Sehenden Auges ins Verderben

Nutzer verstehen den Datenschutz, doch handeln nicht

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Obwohl eine aktuelle Umfrage aufzeigt, dass sich Verbraucher intensiver mit dem Datenschutz auseinandersetzen, fallen die Konsequenzen ernüchternd aus - wer will schon auf die Vorteile verzichten. Steuern wir sehenden Auges in die nächste Datenschutzkatastrophe hinein? Die Unternehmen können sich jedenfalls entspannt zurücklehnen - für sie bleibt es weitestgehend folgenlos.

Gute Neuigkeiten! Angesichts der jüngsten Ergebnisse einer IBM-Datenschutzumfrage scheinen sich mehr und mehr Nutzer Gedanken über ihre Privatsphäre zu machen. Satte 81 % der Befragten gaben demnach an, dass sie sich im vergangenen Jahr mit dem Thema befasst haben, wie Unternehmen mit den privaten Daten umgehen sollten.

"Endlich!" möchte man meinen - gibt es doch seit einer gefühlten Ewigkeit fast wöchentlich neue Hiobsbotschaften mit weitreichenden Datenschutzvergehen, gehackten Konten und dem Missbrauch von privaten Daten. Zudem kamen ganze 87 % zur Schlussfolgerung, man müsse Unternehmen stärker regulieren und in die Pflicht nehmen, verantwortungsvoller mit den verwendeten Daten umzugehen.

Doch (wie so häufig) lässt die schlechte Nachricht nicht lange auf sich warten. Denn trotz des zunehmenden Bewusstseins um die Risiken und die Sicherheitsverletzungen machen die Meisten keinen Hehl daraus, dass sie aus den gewonnenen Erkenntnissen keine Konsequenzen ziehen.

Verständnis ist da, Konsequenzen bleiben jedoch aus

Zwar sei ein Großteil der Befragen (89 %) der Meinung, dass Technologieunternehmen deutlich transparenter in Bezug auf die Nutzung der personenbezogenen Daten auftreten sollten - ein eigenverantwortliches und konsequentes Handeln lässt sich aufgrund dessen jedoch nicht ableiten.

Trotz des zunehmenden Bewusstseins für Datenschutz- und Sicherheitsverletzungen ergreifen die meisten Verbraucher keine Folgemaßnahmen zum Schutz ihrer personenbezogenen Daten.

axios.com

So sollen gerade einmal 45 % der Umfrageteilnehmer die Datenschutzeinstellungen von Diensten wie Facebook, Google und Co. aktualisiert haben - beispielsweise in Bezug auf die Nutzung von Standortdaten. Schlimmer noch: Gerade einmal 16 % zogen Konsequenzen aus einem Datenmissbrauch und stoppten dadurch die Nutzung von Tools und Webdiensten - der Rest machte trotz dieses Vergehens einfach weiter wie bisher.

Wie kann das gehen? Auf der einen Seite anerkennen, dass Datenschutz und Privatsphäre wichtige Privilegien sind, die es zu schützen gilt, doch auf der anderen Seite keine sinnvollen Gegenmaßnahmen einzuleiten? Vielleicht deshalb, weil immer noch 71 % der Befragen bereitwillig Datenrisiken in Kauf nehmen, um Web-Dienste nutzen zu können.

3 von 10 wissen nichts über Datenskandale

Viele Daten und Zahlen, die hauptsächlich belegen, dass sich Unternehmen keine größeren Sorgen darum machen müssen, ihre Kunden wegen Datenschutzverfehlungen zu verlieren - das finanzielle Risiko sei laut 'Motherboard' überschaubar.

Ein ernüchterndes Ergebnis. Zeigt es doch, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, bis wir die volle Konsequenz unseres gesellschaftlichen Handelns in Bezug auf Datenschutz und Privatsphäre vollends verstehen. Die Umfrage zeigte außerdem, dass eine überraschend große Gruppe der Befragten Verbraucher weltweit nicht hinreichend über die Risiken Bescheid wüssten. Immerhin 3 von 10 Befragten gaben demnach an, nichts über die bislang aufgetretenen Datenschutzverletzungen zu wissen - und das in Zeiten von hunderten von Millionen geleakter E-Mail-Adressen samt Passwörtern.

Quelle: axios.com

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