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YouTube CEO zeichnet düsteres Bild der Zukunft

Stolpert YouTube über das Urheberrecht? "Unsinn", sagt die EU

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Die EU-Richtlinien zum Urheberrecht erhitzen die Gemüter. Erst vor kurzem rief Susan Wojcicki, CEO von YouTube, unter #SafeYourInternet zum Protest gegen die neue Reform auf. Die EU-Kommission sieht sich missverstanden und wies die Vorwürfe zurück.

Spätestens seit den Richtlinienbeschlüssen des europäischen Parlaments zur neuen Urheberrechtsreform diskutiert das Internet über die Folgen dieser Entscheidung. Streitpunkte der Öffentlichkeit sind hier unter anderem die Verfahren zum Schutz des Urheberrechts (Upload-Filter), die Plattformen wie YouTube, Facebook oder Twitter implementieren sollen, damit Urheberrechtsverstöße bereits vor dem Upload erkannt und gar nicht erst veröffentlicht werden.

In den vergangenen Tagen wurde vor allem die Videoplattform YouTube mit Videos, Kommentaren und Diskussionen unter dem Aufruf #SaveYourInternet geflutet, die den Grundtenor "Rettet das Internet und rettet YouTube, so wie wir es kennen" anschlagen. Ein Auslöser für diese plötzliche Welle an Aufklärungsvideos war ein offener Protestaufruf der YouTube CEO Susan Wojcicki Ende Oktober, die sich mit deutlichen Worten an die Community richtete.

CEO zeichnet düsteres Bild vom YouTube der Zukunft

Aus ihrer Sicht stellt die geplante EU-Richtlinie und ganz speziell Artikel 13 eine erhebliche Gefährdung dar, und das nicht nur für die Videoplattform, sondern für "das Internet, wie wir es heute kennen". Denn vor allem der heiß diskutierte Artikel 13 könnte zur Folge haben, dass Plattformen für Urheberrechtsverletzungen und Verstöße massenweise in Haftung genommen werden, sprich: Wenn Person A auf dem privaten YouTube-Account ein Tutorial hochlädt und dies mit einem Chart-Song hinterlegt, könnte Künstler B YouTube auf Schadensersatz verklagen. Kein guter Deal für Plattformbereitsteller wie YouTube, weshalb die CEO ein Szenario in Aussicht stellt, in dem kleine Kanäle sowie bekannte YouTuber schlichtweg von der Bildfläche verschwinden würden.

Der Vorschlag könnte Plattformen wie YouTube dazu zwingen, nur eine kleine Anzahl von Inhalten großer Unternehmen zuzulassen. Es wäre schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren [...]

Susan Wojcicki | GoogleWatchBlog

Sobald hinter einem YouTuber also kein großes Medienunternehmen stünde, könnten diese demnach zukünftig keine Inhalte mehr veröffentlichen - der organisatorische Aufwand wäre einfach zu groß, die Fülle an täglich neu produziertem Content rechtssicher zu filtern. Die wenigen Kanäle, die noch übrig bleiben würden, wären die von großen Sendeformanten, die das Urheberrecht professionell beachten würden. Meinungsfreiheit und kreativer Content von Privatpersonen würden dann keine Plattform mehr vorfinden.

In ihrem Aufruf spricht sie deshalb gezielt Zuschauer und YouTuber an, sich genauestens mit dieser Problematik zu befassen und "umgehend zu handeln". Mit dem Hashtag 'SaveYourInternet' sollen YouTuber nun aufklären und auf die Auswirkungen der Gesetzgebung hinweisen.

EU weist die Vorwürfe als "Unsinn" zurück

Spätestens seit diesem Aufruf wird viel diskutiert und zahlreiche Content-Creators sprangen auf die Welle der Entrüstung auf, die Wojcicki entfesselte. "Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt" ist beispielsweise ein oft geklicktes Video vom YouTube-Kanal 'Wissenswert', das sich dem Thema widmet.

Nun wies die EU-Kommission allerdings die Vorwürfe der YouTube-CEO deutlich zurück und übte Kritik an dieser Art der Stimmungsmache. Ein Sprecher der EU sprach schlichtweg von "Unsinn" und von Behauptungen, die nicht der Sache dienlich seien. Der Gesetzesentwurf ziele nicht auf kleinere YouTuber, Nutzer oder andere Plattformen ab: "Sie werden weiterhin in der Lage sein, das zu tun, was sie heute tun, etwa Anleitungen oder andere kreative Inhalte hochladen." In der Sache gehe es vor allem darum, den Rechteinhabern mehr Möglichkeiten einzuräumen und die großen Plattformen (kleinere Seiten und Plattformen sollen von dieser Änderung überhaupt nicht betroffen sein) in die Verantwortung zu nehmen.

Zwar ruderten die Verantwortlichen von YouTube zurück, in dem sie die Urheberrechtsreform grundsätzlich unterstützen würden. Doch die Sorge vor "ungewollten Nebenwirkungen" bleibt bestehen. Wie die Umsetzung letztendlich im Detail aussehen soll, darüber hat die EU selbst noch keine finale Antwort gefunden.

Der YouTube-Kanal 'MrWissen2go' hat sich dem Thema ebenfalls angenommen und veranschaulicht die Problematik - im Gegensatz zur breiten Welle der Empörung – sachlich und für unsere Begriffe durchaus nachvollziehbar.

Quelle: googlewatchblog.de

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