Eine Form sexueller Gewalt

Revenge Porn: Facebook will Opfer besser schützen und betreuen

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Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Facebook will den Schutz von Nutzern, deren intime Bilder und Videos ohne ihre Einwilligung bei Facebook oder Instagram veröffentlicht wurden, verbessern. Eine neue Technik soll entsprechende Posts nun früher aufspüren können.

Wenn intime Bilder und Videos ohne Einwilligung ins Internet gestellt werden, kann das für die Betroffenen verheerend sein. Das unerlaubte Teilen sogenannter "Rachepornos" ("revenge porn" im Englischen) ist eine Form psychischer und sexueller Gewalt. Dazu zählen auch Aufnahmen, die die Betroffenen freizügig in privaten Momenten zeigen, also nicht explizit sexueller Natur sind.

Die Opfer fühlen sich häufig missbraucht, beschämt, bloßgestellt und wütend. Sie wurden von Menschen hintergangen, denen sie eigentlich vertrauten. Erschwerend kommt die Angst hinzu, Familie, Freunde und Kollegen könnten die Bilder zu Gesicht bekommen (in konservativen Kreisen und Gesellschaften ist dieser Effekt noch ausgeprägter). Eine solche Erfahrung kann langfristige Folgen für die mentale Gesundheit der Betroffenen bedeuten – von Angstzuständen bis zu suizidalen Tendenzen.

Facebook: Verbesserter Algorithmus soll fragwürdige Aufnahmen eher erkennen

Facebook hat daher angekündigt, die Nutzer von Facebook und Instagram noch stärker vor solchen Rachepornos schützen zu wollen. Dazu setze man vor allem auf die verbesserte technische Erfassung entsprechender Posts: Mit Machine Learning und künstlicher Intelligenz sollen sich freizügige Bilder und Videos, die ohne Einverständnis der gezeigten Person veröffentlicht wurden, nun effektiver aufspüren lassen. Der gesamte Prozess sei gemeinsam mit Opfern und Hilfsorganisation entwickelt worden.

Um diesen Content schneller finden und Opfer besser unterstützen zu können, kündigen wir eine neue Erkennungs-Technologie an und ein Online-Infoportal, das Menschen hilft, mit dieser Form des Missbrauchs umzugehen.

Antigone Davis, Global Head of Safety bei Facebook

Im Idealfall möchte Facebook solche Aufnahmen löschen und blockieren, bevor sie von Hand gemeldet oder verbreitet werden. Das System soll fragwürdige Beiträge markieren, die letzte Entscheidung liegt allerdings beim speziell geschulten Moderationsteam. Dieses Prinzip schütze Opfer auch dann, wenn sie sich des Angriffs nicht (beziehungsweise noch nicht) bewusst seien. Wie genau das technisch erreicht werden soll, lässt das Unternehmen aber offen – Facebook möchte sich anscheinend nicht in die Karten schauen lassen.

Die Erkennung kann jedenfalls schwierig sein, schließlich geht es nicht allein um nackte Haut: Auch der Kontext entscheidet über die Verletzung der Intimsphäre. Wer Bilder von sich selbst in Unterwäsche veröffentlichen möchte, darf das gerne tun. Wer das jedoch ohne Erlaubnis mit den Bildern eines anderen Menschen macht, der verletzt dessen Persönlichkeitsrechte.

Nicht ohne meine Einwilligung: Facebook will Hilfsangebot ausweiten

Darüber hinaus gestaltet Facebook den Meldeprozess um. Betroffenen soll es leichter gemacht werden, Posts zu melden und mit Facebook in Kontakt zu treten. Denn Opfer hatten Facebooks Report-Tools bemängelt und den anschließenden Prozess kritisiert: Der Ablauf habe zu roboterhaft und unpersönlich gewirkt, viele Nutzer hätten sich vom Zeitpunkt der Meldung bis zu Facebooks Reaktion ängstlich und hilflos gefühlt. Die neue Hilfsseite "Nicht ohne meine Einwilligung" möchte Betroffenen daher weitere Hilfestellungen und Kontaktmöglichkeiten bereitstellen – auch wenn für Opfer in Deutschland bis jetzt kein Ansprechpartner genannt wird.

Neues Infoportal für Opfer von Rachepornos auf Facebook

"Nicht ohne meine Einwilligung": Facebooks neues Infoportal gibt Tipps für Betroffene, nennt aber keinen Ansprechpartner in Deutschland.  

Quelle: (Screenshot)  Facebook 

Neues Infoportal für Opfer von Rachepornos auf Facebook

"Nicht ohne meine Einwilligung": Facebooks neues Infoportal gibt Tipps für Betroffene, nennt aber keinen Ansprechpartner in Deutschland.  

Quelle: (Screenshot)  Facebook 

Schon seit 2017 gibt es außerdem die Möglichkeit, sozusagen "vor dem Ernstfall" an Facebook heranzutreten. Wer befürchtet, jemand könnte sein intimes Foto ungewollt via Facebook oder Instagram verbreiten, soll genau dieses Foto präventiv selbst an Facebook übermitteln. So könne man für diese Aufnahme einen digitalen Fingerabdruck erstellen, der weitere Uploads von vornherein verhindere.

Dieser Vorschlag ging (wenig überraschend) nach hinten los: Nutzer und Kritiker waren wenig angetan von der Idee, anzügliche Privatfotos ausgerechnet an Facebook zu übergeben, das sich in puncto Privatsphäre nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert hat. Auch wenn das Unternehmen beteuert, die Idee sei von Betroffenen und Hilfsorganisationen gelobt worden, räumt Facebook dennoch ein, dass das Angebot nur von "verhältnismäßig wenigen" Nutzern in Anspruch genommen wurde.

Quellen: Facebook, Facebook

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