Opfer stirbt nach Notruflüge

Swatting – gefährlicher Notruf-Prank und die tödlichen Folgen

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

In den USA hat sich zwischen den Jahren ein tragischer Unfall nach einem Streit zwischen zwei konkurrierenden Online-Gamern ereignet, bei dem das Opfer zur Zielscheibe eines 'Swatting'-Anrufs wurde. Einmal mehr wird klar, dass diese Form des Telefonstreichs alles andere als lustig und schon gar nicht harmlos ist.

Telefonstreiche sind so alt wie das Telefon selbst. Viel zu einfach ist es, die Stimme zu verstellen wenn man bei Verwandten oder Bekannten anruft, nur um kurz danach lachend die Fassade fallen zu lassen – alles harmlos, ein kleiner Streich von Heranwachsenden.

Im Gegensatz zum herkömmlichen Spaßanruf ist das sogenannte Swatting jedoch alles andere als ein harmloser Spaß junger Heranwachsender – mit zum Teil schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen. Zwischen den Jahren forderte nun die Vortäuschung eines Notfallanrufs bei der Polizei den Tod eines jungen Familienvaters in den USA, wie eine lokale Zeitung aus Wichita berichtet. Was demnach zunächst als harmloses Online-Match zwischen zwei Call-of-Duty-Spielern begann, endete in einer Tragödie für alle Beteiligten.

Swatting-Opfer wurde aufgrund falscher Hinweise erschossen

Berichten zufolge sollen zwei Spieler um eine Geldwette von rund 2 US-Dollar in Streit geraten sein, bis die Drohungen eskalierten und sich beide gegenseitig Swatting androhten. Kurz darauf ging ein Anruf bei der örtlichen Weiterleitung des Notrufs ein, wo ein junger Mann von einem Streit zwischen seinen Eltern und einer weiteren Person berichtete. Diese weitere Person soll nach Angaben des Anrufers seinen Vater erschossen und die verbliebenen Bewohner nun als Geiseln halten.

Das perfide daran: Dieser Vorfall ereignete sich so niemals, sondern hatte alleine den Zweck, die Polizei in das Haus des Online-Konkurrenten zu schicken. In einer Stellungnahme gaben die verantwortlichen Behörden an, auf eine Geiselnahme eingestellt gewesen zu sein, weshalb die Beamten besonders aggressiv vorgingen. Obwohl die Behörden im Nachhinein keine Gefahr vor Ort feststellten, wurde das Opfer von einem Polizisten niedergeschossen.

Sowohl die beteiligten Opfer als auch der zurzeit freigestellte Polizist müssen nun mit den Folgen leben, die durch den mutmaßlichen Täter entstanden sind. Dem aktuellen Stand nach beauftrage der eigentliche Verursacher allerdings einen dritten, unbeteiligten als 'Swatter', der diese Form der Anrufe häufiger tätigt und dafür auch Geld verlangt. So nahm das Unglück seinen Lauf.

Swatting: Böswilliger Online-Trend trifft nicht selten die Streaming-Community

Aus dem Begriff Swatting lässt sich bereits die Form dieses Anrufs ableiten, denn SWAT-Teams sind Spezialeinheiten der US-amerikanischen Polizeibehörden, die – ähnlich wie das deutsche SEK – durch ihre besondere Ausbildung vor allem bei riskanten Einsätzen gerufen werden.

In den USA hat sich diese Form des vermeintlichen Spaßanrufs vor allem zu einer Art Sport in der Gaming-Szene entwickelt, in denen – mal mehr, mal weniger bekannte – Online-Gamer, Let's-Player oder Twitch-Channel-Betreiber zum Ziel geworden sind.

Die Gründe dafür sind vielfältig, doch neben dem Risiko und dem Schock für das Opfer sind Streamer besonders gefährdet: Sie streamen ihre Matches live und nicht selten kommt es vor, dass Zwischenfälle durch eingreifende Polizeieinheiten direkt live von der Community mitverfolgt werden können. Die Ziele sitzen in ihren Gaming-Stühlen quasi als Zielscheibe vor dem eigenen Monitor, wie zahlreiche Clips auf Plattformen wie YouTube zeigen.

Dass die Opfer dadurch großen Risiken ausgesetzt werden und es im schlimmsten Fall auch zu tödlichen Missverständnissen führen kann, zeigt der Fall von Wichita. Doch auch ohne Todesfolge bekommen die Opfer nicht selten den Schreck ihres Lebens, wenn bewaffnete Polizisten die Wohnungen stürmen oder Feuerwehrleute Türen aufstemmen, weil der Verdacht auf einen Brand besteht.

Auch deutsche Streamer sind schon zur Zielscheibe von Swatting geworden – dieses Phänomen lässt sich also nicht ausschließlich auf die USA beziehen. Neben den entstandenen Kosten müssen Täter auch mit Freiheitsstrafen rechnen.

Sag uns deine Meinung!