Wird 2019 das Jahr des Podcasts?

Podcasts im Wachstum - Goldene Zeiten für Radio on Demand

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Julius Zunker

von Julius Zunker -

Laut 'Basic Thinking' hört etwa jeder Vierte im deutschsprachigen Raum Podcasts. Die Menge der Podcasts steigt täglich, bieten sie schließlich ein abwechslungsreiches Angebot im Kontrast zum klassischen Radio. Apple und Spotify ermöglichen Podcastern einen schnellen Weg der Vermarktung. Doch der wirkliche Durchbruch des Mediums Podcast deutet sich erst an.

2014 packte Apple erstmals 'Apple Podcast' als App auf jedes iPhone. Das kleine lila Mikrophon, umgeben von zwei Kreisen, erwies sich schnell als beliebtes Mittel für 'Radio on demand'. Keine Werbeunterbrechungen, kein nerviger Algorithmus - nur die Inhalte, die wirklich gehört werden wollten. Gefühlt hat jeder User Möglichkeit in direktem Kontakt mit den gewählten Podcastern zu stehen, erzeugen doch die meisten Podcasts den Eindruck, man hätte die Moderatoren direkt neben sich sitzen. Diese unmittelbare Verbindung sorgt schnell für eine langanhaltende Bindung der Hörer zu ihren Podcastern. Ein Trend, der sich aber erst im letzten Jahr verstärkte.

Podcasts 2018: Massiver Nutzeranstieg, massive Angebotssteigerung

Laut 'Edison Research' hatte sich in den zurückliegenden Jahren ein stetiges, langsames Wachstum von Podcasts abgezeichnet. Doch dann kam 2018, und mit dem vergangenen Jahr etwas, das dem Medium Podcast den entscheidenden Boost nach vorne gegeben haben könnte.

Vor 2018 schienen die 22 Prozent Hörerschaft noch in ferner Reichweite. Im Jahreslauf aber explodierte der Markt förmlich. Hörer speicherten flächendeckend nicht mehr nur Musik auf Spotify, um sich für den Heimweg oder die tägliche Anreise zur Arbeit zu wappnen - sie wählen mittlerweile mehr und mehr Podcasts. Apps wie eben Apple Podcast, Spotify oder SoundCloud machen es möglich. Sie erinnern Abonnenten von sich aus an die nächste Folge und laden sie teils automatisch herunter. Hörer müssen sich also nicht einmal an die neuste Episode erinnern - das übernehmen die Apps dies für sie.

Balkendiagramm zum Podcast-Wachstum

Je mehr Höhrer, desto größer ist der Wille neue Podcasts zu kreieren.  

Quelle:  chartable.com 

Balkendiagramm zum Podcast-Wachstum

Je mehr Höhrer, desto größer ist der Wille neue Podcasts zu kreieren.  

Quelle:  chartable.com 

Mit den steigenden Hörerzahlen schoss auch das Angebot merklich durch die Decke. Laut 'Chartable' wurden allein auf Apple Podcast rund 670.000 Podcasts verzeichnet. 2018 meldeten sich im Schnitt jeden Tag rund 575 neue Podcasts neu an - alle drei Minuten etwa ein neuer Kanal. 210.000 davon gesellten sich im Verlauf des letzten Jahres zur Menge des Angebots hinzu. Im Vergleich zur Menge der YouTube-Kanäle von ca. 35 Millionen sicherlich noch eine verschwindend geringe Summe, aber der Sprung spricht für sich.

Direkter Draht zum Ohr und Herz der Hörer

Neben der perfekten Möglichkeit sich (ein wenig wie bei alten Piratensendern) direktes Gehör bei einer stets begeisterten Anhängerschaft zu erarbeiten, erzeugen Podcasts zudem eine schnelle Bindung. Ob täglich, wöchentlich oder nur wenige Male im Monat - schnell werden die Folgen zu einer festen Gewohnheit. Laut 'Edison Research' lässt sich sagen: Wer einmal anfängt Podcasts zu hören, hört nicht mehr damit auf. Zum "Einstiegs-Podcast" gesellen sich dann stets weitere hinzu.

Die technologischen Entwicklungen begünstigen sowohl das Hörerverhalten als auch die Reichweite der einzelnen Podcasts, ihre Verfügbarkeit und somit das steigende Angebot. Neben dem heimischen Hörgenuss wird das Hören von Podcasts oft mit der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni, zur nächsten Verabredung oder Ähnlichem in Verbindung gebracht. Apps wie 'Android Car' oder 'Apple CarPlay' schließen zudem die Schnittstelle zwischen Smartphone und Autoradio und bringen Podcasts über Spotify und Co. in die Ohren von Autofahrern, die bislang aus Gewohnheit zum klassischen Radio griffen.

Dazu kommt die steigende Anzahl von smarten Systemen wie 'Alexa' und 'Google Assistant'. Laut 'Chartable' nutzen zwar nur 17 Prozent der Besitzer ihre intelligenten Lautsprecher für das Hören von Podcasts, der Markt allerdings wächst rasant. Und mit jedem Neukäufer kommt ein potentieller Hörer von Podcasts zur größer werdenden Zahl der Abonnenten hinzu.

Apple als Marktführer im Podcast-Sektor

Doch damit ist noch lange nicht Schluss. Bisher ist Apple der eindeutige Platzhirsch in Sachen Podcasts. Chartable hat ermittelt, dass gute 60 Prozent des Marktes in den Händen der Herrschaften aus Cupertino liegen. Aber Spotify und Google haben mehr als nur Blut geleckt. Google veröffentlichte erst kürzlich 'Google Podcasts' für Android, nachdem diverse Versuche das Medium über 'Google Play' zu integrieren auf wenig Resonanz stießen.

Pie-Chart Podcasts

Apple ist mit 60 % bislang der deutliche Platzhirsch im Podcast-Segment, doch die Konkurrenz um Spotify investiert fleißig in die Konkurrenzfähigkeit.  

Quelle:  chartable.com 

Pie-Chart Podcasts

Apple ist mit 60 % bislang der deutliche Platzhirsch im Podcast-Segment, doch die Konkurrenz um Spotify investiert fleißig in die Konkurrenzfähigkeit.  

Quelle:  chartable.com 

Spotify hat das eigene Angebot an Podcasts 2018 deutlich verstärkt. Auch wenn es schon seit 2016 vereinzelte und ausgewählte Podcasts auf der einstigen Musik-Plattform zu finden gab, hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr allen Podcasts gegenüber geöffnet. Die daraus resultierenden Zahlen sprechen Bände: Laut Chartable verdoppelten sich die Zahlen der angehörten Podcasts zwischen Dezember 2017 und Dezember 2018 von 4,4 Prozent unter dem kompletten Angebot auf 8,5 Prozent.

Spotify ist hungrig nach neuen Podcast-Formaten

Was mag 2019 aus diesen Entwicklungen machen? Geht man nach den üblichen Reaktionen am Tech-Markt, lässt sich rapides Wachstum absehen. Apples Konkurrenten jedenfalls scheinen davon überzeugt zu sein. So kaufte Spotify für 340 Millionen US-Dollar das Podcast-Netzwerk und Medienunternehmen 'Gimlet Media' und die Podcast Plattform 'Anchor FM' - eine ziemliche Stange Geld für eine Mediensparte, der 2017 noch ein Gesamtwert von "nur" 314 Millionen US-Dollar bescheinigt wurde.

Quelle: chartable.com, basicthinking.de

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