Bundesweiter Datenschutz

Startschuss für Volksverschlüsselung: Schutz vor Massenüberwachung

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

In Zusammenarbeit mit der Telekom hat das Fraunhofer SIT eine Technologie entwickelt, die die breite Bevölkerung durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor Massenüberwachung schützen soll. Seit gestern kann die entsprechende Software heruntergeladen werden, jedoch sind nicht alle mit dem Konzept zufrieden.

"Kopf in den Sand stecken und denken ,meine Mails interessieren doch eh niemanden‘ macht Nutzer zum Spielball. Wir wollen dagegen den digital mündigen Bürger", erklärte Thomas Kremer, Datenschutzvorstand der Telekom zum offiziellen Startschuss des Projekts in Berlin.

Durch die Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT und der Deutschen Telekom ist eine Software entstanden, die für alle frei zugänglich ist und kostenlos heruntergeladen werden kann. Das Programm erstellt automatisch kryptografische Schlüssel, die dafür sorgen sollen, dass die Kommunikation der User Privatsache bleibt.

Voraussetzung für die Nutzung der Volksverschlüsselungs-Software ist neben der Installation auch eine elektronische Identifikation nötig, die zum aktuellen Zeitpunkt mit dem neuen Personalausweis möglich ist – sofern der Chip aktiviert wurde – über einen Telekom Login oder durch persönliche Registrierung auf Fraunhofer-Veranstaltungen.

Kritiker sind schnell gefunden

Diverse Medien bemängeln in diesem Zusammenhang, dass es viel zu wenige Personen gebe, die über den neuen Ausweis verfügen, geschweige denn Telekom-Kunden seien. Jedoch weist das Fraunhofer selbst daraufhin, dass die Registrierung in weiteren Schritten zeitnah vereinfacht werden soll – so könnten sich Interessierte in Zukunft in jedem Telekom-Shop ausweisen und registrieren.

Zudem soll die Software auf allen Betriebssystemen laufen: "Aktuell können Windows-Nutzer über E-Mail-Programme wie Outlook oder Thunderbird verschlüsselt per E-Mail kommunizieren. In weiteren Schritten sind Versionen für Mac OS X, Linux, iOS und Android geplant", heißt es in der Pressemitteilung.

Gescheiterter Vorgänger: Die DE-Mail

Die sich häufende Kritik, die bereits in den ersten 24 Stunden nach dem Start aufkam, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass bereits ein Vorgängerprojek -, die DE-Mail - nicht besonders erfolgreich verlief. Dazu gedacht, die zahlreichen bürokratischen Dokumente, welche in Papierform täglich in Deutschland versendet werden, überflüssig zu machen, versackte das 2012 gestartete Vorhaben im Sande.

Spätestens als die Telekom mit einem 40 Euro Gutschein von Amazon für eine Registrierung einer DE-Mail-Adresse warb, war offensichtlich, in welch geringem Ausmaß die Bundesbürgerinnen und Bürger bis dato Gebrauch von dem E-Mail-Service gemacht haben. Häufig wurde die Technologie hinter dem System zudem als unsicher kritisiert. Das schuf nachvollziehbarerweise die Grundlage für Skepsis.

Aktive Verbesserung und Teilnahme statt simpler Vorverurteilung

Sollte man neue Angebote kritisch hinterfragen? Auf jeden Fall, denn nur so kann das Projekt verbessert werden. Im Falle der Volksverschlüsselung heißt es direkt auf der entsprechenden Startseite: "Hauptziel der Volksverschlüsselung ist es deshalb, die Benutzerfreundlichkeit von Verschlüsselungstechnik zu verbessern. Um dies zu erreichen, sucht die Initiative Unterstützer aus Wirtschaft, Forschung und Politik, die sich aktiv beteiligen möchten."

Im Rahmen des Constructive Journalism, steht es also jedem frei, zu einer Verbesserung aktiv beizutragen oder auch einfach mal etwas Geduld mitzubringen, bevor eine Sache, die letztendlich allen zugutekommen soll, pauschal in der Luft zerrissen wird. Denn dass nicht jeder Bürger in der Lage ist, IT-sicherheitstechnisch selbst vorzusorgen, ist ein offenes Geheimnis.

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