Trotz guter Zugriffszahlen...

"Schlechte Qualität" – Zuschauer haben keine gute Meinung von Netflix-Filmen

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Netflix schneidet in einer von 'Barcleys' durchgeführten Studie in Bezug auf eigens produzierte Filme eher schlecht ab. Im Vergleich der Studios landete nur Paramount dahinter, doch die Zugriffszahlen stimmen. Setzt Netflix mit dem Ausbau an Eigenproduktionen aufs falsche Pferd?

Es ist Sonntagnachmittag, verregnet, kalt … Spätherbst halt. Der Tag heute steht im Zeichen des Sofas, doch im Free-TV läuft mal wieder nichts Gescheites - dazu ständig diese Werbeunterbrechungen. Zum Glück gibt es Streaming-Anbieter wie Netflix, die uns aus dem antiquierten Sendealltag rausreißen, mit Serien wie 'Stranger Things', 'House of Cards' oder der Kult-Comedy 'Friends'.

Bei Filmen sieht die Sache dem Anschein nach etwas anders aus, wie Business Insider aus einer Studie von 'Barclays' ableitet. Hier schneiden die sogenannten 'Originals', wie das auf Netflix veröffentlichte 'The Cloverfield Paradox', Will Smiths Fantasy-Action 'Bright' oder der 'The Open House'-Grusel mit 'Tote Mädchen lügen nicht'-Star Dylan Minnette mehr schlecht als recht ab. Zumindest, wenn man die Bewertungen von IMDB-Nutzern als Grundlage für die Qualität von Netflix-Filmen nimmt und sie für einen Vergleich mit anderen großen Filmstudios und deren Blockbustern heranzieht.

Netflix: Anständige Zuschauerzahlen trotz "schlechterer" Qualität

Demnach werten Zuschauer die Qualität von Netflix-Filmen (2017-2018) minderwertiger ein, als Produktionen von Studios wie Disney (7,3), Fox (6,7), Warner Bros. (6,6), Universal (6,2) und Sony (6,1) - nur Paramount (5,7) schneidet hier schlechter ab als der Streaming-Anbieter mit einem IMDB-Rating von 6,0. Und das, obwohl Netflix erst letzten Monat ankündigte, zukünftig den Fokus auf Eigenproduktionen zu legen? Nach der Ankündigung, dass sich Netflix bis zum Jahresende das Ziel gesetzt hat, rund 1000 'Origninals' aus Serien und Filmen zu veröffentlichen? Setzt Netflix etwa auf das falsche Pferd?

Tatsache ist zunächst einmal, dass die Originals eine anständige Zuschauerzahl haben. Netflix selbst bezifferte sein Publikum für die letzten 33 Filme auf eine Gesamtzahl von 300 Millionen, oder anders ausgedrückt: Rund 9 Millionen Zuschauer pro Film. Was Barclays ebenfalls dazu bewegte, den Netflix-Vergleich mit den Kinokassen anzustellen, bei dem der Streaming-Anbieter Umsätze von mehr als 4 Milliarden US-Dollar einspielen würde.

Diese Zahlen ändern laut Barclays nicht die als "bedeutend schlechter" eingestufte Qualität von Netflix-Filmen. Auf die Gründe für diese (gewissermaßen widersprüchliche) Kluft aus Bewertung und Ertrag geht die Studie selbst nicht ein - mutmaßen Erklärungsversuche auch eher, als dass sie feststellen.

Auf IMDB fiel 'The Cloverfield Paradox' bei den Zuschauern durch.

Netflix macht es leichter, schlechteren Filmen eine Chance zu geben

Ein Erklärungs-Ansatz könnte die leichte Zugänglichkeit zu neuen Filmen sein. Während sich Zuschauer für Kinofilme aus dem Haus bewegen und deutlich mehr Geld in die Hand nehmen müssen, sind vermeintlich schlechter bewertete Filme bei Netflix im Abo enthalten – die Hürde, dem Film trotzdem eine Chance zu geben, ist deutlich kleiner.

Andersrum haben Studios teils völlig andere Strategien, einen Film im Vorfeld zu hypen – setzen Stars in unzählige Interviews und schießen Millionen in Werbe-Etats. Im Gegensatz dazu erscheinen Filme auf Netflix meist nur oder werden im kleinen Kosmos des Streaming-Anbieters beworben. Ein Grund für schlechtere Zuschauerbewertungen auf Portalen wie IMDB? Gut möglich.

Momentan kann Netflix diese Entwicklung noch entspannt verfolgen – wechseln doch unter anderem immer mehr Showrunner wie Guillermo Del Toro auf die Plattform, die sowohl Produzenten als auch Schauspielern eine Art Freiraum ohne allzu großen Quotendruck ermöglicht, den man in Hollywood momentan wohl eher vergeblich sucht.

Am Ende entscheiden die Netflix-User über die Zukunft von Eigenproduktionen und nicht Bewertungsportale wie IMDB oder Rotten Tomatoes.

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