Dumm gelaufen

Passiert auch den Großen: BBC zitiert Twitter-Fake-Account

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Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Fake oder nicht? Es wird immer schwieriger zu entscheiden, was man in den sozialen Medien glauben kann und was nicht. Dass selbst Medienprofis nicht vor Fehleinschätzungen gefeit sind, hat der weltbekannte Sender BBC mit einem Missgeschick nun erneut bewiesen. Auch deutsche Medien leisteten sich schon solche Ausrutscher.

Im afrikanischen Staat Simbabwe hat Anfang der Woche das Militär die Kontrolle übernommen und den amtierenden Präsidenten Mugabe unter Hausarrest gestellt. Lange war die Lage unübersichtlich – noch ist nicht klar, wie es in Simbabwe weitergeht. Weil Informationen nur schwierig zu bekommen waren, griffen die großen Medien auf alle verfügbaren Kanäle zurück. Dem Nachrichtensender BBC unterlief dabei ein peinliches Missgeschick: Er berief sich auf den vermeintlich offiziellen Twitter-Kanal der Regierungspartei – der entpuppte sich jedoch als Parodie-Account eines Unbekannten.

BBC geht Twitter-Fake-Account auf den Leim

BBC übernahm vermeintliche Fakten von einem Satire-Account auf Twitter. Mittlerweile wurde der Tweet gelöscht.  

Quelle: (Screenshot)  Twitter via businessinsider.de 

BBC geht Twitter-Fake-Account auf den Leim

BBC übernahm vermeintliche Fakten von einem Satire-Account auf Twitter. Mittlerweile wurde der Tweet gelöscht.  

Quelle: (Screenshot)  Twitter via businessinsider.de 

Der Twitter-Account '@zanu_pf' (immerhin das Kürzel der Regierungspartei Simbabwes) postet schon seit 2011 satirische Kommentare zu den Geschehnissen in dem afrikanischen Land. Dabei gibt er sich als offizielles und einziges Sprachrohr der Regierung aus. Auf den ersten Blick sieht der Account durchaus glaubwürdig aus (auch wenn die eher schlechte Qualität des Titelbildes stutzig machen könnte). Wer durch die Tweets durchstöbert, sollte jedoch schnell Zweifel bekommen: Neben Angriffen auf Hipster findet sich dort etwa auch der Hinweis, dass die Sängerin Rihanna sich glücklich schätzen könne, ihren Geburtstag mit Präsident Mugabe zu teilen.

Im Eifer des Gefechts fehlte den Reportern von BBC zur genauen Kontrolle offenbar die Zeit. Deshalb nahmen sie die Aussagen des Parodie-Accounts zu den Ereignissen für bare Münze und verbreiteten die vermeintlichen Fakten sogar über ihre eigenen Kanäle. Schnell bemerkte der Sender jedoch seinen Fehler, löschte die entsprechenden Beiträge und entschuldigte sich. Dumm gelaufen – zeigt aber auch, wie schwierig es selbst für Profis ist, im Informationsdschungel des Internets den richtigen Weg zu finden. Zumal sich Twitter im Syrien-Krieg oder während des 'Arabischen Frühlings' wiederholt als wertvolle Quelle erwies.

Dem MDR unterlief ein ähnliches Malheur

Ähnliches "durften" wir auch schon in der deutschen Nachrichtenlandschaft erleben. Vor etwas mehr als einem Jahr fiel der MDR auf eine fingierte Meldung der beliebten Satire-Seite 'Der Postillon' herein. Diese verkündete, das deutsche Bildungsministerium hätte sich zu einer Rechtschreibreform entschlossen: Weil viele Schüler Probleme dabei hätten, die Worte "seid" und "seit" korrekt zu verwenden, würde man der Einfachheit halber zukünftig in allen Fällen die Mischform "seidt" anwenden dürfen. Auch dieser ziemlich offensichtliche Klamauk schaffte es ungeprüft in eine Sendung des MDR. Die nachfolgende Häme nahm man immerhin humorvoll auf:

Quellen: The Guardian, BBC, Der Postillon

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