Keine gute Tat bleibt ungestraft

Obdachlosigkeit als VR Experience - Fragwürdiges Charity-Event erregt Gemüter

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Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Der Grundgedanke war gut, über die Umsetzung hätte man nochmal nachdenken können. Auf dem australischen Charity-Event 'CEO Sleepout' durften Geschäftsführer via VR-Headset "erleben", wie das Leben als Obdachloser auf der Straße ist. Das 'Gamifying' der Ärmsten in der Gesellschaft führte zu reichlich unfreiwilligem Medienrummel.

Eigentlich setzen sie sich für eine sehr gute Sache ein: Die Organisatoren von 'CEO Sleepout' laden Geschäftsführer zu einer Veranstaltung ein, die ihnen demonstrieren soll, dass Armut ein großes Problem in Australien ist. Über 105.000 Menschen (Gesamtbevölkerung: circa 24 Millionen Einwohnern) müssen in dem sonnigen Staat ihr tägliches Leben auf der Straße bestreiten. Was gut gemeint ist, geht jedoch nach hinten los. Die Realität, in der Obdachlose leben, soll mittels VR-Umgebung erlebbar gemacht werden. Dafür erhielten die geladenen Gäste entsprechende Headsets. Ein Armuts-Simulator sozusagen.

Gamification des Elends - ist das der richtige Weg?

CEO Sleepout Twitter-Post zur VR-Experience

Zu deutsch: "Ja! Mit der virtuellen Kälte, der virtuellen Gewalt, dem virtuellen Hunger, den virtuell unbehandelten Krankheiten, der virtuellen Hoffnungslosigkeit..."  

Quelle: (Screenshot) 

CEO Sleepout Twitter-Post zur VR-Experience

Zu deutsch: "Ja! Mit der virtuellen Kälte, der virtuellen Gewalt, dem virtuellen Hunger, den virtuell unbehandelten Krankheiten, der virtuellen Hoffnungslosigkeit..."  

Quelle: (Screenshot) 

Eine Videoaufnahme des VR-Einsatzes wurde von den Veranstaltern über deren offiziellen Twitter-Account veröffentlicht, inklusive dem Hinweis: "Our Sydney CEOs using virtual reality to get a glimpse of the realities faced by the people who experience this everyday."

Prompt strafte die Twitter-Gemeinschaft dieses Vorgehen ab. In den Kommentaren unter dem Post machten sich die User Luft darüber, dass man sich wohl kaum einbilden könne, die Lebenswelt der Obdachlosen auf diese Art und Weise nachzuempfinden. Manche finden die Idee einfach nur traurig, andere stellen in Frage, ob man das Geld für die VR Headsets nicht direkt den Obdachlosen hätte zugute kommen lassen können.

Ja, VR wurde dazu geschaffen, in eine andere Realität eintauchen zu können. Aber ist die Anwendung in diesem Fall wirklich ein Option? Ist das beleidigend für die Betroffenen oder gar keine schlechte Idee? Sollte man gesellschaftliche Probleme dieser Art virtuell simulieren?

Abschließend sei noch auf eine wichtigere Angelegenheit hingewiesen: Die Teilnehmer des Sleepouts übernachteten selbst in Pappkartons und sprachen mit Betroffenen, um in ihren großen privaten und beruflichen Netzwerken auf die Probleme der Obdachlosen aufmerksam zu machen. Insgesamt konnten so (Stand 27.06.2017; 13:37 Uhr) 5.319.502 US-Dollar eingenommen werden, um Hilfsbedürftige und entsprechende Einrichtungen zu unterstützen. Einem guten Zweck hat es insgesamt also auf jeden Fall gedient.

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