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OONI Explorer: Internet-Zensur wird transparent

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Das Open Observatory of Network Interference (OONI) untersucht auf allen Kontinenten, welche Webseiten-Inhalte von den verschiedenen Regierungen geblockt werden. Wir haben uns die Auswertungen für die einzelnen Länder angeschaut und mussten zum Teil doch ein wenig schmunzeln.

Zunächst eine ganz allgemeine Frage: Was ist die Aufgabe der Zensur und ist sie tatsächlich so schlimm, wie es viele Menschen behaupten? Wenn ich meine fünfjährige Nichte davor bewahre im Free TV Silent Hill zu sehen, wird mir das wohl kaum jemand ankreiden - Zensur ist es dennoch, aber im positiven Sinne. Inwiefern jedoch Regierungen darüber bestimmen sollten, welche Webseiten national aufgerufen werden können, ist da wesentlich umstrittener.

Laut Reporter Without Borders repräsentiert das Internet Freiheit und Demokratie. Länder, die zensieren, geben vor die Moral, die nationale Sicherheit oder sogar die spirituelle Kultur ihres Landes schützen zu wollen. Die Reporter Without Borders untersuchten zwölf der sogenannten "Internet Enemies", zu denen unter anderem Saudi Arabien, Burma, China, Kuba, Ägypten, Iran, Nordkorea, Syrien und Tunesien gehören.

Diese Länder versuchen nicht nur Seiten zu sperren, um die öffentliche Ausbreitung von unerwünschtem Gedankengut zu verhindern - sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und manipulieren aktiv Informationen, wie beispielsweise während den Olympischen Spiele in Bejiing 2008. Diverse Internet-User wurden sogar dafür bezahlt, positive und regierungskonforme Kommentare in Online-Debatten einzubringen.

OONI Explorer Weltkarte

Wo auf der Welt wird Web-Content zensiert? OONI illustriert die Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit.  

Quelle: (Screenshot)  OONI 

OONI Explorer Weltkarte

Wo auf der Welt wird Web-Content zensiert? OONI illustriert die Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit.  

Quelle: (Screenshot)  OONI 

Wie trägt der OONI Explorer zu mehr Transparenz bei?

Im Rahmen eines Tor-Projekts ist der OONI Explorer als kostenlose Software für jeden User zugänglich. Wer den Explorer installiert, trägt freiwillig zu den Messungen in seinem Land bei und unterstützt damit die Offenlegung von Zensur-Fällen. Die OONI-Weltkarte zeigt sehr deutlich, dass die größten Beschneidungen der Informationsfreiheit in osteuropäischen und asiatischen Gebieten zum Tragen kommen.

Der OONI Explorer ist dazu in der Lage, geblockte Seiten aufzuspüren und zudem auch die Systeme, die für die Zensur verantwortlich sind. Außerdem entdeckt die Software verschiedene Überwachungsmechanismen und Methoden der Traffic-Manipulation. Auch die Erreichbarkeit von Tor-Browsern wird überprüft. Ziel der Entwickler ist es, Wissenschaftlern, Journalisten, Anwälten und Aktivisten eine solide Informationsquelle zur Verfügung zu stellen.

Was wollen die einzelnen Länder eigentlich "verstecken"?

Hier kommt der amüsante Teil. Wenn Webseiten gezielt blockiert werden, scheinen die dort dargestellten Inhalte besonders für dieses Land eine große Rolle zu spielen. Nimmt man sich die Statistiken zu Russland vor, ergibt sich folgendes Bild: Alkohol, Drogen, Glücksspiel und selbstverständlich Separatisten scheinen hier das größte Problem aus Sicht der Regierung darzustellen. Für die Auswertungen wurden 28.409 Messungen gesammelt.

Im Sudan - wo lediglich 24% der Einwohner das Internet nutzen - ist es den amtierenden Würdenträgern wichtig, das Volk von Webseiten wie gayarab.org (eine Seite für Homosexuelle), vom Online-Dating und von Seiten "für Erwachsene" fernzuhalten. Bitte immer schön züchtig bleiben!

Wie erwartet ist die Liste blockierter Inhalte in China ausgesprochen umfangreich. Zensiert werden dort zum Beispiel alle Seiten, die sich für Tibet einsetzen, diverse Suchmaschinen und die Internetauftritte amerikanischer Nachrichtensender. Als technologisch fortgeschrittene Nation sperrt China auch gleich diverse Möglichkeiten auf Tor-Browser oder entsprechende VPN-Server zugreifen zu können. Was die Chinesen anfangen, das ziehen sie auch durch: Selbst Dropbox, Twitter und TED-Talks sind verboten.

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