Von Palina Rojinski bis Serien-Mörder

Spotify will an die Podcast-Spitze

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von Julius Zunker -

Spotify dringt verstärkt in den Podcast-Markt vor. Nachdem zum Beginn des Jahres schon tief in die Tasche gegriffen wurde, scheuen sich die Schweden mittlerweile weder davor gegen Apple ins Feld zu ziehen, noch sehr spezielle Kanäle aufzukaufen. Prognostizierter, direkter Gewinn dabei: Nichts. Gerungen wird um potenzielle Abonnenten für das Premium-Geschäft.

Das jüngste Juwel in Spotifys größer werdendem Podcast-Portfolio ist 'Parcast'. Bekannt wurde der Kauf des Studios am Dienstag. 'Parcast' gilt im englischsprachigen Raum als einer der hochwertigsten Produzenten für Krimi- und Mystery-Serien. Mit diesem Kauf setzen die Schweden ihre offenbar fest auf die eigenen Banner geschriebene Queste fort, der größte Anbieter für gestreamte Audio-Inhalte zu werden. Im Deal mit Parcast sind 18 Shows enthalten, darunter 'Serial Killers' und die fiktionale Reihe 'Mind’s Eye'.

Spotify auf dem Weg an die Podcast-Spitze

Der Kauf erscheint wenig überraschend, bedenkt man, dass erst vor wenigen Wochen für einen zweistelligen Millionen-Betrag Gimlet Media, ein Podcast-Studio und Anchor, ein Tool-Anbieter für Podcaster, erworben wurden.

Die drei Käufe zusammen unterstreichen Spotifys Primär-Ziel: In Zukunft wollen die Schweden nicht bloß Musik anbieten, sondern schlussendlich alles, was sich User anhören können. Mit dem Schlucken von Podcast-Produzenten munitioniert Spotify das eigene Arsenal in der immer stärker werdenden Rivalität mit Apple auf. Denn noch sind die Herrschaften aus Cupertino unangefochten auf Platz 1 in Sachen Podcast-Angebot. Ein Umstand, den Spotify gerne zu den eigenen Gunsten ändern würde.

Podcasts lassen sich sehr günstig produzieren.

Für Spotify sind Podcasts aber auch aus anderer Sicht sehr interessant. Auch wenn die Käufe der jüngsten Vergangenheit teuer erscheinen, lassen sich Podcasts sehr günstig produzieren. Die Jahresprofite mit eigenen Angeboten lassen sich entsprechend gut erhöhen, die Schweden erlangen Zugang zu einer Verdienstmöglichkeit, bei der sie sich nicht auf teuere Lizenzverträge verlassen müssen. Obendrein gelten Hörer von Podcasts als beachtlich treue Konsumenten.

Exklusive Inhalte für den deutschen Spotify-Markt

Auch auf dem deutschen Markt will Spotify weiter den Podcast-Markt ausbauen. Dafür sollen exklusive Sendungen für den deutschsprachigen Markt das nötige Interesse generieren. Seit Anfang März bietet der Streaming-Dienst nach eigener, großer Ankündigung Ende Februar den Interview-Podcast des Journalisten Friedemann Karig an. Bei "Friedemann & Freunde" werden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, von Jusos-Chef Kevin Kühnert bis Moderatorin Jeannine Michaelsen, an das Mikrofon gebeten.

Ebenfalls zum eigenen Angebot gehört der neue Podcast von Palina Rojinski. Bei "Podkinski" wird getalkt und das mit wenig Blättern vor dem Mund. Mit diesen beiden Hochglanz-Podcasts erhöht das schwedische Unternehmen das eigene, exklusive Angebot für Deutschland von vier auf sechs Podcasts.

500 Millionen für den Kampf um die Business-Spitze

Um die Markenentwicklung und den kommenden Ausbau durch Spotify in allen Podcast-Belangen zu verstehen, ist es wichtig sich einige Umstände vor Augen zu führen. Spotify-Boss Daniel Ek hat die deutliche Order herausgegeben sein Unternehmen an Apple vorbei auf den ersten Platz im Podcast-Business zu gelangen. Dazu gehört auch eine nicht unwesentliche Kriegskasse. Für Übernahmen wie die von Gimlet und Parcast hat sich Spotify ein Budget von 500 Millionen US-Dollar eingeräumt. Eine ordentliche Stange Geld für ein Medium, welchem vor zwei Jahren noch ein Gesamtwert von rund 315 Millionen US-Dollar bescheinigt wurde.

Spotify spekuliert auf treue Dauerkunden.

Spotify allerdings verdient kein Geld durch Podcasts direkt. Das Unternehmen spekuliert aber auf treue Dauerkunden. Ein Plan, der durch das Hörerverhalten von Podcast-Jüngern aufgehen dürfte. Diese gelten, wie gesagt, als extrem treu. Der Griff zum Premium-Angebot dürfte so nicht fern liegen.

In der Zukunft dürfte es also auf dem Podcast-Markt einiges an Bewegung geben. Vieles davon ist noch Zukunftsmusik. So wird die Übernahme von Parcast erst im Juni abgewickelt werden. Der Podcast-Produzent hat allerdings schon jetzt angekündigt das eigene Angebot um 20 weitere Sendungen zu erweitern. Und auch außerhalb von Spotify brodelt es: Podcasts haben Aufwind, das Wachstum der Branche explodiert..

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