Fragwürdige Methode

Passend zur Gamescom: Selbsttest der Online-Ambulanz für Internetsüchtige

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Zahlen belegen es eindeutig: Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland sind internetsüchtig, das heißt: Es geht Ihnen schlecht, wenn sie sich nicht im World Wide Web herumtreiben zu können. Dagegen möchte der Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige etwas tun und hat einen Selbsttest veröffentlicht.

Suchtproblematiken sollten nicht verharmlost werden - das steht außer Frage. Und das zu viel Zeit vor dem PC und im Internet der Lebensqualität nicht immer zuträglich sind, dürfte der ein oder andere auch schon erlebt haben. Als wir allerdings den Selbsttest von OASIS ausprobiert haben, konnten wir uns das Schmunzeln jedoch nicht verkneifen.

Dieser Test, der übrigens vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) unterstützt wird, hat passend zum Start der populären Spiele-Messe 'Gamescom' das Licht der Netzwelt erblickt - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Selbsttest für Betroffene und für Angehörige

Zunächst einmal: Die Ambulanz befindet sich selbst im Internet. Vergleicht man diese Tatsache mit einer anderen beliebten Sucht - zum Beispiel dem Rauchen - dann wäre es so, als würde man eine Stop-Smoking-Kampagne in einer Zigarettenfabrik abhalten. Etwas seltsam.

Aber egal, wir bleiben open-minded und legen einfach mal los. Ich möchte prüfen, ob einer meiner geschätzten Redaktionskollegen wohl internetsüchtig ist und wähle auf onlinesucht-ambulanz.de die Schaltfläche "Zum Selbsttest für Angehörige" aus.

Tipp

Obwohl für Schüler gedacht, ist der Selbsttest auf ins-netz-gehen.de/check-dich-selbst/bin-ich-suechtig wesentlich detaillierter gestaltet und gibt immerhin schon erste Tipps, wenn ein Problem vorliegt.

Neben der Abfrage von ein paar demografischen Daten werden neun Fragen gestellt, die auf einer Fünf-Punkte-Skala von "nie" bis "sehr häufig" beantwortet werden können. In den Fragen wird durchgehend der Begriff "Familienmitglied" verwendet - eigentlich schade, vielleicht möchte der ein oder andere auch einem Freund helfen und keinem Verwandten.

Als Ergebnis erhalte ich (wenig überraschend): "Die Auswertung des Selbsttests hat gezeigt, dass bei Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Internetabhängigkeit vorliegt. Um Sie weiterhin unterstützen zu können, empfehlen wir die Teilnahme an unserem Online-Ambulanz-Service." Also zur Bekämpfung der Internetsucht weiter online bleiben? Spätestens jetzt setzt vollkommene Verständnislosigkeit ein.

Seht Ihr das ähnlich oder befürwortet ihr das Angebot der Online-Ambulanz? Wir sind gespannt auf Eure Meinung!

Sag uns deine Meinung!

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf Netz.de!

Das könnte dich auch interessieren!
Werbung
Ab ins Netz mit dir