Mittel der Zensur oder Moderation?

Neue Twitter-Features: Hide und View Hidden Tweets in Entwicklung

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von Julius Zunker -

'Hide Tweet' - verstecke Tweet - heißt es nun bei Twitter. Das vermittelt zumindest eine Bestätigung aus dem Haus des blauen Vögleins die eigene App betreffend. Die Reaktionen auf das neue Feature zum Verbergen von Kommentaren fallen erwartungsgemäß gespalten aus. Die einen freuen sich darauf wieder Kontrolle über ihre Konversationen zu gewinnen, die anderen wittern Zensur.

Erst heute hat Twitter bestätigt, was zuvor bereits angedeutet worden ist: Das Unternehmen werkelt fleißig an einem Feature, mit dem sich Tweets verbergen lassen - 'Hide Tweet' eben. Die Möglichkeit, die im Twitter-Code entdeckt wurde, steht über eine Liste von Moderations-Optionen zur Verfügung, die beim Drücken des Teilen-Knopfs zu einem Tweet erscheinen. Genau wie der Name es vermittelt, verbirgt diese Option einen Tweet und stellt so eine Maßnahme dar einen Kommentator zu blockieren oder stummzuschalten.

Zusätzliches Twitter-Feature macht Verborgenes sichtbar

Analog zu diesem neuen Feature befindet sich mit 'View Hidden Tweets' die Möglichkeit in der Entwicklung verborgene Tweets wieder sichtbar zu machen. Diese Option soll explizit anderen Usern und nicht dem Original-Poster zur Verfügung stehen. Entdeckt wurden die beiden Optionen im Code am Donnerstag von App-Researcherin Jane Manchun Wong. Wong gibt an, die Entdeckung in der Twitter-App für Android gemacht zu haben. Twitter bestätigte mittlerweile die Entwicklung der beiden Feature 'Techcrunch' gegenüber.

In der Nutzerschaft kam direkt Sorge über das neue Feature auf. Immerhin ließen sich so Kritiker "zum Schweigen" bringen, nicht nur für sich selber über die Mute- und Block-Funktion, sondern für jeden auf Twitter. Zwar würden sich verborgene Tweets mit einem Klick wieder sichtbar machen lassen, aber genau dies würden viele User eben nicht tun. Schnell könnten wichtige Punkte einer Konversation verschwinden und so ganze Diskussionen manipuliert werden.

Twitter im Kampf um gesunde Gespräche

Auf der anderen Seite können mit dem neuen Feature Poster wieder Kontrolle über Reaktionen auf ihre Tweets gewinnen. Es braucht keine große Vorstellungskraft um zu vermuten, dass sich Twitter hiervon einen Zuwachs an Usern verspricht. Obendrein könnten sich weniger User befleißigt fühlen besonders giftige Repliken zu verfassen, wenn sie erwarten müssen, dass diese dann eh verborgen werden.

In Wongs erstem Tweet war zunächst nicht erkennbar, ob sich mit dem 'Hide-Tweet'-Button eine Antwort für alle verbergen lässt oder nur für die Person, die den Knopf tatsächlich drückt. Erst mit dem Posten des betreffenden Codes selber stellte Wong klar, dass es sich dabei um eine "Moderations"-Aktion handeln soll, die der Gesundheit einer Konversation dienen soll und nicht der Zensur.

Verantwortung auf Tweeter abgewälzt?

Als Reaktion auf Wongs Entdeckung und die damit einhergehende Diskussion veröffentlichte Michelle Yasmeen Haq, Senior-Projekt-Managerin bei Twitter ein Statement, in dem sie das neue Feature begründet. Sie verweist darauf, dass an ihren Arbeitgeber häufig herangetragen würde, dass sich Tweeter nach einem Weg sehnen, mit dem sie ihre Konversationen schützen können. Da für Twitter User, die interessante Gespräche starten, besonders wichtig seien, verdienten diese auch besonders viel Kontrolle über ihre Konversationen. Genau diese Kontrolle soll mit dem neuen 'Hide'-Feature gegeben werden - bevor zu harten Mitteln wie Block und Mute gegriffen werden muss. Auf der anderen Seite soll das 'View-Hidden-Tweet'-Feature den Lesern eine Möglichkeit zur Kontrolle geben um einen Missbrauch der 'Hide'-Funktion zu verhindern.

'Techcrunch' verweist im Kontext des neuen Features, dass dieses zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt zu kommen scheint. Twitter war in der Vergangenheit vermehrt in der Kritik auf Grund der steigenden Giftigkeit in Konversationen auf der Plattform geraten. Twitter versprach proaktive Wege zu gehen um User zu schützen - ohne dabei die Verantwortung auf die eigentlichen Opfer abzuwälzen. Genau diesen Weg geht aber Twitter nun offenbar mit dem neuen Feature erneut, müssen zur Nutzung doch Tweeter wieder selbst aktiv werden.

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