digitale Themen, leicht verständlich.

Unfairer Wettbewerb

Rekordstrafe: Google soll 2,4 Milliarden Euro zahlen

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Die EU-Wettbewerbskommission hat eine Rekordstrafe gegen Google verhängt. Bei der Suche nach Online-Shopping-Angeboten habe das US-Unternehmen seine marktdominierende Stellung zum Nachteil der Konkurrenz – sowie letztlich der EU-Verbraucher – genutzt und somit gegen EU-Recht verstoßen.

Wer über die Google-Suche online nach Produktangeboten Ausschau hält, dem werden an oberster Stelle meist die Ergebnisse von Googles hauseigener Shopping-Sektion angezeigt. Nach Ansicht der EU-Kommission habe Google hier seine Marktmacht (in vielen europäischen Staaten mehr als 90 % Marktanteil bei der Onlinesuche) genutzt, um die Resultate seines eigenen Dienstes prominent hervorzuheben. Gleichzeitig seien die Ergebnisse konkurrierender Preisvergleichs-Anbieter gezielt auf die hinteren Plätze geschoben worden.

Shopping-Angebote in der Google Suche

Der Streitpunkt: Die Platzierung von Ergebnissen bei der Suche nach Online-Shopping-Angeboten.

Quelle: (Screenshot) 

Shopping-Angebote in der Google Suche

Der Streitpunkt: Die Platzierung von Ergebnissen bei der Suche nach Online-Shopping-Angeboten.  

Quelle: (Screenshot) 

"Googles Verhalten ist nach den EU-Kartellvorschriften unzulässig. Google hat anderen Unternehmen die Möglichkeit genommen, im Wettbewerb durch Leistung zu überzeugen. Vor allem aber hat es verhindert, dass die europäischen Verbraucher wirklich zwischen verschiedenen Diensten wählen und die Vorteile der Innovation voll nutzen können", so Margrethe Vestager, die zuständige EU-Kommissarin.

Deswegen hat die Kommission nun eine Rekord-Geldbuße von 2,42 Milliarden Euro gegen Google verhängt. Die enorme Summe kommt durch Googles gigantische Einnahmen zustande: Das Mutterunternehmen Alphabet hat im Jahr 2016 etwa 80 Milliarden Euro umgesetzt (zur Einordnung: das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt der Ukraine) – 3 % davon hat die EU als Strafe erhoben. Sollte Google seine Geschäftspraktiken nicht innerhalb von 90 Tagen ändern, kann der Betrag noch steigen.

Google sieht sich nicht in der Schuld

Ob Google die Strafe letztlich zahlen muss, bleibt vorerst offen. Nach eigenen Angaben erwägt Google, in Berufung zu gehen und vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. Das Verfahren könnte sich dann noch einige Jahre hinziehen – es läuft bereits seit 2010. Google selbst sieht sich nicht in der Schuld: Von der Suchmaschine erhobene Nutzerdaten würden darauf hindeuten, dass die User selbst es vorzögen, direkt zu den gewünschten Produkten weitergeleitet zu werden, ohne die Suche auf einem zweiten Portal wiederholen zu müssen. Man gebe ihnen also nur das, wonach sie suchten.

Die EU-Wettbewerbskommission hat Google jedenfalls noch in zwei weiteren Fällen im Visier: Sie beleuchtet sowohl die Plattform Android als auch die AdSense-Anzeigen in der Google-Suche. Im Kampf EU gegen Google stehen also noch einige Runden bevor.

Hier erfährst du mehr über: Google

Sag uns deine Meinung!