Click Fraud

Neue Masche: So zocken Betrüger die Musik-Streaming-Anbieter ab

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

In der Online-Werbeindustrie sind vorgetäuschte Klicks zur Umsatzgenerierung bereits ein alter Hut. Aber auch bei Musik-Streaming-Diensten wie Spotify wird getrickst. So luchsen Cyber-Kriminelle den echten Künstlern unfairerweise ihre Tantiemen ab.

Um zu zeigen, wie anfällig die Branche tatsächlich ist, haute Peter Fillmore - ein australischer Sicherheitsexperte - schon bereits vor drei Jahren in die Tasten. Und zwar nicht in die Tasten eines Pianos, sondern in die seines PCs. Der Mann, der mit Musik rein gar nichts am Hut hat, stellte unter dem Namen John Matrix einige zusammengesetzte Sound-Schnipsel beim Musik-Streamingdienst Rdio ein und erzielt innerhalb kürzester Zeit einen Gewinn von gut 1.000 US-Dollar. Dafür setzte er eine selbstprogrammierte Anwendung ein, die dafür sorgte, dass seine Titel (mit so klangvollen Namen wie"Right now, I´m very hungry" und "I´ve only known you for five minutes and I want you dead") vier Wochen lang in Endlosschleife abgespielt wurden.

Sind Deezer, Spotify und Co. auch davon betroffen?

"Die Chancen stehen gut, dass Betrugsmechanismen von den Anbietern gar nicht erst entdeckt werden", meint Sharky Laguna, Gründer der Band Creeper Lagoon, der sich schon länger mit dem Thema befasst. Grund dafür könnte sein, dass die Betrüger den Umsatz der Streaming-Dienste nicht beeinflussen. Opfer des Click Frauds sind echte Bands und neue, noch unbekannte Künstler, deren Chancen sich verringern über die Tantiemen ihr Geld zu verdienen.

Aktuell sieht die Abrechnungsmethode so aus: Die Dienste erhalten die Zahlungen aus den Abo-Einnahmen und behalten einen gewissen Prozentteil davon ein. Das übriggebliebene Geld wird in Abhängigkeit von der Anzahl der Streams auf die verschiedenen Künstler verteilt. Laguna spricht in diesem Zusammenhang von der "Big Pool Methode“. Eine Änderung der Abrechnungsmethode ist scheinbar nicht in Sicht. Gegenüber dem österreichischen Online-Portal futurzone sagte Spotify-Sprecher Marcel Grobe: "Alternative Vergütungsmodelle sind für uns kein Thema. Wir haben ein Geschäftsmodell, das für uns gut funktioniert."

Die logische Lücke im System der Streaming-Dienstleister machte sich in einem prominenten Fall die Band Vulfpack zu Nutze und rief Fans dazu auf ihre Tracks mit dem Namen "Sleepify" über Nacht konstant zu streamen, obwohl es außer Stille nichts zu hören gab. Bevor Spotify die Band von der Plattform nahm, hatten diese schon 20.000 US-Dollar verdient. Laut Spotify werden aktuell Algorithmen eingesetzt, die frühzeitig den Einsatz künstlicher Klicks erkennen sollen.

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