Soziale Netzwerke und ihre Bindungskraft

Social-Media-Sucht: Der Erfolg von Binky und Co. spricht Bände

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Wenn über das Thema Sucht gesprochen wird, geht es dabei in den seltensten Fällen um die unterbewusste Abhängigkeit vom Internet als solches und den sozialen Netzwerken im Speziellen – doch gerade hier sehen Suchtforscher eine immer stärker werdende Gefährdung der Nutzer. Was bedeutet die Social-Media-Sucht für unsere Gesellschaft und was kann man tun, um sich der Problematik bewusst zu werden?

Mal eben die neusten Urlaubsfotos der besten Freundin auf Instagram und Facebook liken, ein paar "Herzen" bei Twitter verteilen und noch schnell den fast obligatorischen Selfie per Snapchat an die Kollegen schicken – für immer mehr Nutzer gehören diese Dinge mittlerweile zum Alltag und für einige sind sie sogar kaum noch wegzudenken. Nebenbei werden ausschweifende Diskussionen geführt, natürlich über WhatsApp oder Telegram, schließlich ist die Zeit knapp und warum sollte man auch mit den Menschen persönlich sprechen, wenn es doch so viel schneller und vor allem einfacher geht. Was sich nach einem schon fast normalen Tag im Leben eines Smartphone-Besitzers anhört, sorgt bei Suchtforschern jedoch für tiefe Sorgenfalten.

Die Schattenseiten der sozialen Medien

Alkohol? Klar. Nikotin? Selbstverständlich auch – und andere Drogen sowieso. Die meisten Menschen haben relativ klar definierte Ansichten darüber, was schlecht ist und auf jeden Fall sehr schnell zu einer Abhängigkeit führen kann. Dass es in Deutschland mittlerweile mehr Online-Süchtige als aktive Cannabis-Konsumenten gibt, ist vielen allerdings nicht bewusst. Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung zeigen mehr als fünf Prozent der Jugendlichen hierzulande zum Teil deutliche Symptome eines Internet-Suchtverhaltens in Bezug auf Online-Spiele und soziale Medien – Tendenz steigend.

Geht es nach Experten wie dem bekannten Suchtforscher Falk Kiefer oder Markus Daimel, dem fachlichen Leiter der psychotherapeutischen Ambulanz des Arbeitskreises für Gruppentherapie und Gruppendynamik, sind die aktuellen Zahlen mehr als alarmierend - nicht zuletzt da das „Einstiegsalter“ in die sozialen Netzwerke mittlerweile bereits bei neun bis elf Jahren liegt. Laut den Suchtforschern gilt es das eigene Bewusstsein zu stärken, um die extrem hohe Bindungskraft der sozialen Netzwerke erkennen und die möglichen Folgen begreifen zu können.

Der überraschende Erfolg der 'Binky'-App als Warnzeichen

Der App-Entwickler Dan Kurtz wollte sich ursprünglich einen Scherz erlauben, als er die „Binky“-App programmierte. Die komplett funktionslose Applikation, die derzeit nur für iOS verfügbar ist und erst später auch für das Android-Betriebssystem umgesetzt werden soll, simuliert eine komplette Social-Media-Plattform, inklusive der Möglichkeit, die eigens dafür generierten Inhalte zu liken und kommentieren zu können. Das alles findet jedoch nicht etwa in der Öffentlichkeit statt, sondern nur lokal auf dem eigenen Smartphone und dient in der Hauptsache dazu, die eigenen sozialen Bedürfnisse zu befriedigen, falls auf Facebook, Twitter und Co. mal wieder die negativen Schlagzeilen die Oberhand gewinnen.

„Hinter Facebook steckt zu viel Wut, Stress und Trauer, aber man möchte irgendwas mit seinem Smartphone machen. Binky löst dieses Problem, indem man einfach durch irgendetwas scrollt, aber durch nichts Bestimmtes“, sagte Kurtz gegenüber den Kollegen von TechCrunch. Ansonsten sei er selbst wohl am meisten von dem Erfolg der App überrascht. Für Falk Kiefer, Markus Daimel und andere Suchtforscher dürfte Binky hingegen ein Paradebeispiel für die derzeitige Situation sein. Bedenkt man zudem, dass der durchschnittliche Smartphone-User sein Gerät mehr als 150 Mal pro Tag entsperrt und insgesamt über zweieinhalb Stunden vor dem Display seines mobilen Endgerätes verbringt, scheinen die Sorgen der Forscher sogar mehr als begründet.

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Das eigene Bewusstsein schärfen

Social-Media-Sucht? Online-Abhängigkeit? Was für viele vielleicht hart und unbegründet klingen mag, stellt für einige Menschen tatsächlich ein ernsthaftes Problem dar. Bei einer Sucht geht es bekanntlich darum, die eigenen Bedürfnisse in einem zufriedenstellenden Maße zu befriedigen – ob das nun eine weitere Zigarette ist oder das „klassische“ Feierabendbier. Doch was tun, wenn einem plötzlich auffällt, dass man seinen besten Freund schon eine ganze Weile nicht mehr „live“ gesehen hat – oder wenn sich die schulischen Leistungen immer weiter verschlechtern?

Bevor man diese Dinge vorschnell bagatellisiert, gilt es sich damit auseinanderzusetzen – so lautet zumindest die Ansicht der Suchtforscher. Abschließend sei gesagt, dass eine Online- beziehungsweise eine Social-Media-Sucht niemandem peinlich sein muss, doch sollte man potentielle Anzeichen dafür keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen, sondern offen damit umgehen. Zudem gibt es in Deutschland mittlerweile zahlreiche Anlaufstellen, wie unter anderem sogar Krankenkassen, an die man sich wenden kann.

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1 Kommentar
luana metz

loool