AdBlocker weiterhin zulässig

Springer Verlag will nach Schlappe gegen AdBlock vors Verfassungsgericht ziehen

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von Benjamin Krämer -

Erst gestern berichteten wir darüber, dass Spiegel Online und der dahinter stehende Springer Verlag vor den Bundesgerichtshof gezogen sind, um gegen AdBlocker zu klagen. Heute gibt es auch schon den Beschluss der Richter: AdBlocker sind generell zulässig. Springer reagierte umgehend und kündigte an, in letzter Instanz vor das Verfassungsgericht zu ziehen.

AdBlocker erfreuen sich großer Beliebtheit. Über 100 Millionen Nutzer weltweit verlassen sich auf ihre Dienste, die ein werbefreies Internet ermöglichen. Das öffnet auch schwarzen Schafen Tür und Tor, die mit Fake-Blockern nach unwissenden Usern gieren. Doch das Problem von Spiegel Online und seinem Mutterverlag Springer sind sinkende Werbeeinnahmen und die Weigerung, etwas an die AdBlock Plus Entwickler, die 'Eyeo GmbH', abzugeben. Denn Eyeo hat seinen beliebten AdBlocker längst zu einem lukrativen Geschäftsmodell weiterentwickelt: Über sogenanntes 'Whitelisting' schaltet die Firma bestimmte Werbebanner frei, die trotz aktiviertem Blocker angezeigt werden, und lässt sich diesen Service fürstlich bezahlen - ein Unding und obendrein Erpressung, argumentiert der Springer Verlag, der mit seinen Klagen bisher jedoch immer abgeschmettert wurde.

AdBlock Plus gewinnt und die Richter nennen gute Gründe

Die Aussichten der Axel Springer GmbH vor dem Verfassungsgericht sind sehr gering. Wahrscheinlicher ist, dass die vielen Verfahren am Ende mehr Kosten, als die Werbeeinbußen

Die Richter argumentieren, dass AdBlocker unter anderem Spiegel Online nicht die Existenzgrundlage entziehen könnten, weil die AdBlocker ohne sie und ihre Werbung ja auch nicht existieren würden. Sie weisen außerdem darauf hin, dass Nutzer mit AdBlockern ja relativ leicht von Online-Angeboten ausgeschlossen werden könnten und die Whitelists der Eyeo GmbH keine Erpressung darstellten, denn: Nutzer von AdBlock Plus können in den Filtereinstellungen auswählen, ob ihnen entsprechende Werbung angezeigt wird, oder auch die zugelassene Werbung ausgeblendet wird. Es entsteht also kein allgemein anzunehmender Vor- oder Nachteil durch das Whitelisting. Hinzu kommt, so die Richter, dass auch kleinere und mittlere Unternehmen ohne Umsatzbeteiligung durch Eyeo am Whitelisting beteiligt werden. Mit ähnlichen Klagen waren vor dem Oberlandesgericht München Bereits Pro Sieben Sat.1, RTL und die Süddeutsche gescheitert. Dass die Axel Springer GmbH vor dem Verfassungsgericht mehr Glück haben wird, darf bezweifelt werden.

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2 Kommentare
Benjamin Krämer

Hallo Weltläufer! In der Tat standen gerade gewisse Online-Zeitungen schon mehrfach in der Kritik aufgrund ihrer Anzeigenwahl in Größe, Aufdringlichkeit und Inhalt. Sicherlich möchte nicht jeder Werbung von zwielichtigen Online-Spielen oder dem neuen Durchbruch bei Potenzmitteln in Asien sehen - aber wenn der Gerichtsbeschluss vom Bundesverfassungsgericht nicht widerrufen wird, sollte ja auch weiterhin rechtlich nichts dagegen sprechen, Anzeigen per Adblocker auszublenden.

Weltlaeufer

Ich gehe davon aus, dass viele Nutzer von Adblockern diesen Aufwand nur betreiben, da vollseitige Werbeanzeigen und 30-sekundige Videos, die ohne Ende Zeit und Datenvolumen kosten. Wenn Axel Springer sich auf NICHT-nervige Anzeigen beschränkt, deaktiviere ich Adblock.