Ein Adieu auf Zeit

Smartphone-Verbot: Frankreich verhagelt Kindern den Schulstart per Gesetz

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von Fabian Simon -

In Frankreich ist seit gestern ein Gesetz in Kraft, das Smartphone-Nutzung an Schulen generell untersagt. Dies betrifft vor allem die Vor- sowie Grundschulen und gilt für Kinder bis 15 Jahren. Experten sind sich jedoch uneinig, ob ein generelles Verbot etwas am Kern des Problems ändert – fehlende Medienkompetenz und unsicherer Umgang mit der Technik an sich.

Neben der tristen Tatsache, dass die Tage nun wieder kälter, kürzer und düsterer werden, heißt es für französische Kids zudem auch wieder "Tasche packen", denn ab September geht das Pauken wieder los! Warum wir dabei ausgerechnet französische Kinder in den Mittelpunkt stellen? Als wäre das Ende der Sommerferien nicht schon schlimm genug, hat das Parlament unseres Nachbarlandes für den diesjährigen Schulanfang ein gesetzliches Smartphone-Verbot an Schulen veranlasst, das vielen Jugendlichen den Start ins neue Schuljahr richtig verhageln wird.

Smartphone-Verbot für Schüler zwischen 3 bis 15 Jahren.

Ohne Smartphone oder Tablet durch langweilige Unterrichtsstunden und Pausen schlittern - für die Generation Smartphone wohl mindestens genauso schlimm, wie der gute alte Hausarrest für unsere Eltern damals.

Der Grund für dieses Verbot ist schlichtweg, dass die französische Regierung mit Besorgnis auf die Anziehungskraft von Smartphones auf Kinder schaut. Sie will die zahlreichen Ablenkungsmöglichkeiten des Displays vom Schulgelände verbannen - zumindest in Vor-, Grund- und weiterführenden Schulen. Gymnasien sind von dieser Regelung ausgenommen.

Bildungsminister: Smartphone-Verbot "Gesetz des 21. Jahrhunderts"

Die Regelung für ein gesetzliches Handy-Verbot an Schulen gilt für Schüler im Alter zwischen drei und 15 Jahren und ist die Umsetzung eines Wahlversprechens, das der amtierende Präsident Emmanuel Macron auf den Weg gebracht hat. Darüber hinaus soll es Schulen selbst gestattet sein zu entscheiden, wie sie mit der Umsetzung verfahren und wie das Gesetz angewendet wird, wenn die Kinder älter als 15 Jahre alt sind.

Kritiker dieses Entschlusses werfen ein, dass dies schon vor der Verabschiedung von vielen Schulen praktiziert wurde und es mehr als Marketing- denn als lösungsorientierte Maßnahme zu verstehen sei. Vor allem bei der Umsetzung lasse das Smartphone-Verbot die Schulen im Stich: Anstatt verbindliche Regelungen zu präsentieren, um es alltagstauglich zu gestalten, höre der Ansatz beim bloßen Verbot auf.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer bezeichnet das Smartphone-Verbot indes als "ein Gesetz des 21. Jahrhunderts", das auf den immer größeren Einfluss von Handys auf Kinder und Jugendliche reagiert. Doch: Ist dieses Gesetz überhaupt sinnvoll, oder kaschiert die Verbannung von Smartphones aus Bildungsstätten das eigentliche Problem?

Smartphones verbannen ändert nichts an den eigentlichen Problemen

Experten sind sich uneinig, ob ein generelles Smartphone-Verbot an Schulen den Kern des eigentlichen Problems trifft. Obwohl es sinnvoll erscheint, dass sich Kinder während des Schulalltags voll und ganz auf den Unterricht und die Entwicklung von Sozialkompetenzen konzentrieren, lässt sich das Smartphone dennoch nicht mehr aus dem Alltag wegdenken. Immer früher greifen Kinder zum Handy, ohne dabei über die Gefahren und den Umgang aufgeklärt zu werden. Deshalb scheint es sinnvoller, den sicheren Umgang mit Technologie und Mediennutzung in den Unterrichtsalltag mit aufzunehmen, anstatt Kinder am Nachmittag mit diesen Problemen allein zu lassen. Dies setzt jedoch unter anderem eine gewisse Kompetenz der Lehrkräfte in diesen Bereichen voraus, was wohl ebenso an der Realität vorbei geht.

Eine Kompromisslösung scheint hier noch am sinnvollsten, die das Smartphone und dessen Nutzung in den Unterricht integriert (sofern benötigt). Gleichzeitig braucht es spezielle Fächer, in denen Medienkompetenz sowie ein verantwortungsvoller Umgang und die Gefahren von unachtsamem oder falschem Handeln vermittelt werden. Ferner benötigt es Smartphone-freie Zonen und Zeiten, in denen sich Kids ohne Technik entfalten können/müssen.

Leichter gesagt als getan, doch am Ende vielleicht ein Konzept mit Zukunft - ohne generelle Verbote im Schwarz-Weiß-Format.

Quelle: businessinsider

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