Achtung Suchtgefahr

Sexbots: Das Intimleben der Zukunft oder soziale Isolation?

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Laut einer Untersuchung der 'Foundation for Responsible Robotics' (FRR) wird die Verschmelzung von virtueller Realität und Telekommunikation dazu führen, dass die persönliche Anwesenheit eines Partners zunehmend ersetzt wird. Forscher warnen außerdem vor einer Forcierung dunkler Gelüste wie Pädophilie und Sadismus.

Neben Japan - einem Land, das für die Offenheit gegenüber Intimität mit Sexpuppen bekannt ist - schwappt der Trend für erotische Schäferstündchen mit täuschend echt aussehenden Robotern langsam aber sicher auch nach Europa. So hat erst jüngst in Barcelona ein Sexpuppen-Bordell eröffnet, dass für eine Session mit künstlichen Dienstleisterinnen 127 US-Dollar auf die Rechnung schreibt. Auf verschiedene Vorlieben wurde dabei Rücksicht genommen: Die vier großbusigen 'LumiDolls' kommen in den Varianten "Kati" mit blonder Mähne, "Lili" im asiatischen Look, "Leiza" als die dunkle Schönheit und "Aki" als Anime-Model daher. Laut Aussage der Betreiber sind bereits diverse Sessions gebucht worden - die Nachfrage ist also vorhanden.

In einem Interview gegenüber Broadly erklärt Dr. Peter Kanaris, ärztlicher Direktor des Programms für Sexualdiagnosen des psychologischen Dienstes in Smithtown (New York), die möglichen Gründe für den Wunsch nach dieser Form von "Sex". Es sind unter anderem die fehlende Erreichbarkeit von anderen Menschen, soziale Ängste und Introvertiertheit sowie Hemmungen und Erfahrungsmangel, welche die Attraktivität von leblosen Beziehungen steigern.

Somit könnten Menschen durchaus Vorteile durch den Sexpuppen-Boom erfahren. Die Suchtgefahr ist allerdings hoch: Warum sollte man sich noch mit echten Menschen auseinandersetzen - die nicht immer reagieren, wie man es gern hätte - wenn man jeglichem Konflikt einfach aus dem Weg gehen kann?

Was passiert nun, wenn man diese Puppen noch besser macht? Mit künstlicher Intelligenz ausstattet, damit eine Unterhaltung so realitätsnah wie möglich wird? Obwohl das Thema zunächst eher belustigt, als dass man sich ernsthaft Gedanken dazu machen würde, gibt es ernste Warnzeichen, wohin sich eine Gesellschaft im schlimmsten Fall entwickeln könnte. Vielleicht kennt ihr die Serie "Westworld" mit Anthony Hopkins bereits? Dann ahnt ihr schon, was jetzt kommt.

Die Foundation for Responsible Robotics (kurz FRR) besteht aus einer Gruppierung von Robotik-Wissenschaftlern, Autoren und Philosophen, die sich dafür einsetzen, dass die Standards und Methoden der Roboter-Entwicklung hinsichtlich ethischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Argumente überprüft werden. Zu den Gründern zählt Noel Sharkey, seines Zeichens Professor an der 'University of Sheffield', der sich klar zu den aktuellen Entwicklungen in der Erotik-Roboter-Branche äußert: "Wenn sich Leute an Roboter binden, dann ist das sehr beunruhigend. Du liebst ein Artefakt, das nicht in der Lage ist, dich zurück zu lieben. Das Beste was sie tun können ist, es zu faken." Die FRR hat zu dieser Problematik nun einen ausführlichen Bericht veröffentlicht: "Our Sexual Future With Robots".

Helfen Sexpuppen gegen Pädophilie?

Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist der Gewinn, den die Sex-Industrie mit der Befriedigung intimer Gelüste erzielt, die moralisch infrage stehen. So verkauft die Manufaktur 'Trotttla' beispielsweise Sexpuppen, die wie minderjährige Schulmädchen aussehen. Für wen diese hergestellt werden, wird in keinster Weise verschwiegen. Trottla-Gründer Shin Takagi gibt offen zu, sich auf sexuelle Weise zu Kindern hingezogen zu fühlen. Die Nutzung der Puppen halte ihn jedoch davon ab, sich Minderjährigen tatsächlich unangemessen zu nähern.

Sexpuppe im Look einer Minderjährigen

Sexpuppe, die wie ein kleines Mädchen aussieht: Gruselig oder notwendiges Übel, um Schlimmeres zu verhindern?  

Quelle:  Dollpark.com 

Sexpuppe im Look einer Minderjährigen

Sexpuppe, die wie ein kleines Mädchen aussieht: Gruselig oder notwendiges Übel, um Schlimmeres zu verhindern?  

Quelle:  Dollpark.com 

Für Fans von Sexpuppen gibt es diverse Foren und Anlaufstellen, darunter das Portal gummipuppen.de. Auch hier diskutieren die Forenmitglieder über die Trottla-Puppen. Ein Diskussionsteilnehmer schreibt "Sowas gehört (...) weltweit verboten. Nix gegen Candygirls usw., die sehen wenigstens aus, als wenn sie wissen was sie tun. Aber das ist Kinderfickerei und sonst gar nix." Es gibt jedoch auch Fürsprecher: "Besser aber, der böse Mitschnacker kauft sich sowas, als (dass) er sich seinen Kick auf der Straße besorgt, oder?".

Patrick Lin, Philosophie-Professor und Robotik-Ethiker von 'California Polytechnic' hält diese "Behandlungsmethode" für "dubios und abstoßend". Man solle sich einmal vorstellen Rassismus zu behandeln, indem man eine bigotte Person einen dunkelhäutigen Roboter misshandeln ließe. Die Chance, dass das funktioniere, sei unwahrscheinlich. Aus diesem Grund möchte die FRR eine gesellschaftliche Diskussion darüber in Gang setzen, wie weit man in der Robotik gehen darf. 200 Mitglieder haben sich der Stiftung bisher angeschlossen.

Sonnenseite: Einsatz von Puppen für Alzheimer-Patienten

Neben Sexbots gibt es allerdings auch positive Beispiele für den Einsatz von Robotik im "zwischenmenschlichen" Bereich. So wurde der Einsatz der therapeutischen 'Robbe Paro' von Pflegepersonal als hilfreich für den Alltag mit Demenzkranken empfunden. Die plüschige Robbe mit den Kulleraugen schmiegt sich an und wird gerne gestreichelt - jedenfalls sorgen mehrere Sensoren dafür, dass es danach aussieht. Über die Unterscheidung von Tageszeiten, Temperaturen und Geräuscherkennung, versteht Paro seinen Namen und imitiert die reale Stimme einer Babyrobbe. Auch dieses "Healing Pet" stammt übrigens von einem japanischen Erfinder, Takanori Shibata.

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