis abends warten können, lassen wir zukünftig unseren Emotionen auf der Parkbank freien Lauf?

Infografik von Netflix zur Benutzung von Netflix unterwegs

Etwas mehr als zwei Drittel der Netflix-Nutzer schauen Serien und Filme auch unterwegs. Dabei nehmen sie anscheinend in Kauf, fremde Blicke auf sich zu ziehen.  

Quelle:  media.netflix.com 

Infografik von Netflix zur Benutzung von Netflix unterwegs

Etwas mehr als zwei Drittel der Netflix-Nutzer schauen Serien und Filme auch unterwegs. Dabei nehmen sie anscheinend in Kauf, fremde Blicke auf sich zu ziehen.  

Quelle:  media.netflix.com 

Sicher ist: Auch unterwegs lassen sich die Angebote von Streaming-Diensten immer einfacher konsumieren. Deutsche Nutzer haben durch die 'rückständige Netzabdeckung' international vielleicht noch das Nachsehen, aber auch hierzulande lassen sich Serien-Highlights aus der Cloud auf den internen Speicher eines mobilen Geräts ziehen.

Stören, schnüffeln, gespoilert werden - die Tücken des Netflix-on-the-go

In einer von Netflix in Auftrag gegebenen Studie des Online-Umfrage-Tools 'SurveyMonkey' gaben rund 67 Prozent der teilnehmenden Nutzer an, sowohl in Bus, Bahnhof oder Wartezimmer (also unterwegs) dessen Inhalte zu konsumieren. Wohl wissend, dass Serien schon mal Lacher oder Gefühlsausbrüche verursachen, die unter Umständen Blicke fremder Personen nach sich ziehen können.

Selbst dabei beobachtet zu werden scheint viele der Teilnehmer kaum zu stören, denn fast die Hälfte der Befragten gaben an, von Fremden "beschnüffelt" worden zu sein - also fremde Blicke auf dem eigenen Tablet gespürt zu haben. Viel schlimmer noch: Rund 11 Prozent der Schnüffler ließen sich durch den Blick auf den Bildschirm auch noch spoilern - ganz zu schweigen von den daraus resultierenden Unterbrechungen, welche die Binge-Watcher erdulden müssen.

(@deBeneke)
Nicht so heiß gegessen wie gekocht

Findet hier wirklich ein Wandel im öffentlichen Verhalten statt, wie es sich Netflix gerne auf seine Fahne schreiben würde? Etwas viel Wind, wenn man mich fragt. Zum einen existieren neben Netflix noch weitere Streaming-Anbieter, zum anderen gab es auch vor Netflix schon Unterhaltung für unterwegs. Außerdem wurde die Befragung ausschließlich unter Netflix-Nutzern durchgeführt.

Letztendlich sind die Aussagen weit weniger wild, wie es Netflix lieb wäre. Natürlich würde der Streaming-Anbieter gerne für sich in Anspruch nehmen, positiv am Verhalten der Leute zu schrauben. Allerdings können beispielsweise auch Bücher, andere Printmedien oder Musik Emotionen auslösen, wenn man sich darin verliert. Dazu musste nicht erst Netflix die Unterhaltung für unterwegs in seine Hände nehmen. Schiebt man den Marketing-Gedanken des Unternehmens allerdings mal beiseite, werden wir uns zukünftig wohl häufiger darauf einstellen können, dass mehr und mehr Nutzer die Vorzüge von Netflix-to-go und Co. nutzen. So viel lässt sich der Befragung entnehmen.

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