Wenn Smartphones den Alltag bestimmen

Pocket erzählt die Geschichte eines Teenagers im iPhone-Format

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Der kürzlich auf Vimeo erschienene Kurzfilm 'Pocket' erzählt die Geschichte eines Teenagers – allerdings aus der Sicht des Smartphones. Das Handy nimmt die Rolle des Beobachters ein und zeigt auf, wie Technologien und die ständige Vernetzung mit dem Internet das Leben von jungen Erwachsenen beeinflussen.

Das mit der Jugend von heute ist so eine Sache. Unhöflich soll sie sein, keinen Respekt mehr vor dem Alter haben, ziellos Unfug anstellen … und sowieso war früher ja bekanntlich alles besser. Damals, als die Kids noch ihre Birne benutzen mussten, anstatt sich die ganze Zeit von so einem Smartphone berieseln zu lassen. Die Vorwürfe sind von jeher die Gleichen - nur das Smartphone, das ist tatsächlich neu. Und es beschert nicht nur einem Teil der älteren Generation Kopfzerbrechen, sondern greift nachweislich in die Entwicklung derer ein, die bereits mit dem iPhone im Schoß zur Welt gekommen sind.

Doch wie muss man sich das überhaupt vorstellen, wenn man in eine Zeit hineingeboren ist, in der das Smartphone als verlängerter Unterarm nicht mehr wegzudenken ist? In der es völlig normal ist, 24/7 online zu sein, sich zu vernetzen und in der es soziale Medien mit Likes und Aufmerksamkeit belohnen, jeden Gedanken ohne Zögern in die digitale Welt hinauszupusten?

Der knapp 18-minütige Kurzfilm 'Pocket' versucht auf diese Fragen in gewisser Weise eine Antwort zu geben, in dem er die Geschichte vom 15-jähirgen (fiktionalen) Jake Tillner aus der Sicht seines iPhones erzählt.

Vorweg sei gesagt, dass die Herausgeber explizit darauf hinweisen, dass 'Pocket' sexuelle Bilder enthält und nicht jugendfrei (NSFW) ist.

Pocket schaut man am besten auf dem Smartphone

Vor knapp einer Woche erschien 'Pocket' auf Vimeo und wurde so aufgenommen, dass man den Kurzfilm am besten auf einem Smartphone mit Kopfhörern ansieht. Dies verstärkt den Smartphone-Effekt, den sich die Produzenten Mishka Kornai und Zach Wechter erhofften.

Wir verbringen so viel Zeit in diesem digitalen Raum. Aber nicht genug Leute erzählen Geschichten, die in dieser digitalen Welt angesiedelt sind - die Sprache und die Methodik verwenden, in die wir alle eingetaucht sind.

Mishka Kornai

Pocket ermöglicht den Blick in Jakes Smartphone, der mitten in der Pubertät steckt und dabei keine Gelegenheit verpasst, mit seinem Device zu interagieren. Das Smartphone zeigt Jake auf dem Weg zur Schule, in der Freizeit, seine Gespräche mit Freunden im Messenger und die Interaktion mit Webdiensten wie Instagram, Snapchat oder Pornhub. Alles andere als altersgerecht und überspitzt dargestellt, wie Jake seine Sexualität am Smartphone auslebt? Möglicherweise. Möglicherweise ist Pocket jedoch näher an der Realität - gut geschützt hinter Passwort-Kombinationen und vor der elterlichen Führsorge auf smarten Devices - als es dem ein oder anderen recht ist.

Pocket zeigt den Teenager-Alltag aus Smartphone-Sicht

Das Handy schlüpft in die Rolle des Betrachters. Es zeigt uns beispielsweise, wie Jake aus familiären Alltagssituationen flüchtet, gemeinsam in Gruppen über einen Mitschüler herzieht und Instagram-Stalking bei einem Mädchen betreibt, bevor es überhaupt erst zur Kontaktaufnahme kommt. Das Problem: Was via Chat noch geschmeidig klappt, entpuppt sich im wahren Leben als etwas komplizierter - das erste Treffen mit seiner Flamme verläuft alles andere als souverän.

Alles in allem erzählt Pocket die Geschichte eines Teenagers aus Sicht seines Smartphones und versucht aufzuzeigen, wie sehr sich das digitale Leben - mit all seinen Vor- und Nachteilen - in die Wirklichkeit unserer Kids frisst. Der Kurzfilm steht bislang zwar nur in englischer Sprache zur Verfügung und eine deutsche Untertitelspur fehlt auch. Doch selbst ohne Bezug zur Sprache schafft es 'Pocket' eine Botschaft zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen.

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