US-Studie zeichnet vielschichtiges Bild

Online-Piraten - kurbeln sie die Kassenumsätze für Hollywood an?

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von Julius Zunker -

Die Behauptung, Piraterie sei schlecht fürs Geschäft, ist vermutlich so alt wie die Erfindung des Fernhandels - ob sie so stimmt, wurde immer wieder angezweifelt. Nun wurde dies auch für digitale Piraterie mit Fokus auf das Filmgeschäft durch Wissenschaftler der Universität Houston in Angriff genommen. Die Ergebnisse ihrer Analyse sind so eindeutig, wie gespalten.

Am 9. Dezember 2014 ging ein Schock wie Kanonendonner durch die Szene der Torrent-Freaks. Das Flaggschiff der Datentauscher 'The Pirate Bay' war urplötzlich offline. Anstatt wie gewohnt durch die digitale See zu schippern und dabei die neusten Hits, Filme und Software illegal unters Volk zu feuern, wurde es von der schwedischen Polizei zum Kentern gebracht. Über Monate hinweg war das Segel der Torrent-Seite nicht mehr am Horizont des weltweiten Webs gesehen.

Schwarze Zeit für 'The Pirate Bay' - ein wahrer Datenschatz für Studien

Doch schließlich kehrte die Plattform zurück und die Durchsuchung des Data-Zentrums in Nacka ging in die Geschichte ein. Was für die einen bloß ein Beleg dafür ist, dass Kriminalität auch im problemlos zugänglichen Teil des Internets ohne restriktive Einschränkungen nicht totzukriegen ist, ist für andere ein wahrer Datenschatz. Darunter tapfere Marketing-Dozenten der texanischen Houston University und der kanadischen Western Ontario University. Eben jenes Zeitfenster der Downtime und die damit einhergehenden Auswirkungen auf klingelnde Münzen in den Truhen der Hollywood-Studios haben sie in einer Studie detailliert untersucht.

Unter dem Strich bedeutet dies: Als The Pirate Bay durch die schwedischen Autoritäten geentert wurde, sanken die Umsätze an den Kinokassen.

In Hollywood fährt man in Bezug auf digitale Piraterie einen klaren Kurs: Sie wird als Schaden für an Kinokassen generierte Umsätze gesehen. Dennoch lassen sich deutliche Belege dafür finden, dass dies nicht das kurze Ende des Liedes ist. Denn grade durch Seiten wie 'The Pirate Bay' entsteht positive Mund-zu-Mund-Propaganda, die wiederum selber die durch einen Film geschaffenen Umsätze ankurbelt. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommen die Autoren der eben erst erschienen Untersuchung.

Mundpropaganda durch Raubkopien?

"Für Filmschaffende ist es nur natürlich, sich auf die Nachteile durch Piraterie zu fokussieren - und diese können sehr beträchtlich sein. Aber für viele ist es doch auch von Interesse zu erfahren, dass Piraterie auch einen Vorteil schaffen kann, " so argumentiert Professor Shijie Lu der US-Plattform 'Torrent Freak' gegenüber. In ihrem Paper setzen sich Lu und seine Kollegen mit genau dieser Frage nach einem positiven Aufwind für Hollywood auseinander - geschaffen durch jene Tauschbörsen, die die großen Studios vermeintlich eben noch bestohlen haben.

Aus Sicht der Wissenschaftler wäre es sinnvoll, sich mit Strafmaßnahmen auf Pre-Release-Piraterie zu konzentrieren.

Basierend auf hunderten Film-Torrents und den Bewertungen durch die größten Film-Seiten, konnten Lu und seine Kollegen genau diesen Effekt bemessen. Ihre Ergebnisse sprechen eine erstaunlich deutliche Sprache. Zum einen lassen sich deutliche Anzeichen dafür finden, dass Piraterie Umsätze vermindert. Jedoch nur dann, wenn es so zu einem illegalen Vorab-Release kommt. Zwar wird auch so ein positiver Effekt kreiert, der aber nicht ausreicht, den so geschaffenen finanziellen Verlust aufzufangen.

"Die Auswirkungen eines Pre-Release sind immer negativ. Die Kino-Einnahmen werden so um 11 Prozent gemindert," so das Team um Lu in ihrem Paper. Landet ein Film allerdings erst nach dem offiziellen Release in den Händen von digitalen Piraten, schaut es plötzlich ganz anders aus. "Wir haben ermittelt, dass die Menge zu digitaler Mundpropaganda die Auswirkungen der Piraterie auf die Kinokassen mehr als auffängt. Basierend auf kontrafaktischen Simulationen kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Mundpropaganda-Effekt die Umsätze um rund 3 Prozent erhöht".

Unter dem Strich bedeutet dies: Als The Pirate Bay durch die schwedischen Autoritäten geentert wurde, sanken die Umsätze an den Kinokassen. Die Auswirkungen waren so sichtbar und deutlich, dass sie sich nicht mit saisonalen Schwankungen begründen lassen.

Ein deutliches Endergebnis

Lu und sein Team haben sich aber darüber hinaus mit der Art des positiven Effekts beschäftigt. Am stärksten ist er, je früher es zum illegalen Release nach Filmstart kommt. Ebenfalls wichtig ist das Genre. Typische Publikumsmagneten wie Actionfilme, Komödien und Thriller profitieren so stärker als Dramen und Streifen mit leiseren Tönen.

Am Ende ihrer Analyse ziehen sie ein deutliches Fazit: Zwar ist der positive Effekt, der durch ein illegales Post-Release entsteht, existent, aber auch durch ihn lassen sich negative Auswirkungen für die Studios nicht ausgleichen. Aus Sicht der Wissenschaftler wäre es sinnvoll, sich mit Strafmaßnahmen auf Pre-Release-Piraterie zu konzentrieren. Die Zukunft wird zeigen, ob weitere Studien die Ergebnisse aus Houston untermauern können.

Quelle: torrentfreak.com

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