Direkt nach dem Facebook-Skandal

Screenwise Meter: Auch Google bietet Bezahlung für persönliche Daten

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Ganz offensichtlich wurde den Nutzern nicht nur von dem sozialen Netzwerk Facebook eine "Aufwandsentschädigung" dafür geboten, sämtliche privaten Daten komplett zugänglich zu machen. Wie das Online-Magazin 'TechCrunch' berichtet, nutzt Google ebenfalls eine ähnliche App, um das Userverhalten auszukundschaften. Nun steht 'Screenwise Meter' auf dem Prüfstand.

Ein Screenshot des Installationsvorganges der Screenwise Meter-App.

Der Installationsvorgang der Screenwise Meter-App gibt nur teilweise Aufschluss darüber, was die Anwendung tatsächlich macht und welche Daten konkret und zu welchem Zweck gesammelt werden.  

Quelle: (Screenshot)  techcrunch.com 

Ein Screenshot des Installationsvorganges der Screenwise Meter-App.

Der Installationsvorgang der Screenwise Meter-App gibt nur teilweise Aufschluss darüber, was die Anwendung tatsächlich macht und welche Daten konkret und zu welchem Zweck gesammelt werden.  

Quelle: (Screenshot)  techcrunch.com 

Erst gestern berichteten wir von der 'Facebook Research App', mit der das soziale Netzwerk in Verbindung mit einem kleinen Obolus von bis zu 20 US-Dollar pro Monat sämtliche private Daten der Nutzer ausgekundschaftet hat. Wie sich jetzt herausstellte, ist Facebook jedoch nicht das einzige Unternehmen, welches mit derart obskur anmutenden Mitteln versucht, die persönlichen Daten von Nutzern auszuhorchen. Laut einem aktuellen Artikel des US-amerikanischen Online-Portals 'TechCrunch' nutzt Google bereits seit dem Jahre 2012 ebenfalls eine App, die auf einem sehr ähnlichen Weg verschiedenste Userdaten sammelt: 'Screenwise Meter'.

Laut den vorliegenden Informationen wurden dafür Nutzer ab einem Alter von 18 Jahren (beziehungsweise sogar schon ab 13, falls die Erziehungsberechtigten ebenfalls teilnahmen) dazu eingeladen, sich die App auf ihr Smartphone herunterzuladen. Um das Interesse zu steigern, bot Google außerdem eine kleine Aufwandsentschädigung in Form von virtuellen Geschenkkarten an. Dafür mussten die Nutzer dann allerdings zusätzlich zu 'Screenwise Meter' eine weitere Anwendung auf ihrem Gerät installieren.

Dabei handelt es sich um eine VPN-App (Kurzform für 'Virtuelles Privates Netzwerk'), die auf dem sogenannten 'Enterprise Certificate' basiert, und es Google ermöglicht, sämtlichen Datenverkehr der Nutzer mitzuschneiden und danach zu analysieren. Diese Anwendungen sind zudem Teil des 'Google Opinion Reward Programs', das den Nutzern noch mehr Boni verspricht, falls sich diese weitere Tracking-Programme auf ihrem PC, Router oder TV-Gerät installieren. Darüber hinaus bietet Google auch einen eigenen Router an, der die gesamte Netzwerkaktivitäten automatisch aufzeichnet und die gesammelten Daten weiterleitet.

Die zwei Seiten derselben Medaille

Auf der einen Seite ermöglicht Google den Nutzern, 'Screenwise Meter' in einem sogenannten Gäste-Modus zu nutzen, in dem allem Anschein nach keine Daten versendet werden – allerdings gibt es dann auch keine Möglichkeit, von dem Reward Programm zu profitieren. Laut TechCrunch gibt es jedoch viele Menschen, die sich von finanziellen Boni ködern lassen, die aber nicht genau verstehen, wie die App funktioniert und was es bedeutet, Google vollen Zugriff auf die eigenen Daten zu gestatten.

Wenn finanzielle Versprechen den eigenen Verstand aushebeln.

Hier stellt sich die Frage: Sind die Nutzer im Endeffekt selbst schuld, wenn sie sich nicht ausführlich informieren – oder muss Google detailliert erklären, welche Daten genau abgefragt werden und was mit diesen Daten konkret passiert? Google legt in Bezug auf 'Screenwise Meter' jetzt zwar den Rückwärtsgang ein, doch bleibt abzuwarten, ob sich in naher Zukunft tatsächlich etwas an der zum Teil undurchsichtigen Herangehensweise ändern wird.

Auch Google verstößt gegen die App Store-Politik von Apple

Durch die Verwendung des oben genannten Enterprise Certificates untergräbt Google, ähnlich wie Facebook mit der 'Research App', ganz klar die Richtlinien von Apple. Während das soziale Netzwerk bereits durch die Verbannung seiner VPN-App aus dem App Store bestraft wurde, scheint Google diesen Umstand umgehen zu wollen, indem sie die 'Screenwise Meter'-App vorher selbst aus dem App Store löschen. Passend dazu liegt nun auch eine offizielle Stellungnahme seitens Google vor, die von den Kollegen von TechCrunch veröffentlicht wurde.

Darin heißt es: "Die Screenwise Meter-App für iOS sollte nicht unter Apples 'Developer-Enterprise'-Programm laufen. Dies war ein Fehler und wir entschuldigen uns. Wir haben diese App auf iOS-Geräten deaktiviert. Die [Nutzung der] App ist völlig freiwillig und war es schon immer. Wir haben die Anwender über die Art und Weise, wie wir ihre Daten in dieser App verwenden, informiert. Wir haben keinen Zugriff auf verschlüsselte Daten in Apps und Benutzer können das Programm jederzeit abbestellen." Sowohl 'Screenwise Meter' als auch die 'Facebook Research App' sind zwar nicht mehr im App Store verfügbar, können allerdings noch immer über den Google-eigenen Play Store heruntergeladen werden.

Quellen: TechCrunch, Google, Engadget

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