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Spotify-Statistik zeigt

Songs, die wir lieben – unser Musikgeschmack prägt sich in jungen Jahren

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Warum versteht mein kleiner Bruder nicht, wie großartig dieser Song ist? Weil der Altersunterschied gehörig zu unserem Musikgeschmack beiträgt. Spotify liefert die Daten, Seth Stephens-Davidowitz zieht die folgenden Schlüsse: Laut seiner Statistik prägen uns vor allem die Jahre rund um die Pubertät.

Habt ihr euch schon mal gefragt, wann Radiostationen damit angefangen haben, "ständig diesen Mist" zu spielen, warum sich Kids heutzutage mit Popsongs vom Reißbrett zufrieden geben und wo eigentlich generell die gute Musik geblieben ist, während ihr die alten Platten rauf und runter laufen lasst? Nun lässt sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten und ja, dieser Einstieg liest sich in etwa so wie die nervigen "Früher war alles besser!"-Sprüche der älteren Generation – ich weiß! Und ich finde es großartig… denn (endlich) kann ich diese Floskel einmal anwenden, weil es die Statistik hergibt.

In seiner Big-Data-lastigen Kolumne in der News York Times stellt Autor Seth Stephens-Davidowitz nun die steile These auf: Wenn du in deiner Jungend einen Song kennen- und lieben gelernt hast, verfolgt er dich dein ganzes Leben und prägt zudem deinen Musikgeschmack in einem nicht unbeträchtlichem Maß. Für diese Erkenntnis stellte ihm Spotify die Daten zur Verfügung, welcher Song von Männern und Frauen jedes erdenklichen Alters am häufigsten gehört wird. Das Ergebnis: Die prägendste Zeit für den Musikgeschmack junger Heranwachsender liegt bei Männern im Alter zwischen 13 und 16, bei Frauen zwischen 11 und 14.

Songs aus der Jugend, die euch für immer begleiten

Statistik zu Frauen und Männern über Musikgeschmack

Stephens-Davidowitz Erhebungen aus den Spotify-Daten zeigen: Der Musikgeschmack von Frauen und Männern bildet sich statistisch um das 13. bzw. 14. Lebensjahr herum und prägt unsere Vorlieben maßgeblich.  

Quelle: (Seth Stephens-Davidowitz)  nytimes.com 

Statistik zu Frauen und Männern über Musikgeschmack

Stephens-Davidowitz Erhebungen aus den Spotify-Daten zeigen: Der Musikgeschmack von Frauen und Männern bildet sich statistisch um das 13. bzw. 14. Lebensjahr herum und prägt unsere Vorlieben maßgeblich.  

Quelle: (Seth Stephens-Davidowitz)  nytimes.com 

Seid ihr also ungefähr in meinem Jahrgang – zarte 30 Jahre jung – ist es nicht unwahrscheinlich, dass euch musikalisch die Jahrtausendwende am ehesten beeinflusst hat. Klingelt es, wenn ich Songs wie 'Teenage Dirtbag', 'Butterfly' von Crazy Town oder 'Crawling' von Linkin Park erwähne? Oder doch lieber das Safri Duo, Miss California oder 'Clint Eastwood' von den Gorillaz? Die Chance ist groß, dass euch einer dieser Titel aus den damaligen Top 100 im Gedächtnis geblieben ist und euer Verständnis von Musik maßgeblich prägte.

Nach Ansicht von Davidowitz sind diese Ergebnisse eindeutig, denn obwohl er unter den diversen Altersgruppen auf eine Übereinstimmung des generellen Genres geachtet hat - in seinem Fall Rock-Musik – sind Titel, Interpreten und deren Popularität deutlich verschieden. Als Beispiel führt er den Song 'Creep' von Radiohead ins Rennen: Unter 38-jährigen Männern rangiert der Song auf Platz 164 der populärsten Titel aller Zeiten. Schaut man in der Folge auf die bevorzugten Songs 48-jähriger Männer, findet Creep nicht mal Platz unter den beliebtesten 300 Titeln.

Davidowitz führte den Test anhand weiterer Beispiele fort - die These bestätigte sich quasi universell. Somit lässt sich festhalten, dass es vor allem die Jahre um und zum Ende der Pubertät sind – bei Jungen um das 14. Lebensjahr, bei Mädchen etwas früher mit 13 – die den Musikgeschmack einer Person prägen.

Lieber Beyonce, Van Halen oder Marvin Gaye zum Valentinstag?

Wenn ihr also aktiv verhindern wollt, dass eure Kids zukünftig in eine bestimmte Stilrichtung abdriften, wisst ihr nun, wann es sich besonders lohnt, die eigenen Klassiker etwas lauter aufzudrehen. Aktive Beeinflussung oder doch nur der Wink mit dem "richtigen" Zaunpfahl? Diese Interpretation überlasse ich euch.

Für den Valentinstag hat Davidowitz übrigens prognostiziert, dass meine Generation wohl eher auf Beyoncés "Crazy in Love" setzt, um das Date musikalisch zu untermalen, während die Generation Ü40 eher auf Van Halens "When It's Love" setzt. Die 60-jährigen setzen da schon eher auf Marvin Gayes Qualitäten und bringen das Feuer mit "Let's Get it On" zum Lodern.

Quelle: New York Times

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