Online-Advertising unter Beschuss

Neue Vorwürfe: EU-Komission will Googles Kerngeschäft an den Kragen

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Im Rechtsstreit gegen Oracle konnte Google gerade erst einen Sieg für sich verbuchen, doch die Vorwürfe gegen den Weltkonzern nehmen kein Ende. Nun bereitet die EU-Kommission eine Klage vor, die Googles größte Einnahmequelle unter die Lupe nimmt – das Geschäft mit Online-Werbung.

Es ist das dritte Mal, dass die Kartellwächter aus Brüssel eine Beschwerde gegen Google vorbringen werden. Gegenüber der Financial Times haben Insider verraten: Margrethe Vestager, die Teil der EU-Wettbewerbs-Kommission ist, plant zwei verschiedene "statements of objections" gegen das Unternehmen vorzubringen. Google missbrauche seine Marktmacht und ziehe sowohl bei Online-Anzeigen als auch im Bereich Shopping eigene Angebote vor.

Rivalen haben keine Chance?

Die Anklage bezüglich des Online-Shopping-Services beruht auf Kritik, die die EU-Kommission bereits im letzten Jahr gegen den Suchmaschinen-Giganten mit starken Monopol-Tendenzen vorbrachte. Demnach nutze Google seine vorrangige Position als populärste Suchmaschine, um europäische Konsumenten zum hauseigenen Shopping-Service zu leiten – weg von Angeboten der Konkurrenz.

Bei den neuesten Vorwürfen handelt es sich nur um die Spitze des Eisbergs. In den Augen der EU-Kommission stellt das Smartphone-Betriebssystem Android ebenso eine Verletzung des Wettbewerbsrechtes dar, da jeder Hersteller verpflichtet sei, die Google Suche via Chrome auf seinem Gerät vorzuinstallieren. Auch andere Geschäftspraktiken - wie beispielsweise das exzessive Sammeln privater Daten - stehen unter Beschuss der Brüsseler Kartellwächter.

Ads sind die sprudelnde Geldquelle

Google erzielt über 90 % seines Gewinns – das waren 2015 schlappe $ 75 Milliarden – durch Werbung. Online-Anzeigen neben und innerhalb der Suchergebnisliste, auf der hinzugekauften Videoplattform YouTube und auf Drittanbieter-Seiten stellen das äußerst lukrative Kerngeschäft des Unternehmens dar. Als Vermittler zwischen Werbetreibenden und Kunden, zum Beispiel durch Service-Angebote wie AdSense und AdWords, wurde Google Inc. zu einem der größten börsenorientierten Unternehmen nach Marktkapitalisierung (Gesamtwert der Anteile).

The Never Ending Story: Antitrust-Battle in der Zusammenfassung

2007 (USA) – Konsumentenvereinigungen und Wettbewerber fordern die U.S. Federal Trade Commission auf, gegen Googles Akquirierung der Online-Display-Werbefirma "DoubleClick" zu ermitteln. Google kommt mit einer Verwarnung davon.

2008 (USA) – Eine Zusammenarbeit zwischen Google und Yahoo bezüglich "search ads" wird vom U.S. Justice Department verboten, die zweit Unternehmen würden sonst den Markt dominieren.

2009/10 (Europa) – Guppen aus Konkurrenten und der Industrie tun sich zusammen, um gemeinsam Beschwerden gegen Google einzureichen. 2010 unternimmt die EU-Kommission erste Schritte, um das Konzept der Google-Suche genauer unter die Lupe zu nehmen.

2013 (USA, Brasilien, Südkorea) – Nachdem Google zustimmt einige Änderungen seiner Geschäftspraktiken vorzunehmen, lässt die FTC in den USA die Anklagen fallen. Klagen von Suchmaschinen-Rivalen in Südkorea (NHN und Daum – jetzt bekannt unter Naver und Kakao) werden abgewiesen. Auch in Brasilien wird ermittelt, ob Google die Konkurrenz systematisch aus dem Geschäft zu drängen versucht.

2013 – 2015 (Europa) – Ein langes Tauziehen zwischen der EU und Google nimmt 2013 seinen Lauf. Mitbewerber beschweren sich immer wieder, dass die EU-Kommission den Suchmaschinen-Giganten zu schnell vom Haken lässt. Seit 2015 ist der Vorwurf, dass Suchmaschinen-Ergebnisse zum eigenen Vortiel manipuliert würden, Teil der Anklagen. In Russland befindet man Google schuldig, Android dazu benutzt zu haben, um Smartphone-Herstellern die eigenen Apps aufzuzwingen. Der Konzern wird zu einer Geldstrafe verpflichtet.

2016 (Kanada) – Ein dreijähriges Verfahren des "Competition Bureau" wird eingestellt, da Google zwischenzeitlich bereits Änderungen vorgenommen hat, durch welche die Konkurrenz nicht mehr so stark benachteiligt werde. 2016 (Europa) – Auch in Europa sind die vorinstallierten Google-Apps auf Android-Mobiltelefonen ein Dorn im Auge der Kartellwächter. Auch das Online-Anzeigen-Business steht zukünftig unter Beschuss.

(Basierend auf Informationen von Business Insider.)

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