Internet vs. Kino

Steven Spielberg will Netflix-Produktionen von Oscars ausschließen [Update]

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von Benjamin Krämer -

Schon lange schwelt in der Filmindustrie ein Streit zwischen Streaminganbietern wie Netflix und den Kinoverbänden. Beide sehen sich als Konkurrenz und was zu Beginn noch Naserümpfen war, ist mittlerweile ein offener Konflikt. Der neueste Beitrag zu dem Thema stammt aus Cannes: Netflix-Produktionen sollen ausgeschlossen werden. Steven Spielberg fordert sogar noch mehr.

Die Filmfestspiele von Cannes sind eines der wichtigsten und prestigeträchtigsten Filmfestivals der Welt. Aus diesem Grund wollte auch Netflix seine Filme gerne dort weiter ins Rennen schicken, nachdem im vergangenen Jahr bereits die Eigenproduktionen 'Okja' und 'The Meyerowitz Stories' dort angelaufen waren. Allerdings gab es dagegen massiven Protest, besonders von französischen Filmschaffenden, weil Netflix seine Produktionen nicht in die Kinos bringen wollte.

Jetzt wird ein breiter Kinostart zur Voraussetzung gemacht, um für die goldene Palme nominiert und in Cannes gezeigt werden zu können. Netflix wird also de facto ausgeschlossen. Regie-Legende Steven Spielberg findet das gut und schlägt im gleichen Atemzug vor, auch einen Ausschluss bei den Oscars durchzusetzen. Der Film 'Mudbound' des Streaming-Giganten hatte es dort im abgelaufenen Jahr auf vier Nominierungen gebracht.

Spielberg: Oscars nur für Kinofilme

Netflix am Flughafen

Netflix und Kino verstehen sich nach wie vor nicht. Darum bleibt's dabei: Netflix gibt es zuhause oder unterwegs, aber nicht an der französischen Mittelmeerküste.  

Quelle:  Netflix-Mediencenter Lizenz: CC BY

Netflix am Flughafen

Netflix und Kino verstehen sich nach wie vor nicht. Darum bleibt's dabei: Netflix gibt es zuhause oder unterwegs, aber nicht an der französischen Mittelmeerküste.  

Quelle:  Netflix-Mediencenter Lizenz: CC BY

Die Geschichte von Mudbound ist aber kontroverser, als die vier Nominierungen (unter anderem wurde mit Rachel Morrison zum ersten Mal eine Kamerafrau nominiert) vermuten lassen: Um überhaupt im Oscar-Rennen mitmachen zu dürfen, zeigte Netflix den Film in je einem Kino in Los Angeles und New York - für genau sieben Tage. Damit erfüllte man auf den Punkt genau die Voraussetzungen für eine Teilnahme im Wettbewerb.

Steven Spielberg ärgerte sich jetzt in einem Interview über diese "Mogelei", denn für ihn sind Netflix-Filme fürs Fernsehen konzipiert und produziert. Dafür gebe es einen Fernsehpreis, die Emmys. Die Oscars wiederum seien für reine Kinofilme gedacht und Streaming-Anbieter sollten sich dort nicht hineinschummeln dürfen. Er betont ebenfalls, dass das "neue Fernsehen" - also auch Netflix - eine große Gefahr für das klassische Kino sei, dies aber auch mit der hohen Qualität ihres Angebots begründet werden muss.

+++ (Update 12.04.2018) +++

Netflix zieht sich komplett aus Cannes zurück - beinahe

Mittlerweile ist erneut Bewegung in den Streit gekommen: Die Verbannung der Filme des Streaming-Dienstes hat die Netflix-Bosse offenbar nachhaltig verstimmt. So kündigte Chief Content Officer Ted Sarandos jetzt an, dass man gar nicht auf den Filmfestspielen vertreten sein werde. Es reisen also keine Netflix-Mitarbeiter nach Frankreich, es wird keine Stände geben und auch sonst wird man den roten Schriftzug nirgendwo finden. Die Organisatoren von Cannes hatten noch versucht, den Streit beizulegen, indem man Netflix anbot, die Filme außer Konkurrenz zu zeigen.

Doch diesem Kompromiss erteilte Sarandos eine Absage: "Wenn wir diesen Weg gehen würden, bestünde die Gefahr, dass unsere Filme und Filmemacher respektlos auf dem Festival behandelt werden könnten. [...] Ich denke nicht, dass es gut für uns wäre, dort anwesend zu sein". Eine kleine Einschränkung des Boykotts schob er aber dennoch hinterher: "Einige unserer Angestellten, die in Film-Akquise tätig sind, werden vor Ort sein, da viele Film dort gezeigt werden, die noch keinen Vertrieb haben."

+++ (Ende Update 12.04.2018) +++

Hier ist das Interview mit Spielberg in voller Länge zum Nachsehen:

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