Einsamkeit in sozialen Netzwerken

Social Media prägt Gefühle: Schlechtes wirkt schlechter, aber Gutes nicht besser

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von Julius Zunker -

Soziale Netzwerke wollen Menschen, auch über weite Distanz hinweg, näher zusammenbringen. Allerdings sorgen sie mittels Hass-Posts und anderen, negativen Inhalten auch für soziale Kälte und schlechte Erfahrungen. Menschen fühlen sich ausgrenzt und einsam. Eine neue Studie hat sich mit diesem Phänomen beschäftigt und kommt zu sehr ambivalenten Ergebnissen.

Einsamkeit, genauer gesagt "gefühlte Einsamkeit", kann von Menschen jederzeit wahrgenommen werden. Dafür bedarf es nicht einmal tatsächlicher, physischer Abschottung. Auch umgeben von Mitmenschen kann sich eine Person ziemlich alleine und verloren fühlen. Ausgelöst und verstärkt wird dies meist durch einen (vielleicht nur so wahrgenommenen) Mangel an festen, tiefgehenden Bindungen, die das Gefühl von Verständnis und Geborgenheit vermitteln.

Gefühlte Einsamkeit steht in Verbindung mit anderen negativen Erfahrungen

Die nun in den USA von einem Autoren-Team um Brian A. Primack angefertigte Studie versucht, diese gefühlte Einsamkeit in sozialen Netzwerken genauer zu ergründen. Die Untersuchung wurde plattformübergreifend durchgeführt und beleuchtete die persönlichen Erfahrungen von Usern zwischen 18 und 30 Jahren. Innerhalb der Studie zeichnete sich schnell das Bild ab, dass wahrgenommene Einsamkeit in einer direkten Verbindung mit anderen negativen Emotionen steht und somit verstärkt auftreten kann - allerdings nicht zwingend muss.

Negative Erfahrungen in den sozialen Medien verstärken die "gefühlte Einsamkeit".

Die Teilnehmer der Untersuchung wurden nach ihrer persönlichen Nutzung sozialer Netzwerke befragt und ob sie eher positive oder negative Erfahrungen machen würden - darunter eben auch die Wahrnehmung gefühlter Einsamkeit. Die Studie zeigt, dass für jeden Anstieg von 10 Prozent an negativen Erfahrungen auch die gefühlte Einsamkeit um 13 Prozent zunimmt. Für eine Zunahme an positiven Erfahrungen wurde jedoch keine Änderung der Vereinsamung verzeichnet.

Negatives bleibt, Positives verblasst

Dies würde bedeuten, positive Erfahrungen haben ein deutlich geringeres Gewicht als negative. An sich keine unbedingt neue oder überraschende Entdeckung. Unzählige psychologische Studien belegen, dass Menschen negative Erlebnisse eher verinnerlichen als positive. Zusätzlich wenden wir uns - insbesondere in sozialen Medien - schneller negativen als positiven Themen zu.

Traurige Frau mit Smartphone

Menschen verinnerlichen negative Erfahrungen tendenziell stärker als positive Erlebnisse - Social Media kann diesen Effekt verstärken, sagt die Studie.  

Quelle: (Burdun Iliya)  Shutterstock.com 

Traurige Frau mit Smartphone

Menschen verinnerlichen negative Erfahrungen tendenziell stärker als positive Erlebnisse - Social Media kann diesen Effekt verstärken, sagt die Studie.  

Quelle: (Burdun Iliya)  Shutterstock.com 

"Menschen tendieren dazu, negativen Eigenschaften und Erfahrungen größeres Gewicht beizumessen als positiven. Und dies wird besonders im Social-Media-Bereich relevant", führte Jaime Sidani, Co-Autorin der Studie, gegenüber dem US-Magazin 'Forbes' an. "Positive Erfahrungen in sozialen Medien lassen sich so mit einer flüchtigen positiven Verstärkung verbinden, während negative Erfahrungen sich gegenseitig immer weiter verstärken und manifestieren, eventuell sogar zu einem traumatischen Eindruck führen können."

Die Studie versucht des Weiteren zu ergründen, ob Menschen, die generell zu gefühlter Einsamkeit neigen, sich eher von den negativen Dimensionen sozialer Netzwerke angezogen fühlen. Auch wenn sich hier kein eindeutiges Ergebnis ablesen lässt, so verstärkt die Untersuchung doch den Eindruck, dass hier eine Verbindung besteht. Brian A. Primack sieht eine deutliche Signalwirkung: "Da Social Media allgegenwärtig ist, ist es von größter Wichtigkeit zu verstehen, warum so etwas geschieht, und wie wir Menschen helfen können, durch soziale Netzwerke zu navigieren, ohne dabei Negatives zu erleben."

Sicherlich ist diese Studie nur eine von vielen, die vermehrt negative Eigenschaften von Social Media aufzeigt. Erst kürzlich legten Untersuchungen nahe, dass Facebook und Co. zu gesteigerter Selbstbezogenheit führen, die Entscheidungsfähigkeit einschränken und die mentale Gesundheit gefährden können.

Quelle: Primack et al. via Forbes

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