Datenkrake 2.0

Nichts zu verbergen? Von wegen: Das verraten private Daten tatsächlich über euch

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Ihr nutzt Google Maps zur Navigation und die Kreditkarte zum Bezahlen im Netz? Ihr haltet eure Social-Media-Accounts immer auf dem neusten Stand und surft ohne VPN oder sonstige Vorsichtsmaßnahmen durch das Internet? Ihr werdet überrascht sein, was Unternehmen alles über euch wissen und welche privaten Daten mittlerweile komplett ausgelesen werden können.

Über die eigene Sicherheit im Internet und den Schutz der Privatsphäre im Allgemeinen wird bekanntlich schon seit geraumer Zeit diskutiert. "Gebt nicht überall einfach so eure Daten an" oder "Passt auf, welche Internetseiten ihr ansurft", heißt es dabei häufig. Doch wie neue Studien und Recherchen der Federal Trade Commission (FTC), der New York Times und einiger weiterer Institutionen und Experten zeigen, scheint das alles nur die Spitze eines sehr großen Eisbergs zu sein. Und wenn man sich die folgenden Informationen etwas genauer anschaut, kann man es schon mit der Angst zu tun bekommen.

Ein kleines Beispiel zum Einstieg gefällig? Ihr nutzt Google Maps auf eurem Smartphone, um einfacher und schneller zu dem gewünschten Ziel zu kommen. Dabei hinterlasst ihr eine (GPS-)Spur, die für die sogenannten 'Data Broker' viel Geld wert ist. Diese Daten werden nämlich nicht nur dazu genutzt, um die schnellstmöglichen Routen und das Verkehrsaufkommen vorherzusagen. Sie generieren zudem auch Informationen darüber, wo ihr wohnt, wohin ihr wann fahrt, wer euer Arbeitgeber ist, wo eure Kinder zur Schule gehen und vieles mehr. Und vielleicht wollt ihr auf dem Weg ja noch etwas einkaufen oder spezielle Orte wie Kirchen, Fitness-Center oder gewisse Etablissements besuchen…

Um welche Daten handelt es sich eigentlich genau?

Die Kollegen des Online-Portals 'The Conversation', die für ihre unabhängigen wissenschaftlichen Studien und journalistischen Recherchen bekannt sind, haben dieses Thema mit dem folgenden Resümee sehr gut auf den Punkt gebracht: "Jedes Gerät, das ihr verwendet, jedes Unternehmen, mit dem ihr Geschäfte tätigt, jedes von euch erstellte Online-Konto, und sogar die Regierung selbst erheben Daten über euch". Doch sind eure Namen, Adressen oder Telefonnummern bei weitem nicht alles, was man aus euren virtuellen Gewohnheiten herauslesen kann: Sämtliche Geldgeschäfte (wie zum Beispiel Überweisungen, deren Höhe und deren Empfänger), eure Browser-Aktivitäten, private Fotos und Informationen aus den verschiedenen sozialen Netzwerken, sämtliche Standorte eures Smartphones – und diese Liste geht fast unendlich so weiter, wie die folgende Grafik der FTC zeigt.

Eine Auflistung sämtlicher Daten, die ungefragt gesammelt werden.

Bei der Menge an persönlichen Daten, die zum Großteil ungefragt gesammelt werden, sollte man sich nicht wundern, wenn man von Werbe-Mails und -Anrufen förmlich überschwemmt wird.

Quelle: (Screenshot)  FTC.gov 

Eine Auflistung sämtlicher Daten, die ungefragt gesammelt werden.

Bei der Menge an persönlichen Daten, die zum Großteil ungefragt gesammelt werden, sollte man sich nicht wundern, wenn man von Werbe-Mails und -Anrufen förmlich überschwemmt wird.  

Quelle: (Screenshot)  FTC.gov 

Die meisten dieser Daten können jederzeit direkt mit eurer Person verknüpft werden und stellen für die Informationshändler eine wahre Goldgrube dar. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, sämtliche Nutzerdaten aufzukaufen, um sie dann gewinnbringend, beispielsweise an Werbetreibende, wieder zu verkaufen. Laut den Online-Magazinen 'Motherboard/Vice' und 'Wired' gehört aber nicht nur Facebook zu den Verkäufern, sondern unter anderem auch Anbieter von Kunden- und Prämienkarten, zahlreiche App-Entwickler und sogar verschiedene Banken.

Nur die wenigsten Nutzer wissen, was mit ihren Daten tatsächlich passiert

Mehr Wert auf die Sicherheit der privaten Daten legen.

Einer der Gründe, warum viele User denken, dass ihre Daten 'sicher' sind: die berühmt-berüchtigten Datenschutzrichtlinien. Hier beschreiben die Unternehmen, welche Daten wann und warum erhoben werden und was damit geschieht. Das Problem ist jedoch, dass diese Richtlinien entweder nicht verstanden oder gar nicht erst gelesen werden. Diesen Umstand kennen Facebook und Co. nur allzu genau und nutzen ihn, um die gesammelten privaten Daten ungefragt weiterzuverarbeiten. Gleiches gilt für Apps, die den User die Anwendung oder das Spiel erst dann nutzen lassen, wenn man akzeptiert, dass die App auf diverse Bereiche des Smartphones zugreifen darf. Was dabei allerdings genau passiert oder was mit den gewonnenen Informationen gemacht wird, bleibt meist im Dunklen.

Die vor kurzem von dem Bundeskartellamt ausgesprochene Verfügung gegenüber Facebook soll hierzulande Abhilfe schaffen und die persönlichen Daten besser schützen. Das soziale Netzwerk muss die Nutzer zukünftig um Erlaubnis bitten, die erhobenen Daten mit denen von dritten Parteien kombinieren, auswerten und gegebenenfalls weiterreichen zu dürfen. Doch auch hier bleibt fraglich, ob diese Möglichkeit zum Selbstschutz von den Nutzern nicht durch einen schnellen Klick auf 'Akzeptieren' umgangen wird. Schließlich will man Facebook und so praktische Apps wie WhatsApp und Co. auch weiterhin nutzen, oder?

(@kreativfrei)
Segen, Fluch oder beides zusammen?

Personalisierte Werbeanzeigen im Netz oder direkt als Anruf, Vorschläge und Empfehlungen für verschiedenste Produkte, Postwurfsendungen und nicht zuletzt zahlreiche E-Mails, die einem genau das verkaufen wollen, wofür man sich im Moment zufälligerweise interessiert: Die Möglichkeiten, um persönliche Daten zu nutzen, scheinen mittlerweile schier unbegrenzt zu sein. Doch liegt es an dem Nutzer selbst darüber zu entscheiden, wie man damit umgeht oder ob man diese Dinge schon im Keim erstickt.

Doch auch wenn man ausschließlich im 'Privaten Modus' oder per VPN-Verbindung im Internet unterwegs ist, sooft es geht Fantasienamen und falsche Telefonnummern verwendet und augenscheinlich 'sichere' Apps wie Telegram statt WhatsApp nutzt, erwischt es einen irgendwann doch. Zu verhindern, dass private Daten in den Fängen der fleißigen Sammler landen, scheint heutzutage selbst für Sisyphus unmöglich. Doch wenn man sich hin und wieder nur etwas mehr Zeit nimmt, um Datenschutzrichtlinien tatsächlich zu lesen oder sich beispielsweise nach alternativen Apps umschaut, kann man es den 'Data Brokern' zumindest so schwer wie möglich machen.

Quellen: The Conversation, FTC.gov, Motherboard, Wired, New York Times

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