Experiment mit 22.000 Kunden

Tausend Stunden Tiere knuddeln - WLAN-Anbieter trollt Kunden

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

22.000 Kunden des britischen WLAN-Dienstleisters 'Purple' haben sich kürzlich unwissentlich zu je 1.000 Stunden gemeinnütziger Arbeit verpflichtet. Zu den Aufgaben zählte unter anderem das Schrubben von öffentlichen Toiletten und das Knuddeln streunender Hunde und Katzen. Angetreten hat den Dienst aber - vermutlich - niemand.

Kostenloses WLAN an öffentlichen Plätzen wie Cafés, Flughäfen oder Freizeitparks ist eine feine Sache. So umgeht man schließlich elegant Funklöcher, hat meist eine respektable Bandbreite und spart Datenvolumen. Noch den obligatorischen Datenschutz- und Nutzungsbedingungen zustimmen und los geht's - "wird schon alles mit rechten Dingen zugehen", denkt man sich und schenkt sich das mühselige Durchlesen des Kleingedruckten. 22.000 Nutzer des britischen WLAN-Dienstes 'Purple' haben kürzlich genau das getan - und sich prompt für 1.000 Stunden gemeinnütziger Arbeit verpflichtet.

"WLAN-Nutzer müssen die Nutzungsbedingungen lesen..."

Gavin Wheeldon, CEO Purple

Zumindest, wenn man die AGB, die zur Nutzung des WLAN akzeptiert werden mussten, wörtlich nimmt. Darin waren allerhand Tätigkeiten aufgelistet, zu denen sich der Nutzer ganze 1.000 Stunden - bei einem 8-stündigen Arbeitstag immerhin ein halbes Jahr - quasi selbst verdonnert hatte.

Mit dabei unter anderem das Reinigen von öffentlichen Toiletten, das Wegräumen von Hundehaufen, das Anmalen von Schneckenhäuschen oder das Knuddeln von wilden Katzen und Hunden. Nur ein einziger der 22.000 Nutzer habe sich im fraglichen Zeitraum über den seltsamen Deal gewundert und den Provider kontaktiert, heißt es auf der Purple-Webseite.

Skandal: Tiere müssen doch nicht geknuddelt werden

Angetreten hat die "Strafe" letztlich niemand, laut eigenen Aussagen wollte Purple mit der Aktion nur die Aufmerksamkeit der Nutzer schärfen: "WLAN-Nutzer müssen die Nutzungsbedingungen lesen, wenn sie sich in einem Netzwerk anmelden", betont Purple-Chef Gavin Wheeldon. Das Experiment zeige, dass es viel zu leicht sei, sich mit dem leichtfertigem Akzeptieren von Datenrichtlinien in unfaire Situationen zu manövrieren.

Um es Purple-Nutzern ein bisschen einfacher zu machen, seien die eigenen Privatsphäre-Bestimmungen ab sofort nicht mehr 1.600, sondern nur noch 260 Wörter lang. Alles in allem also eine recht gelungene PR-Aktion, um auf ein neues, nützliches Feature aufmerksam zu machen. Für die streunenden Katzen und Hunde allerdings irgendwie schade, hätten die sich doch sicher gefreut, wenn man sie einmal so richtig lieb gehabt hätte. Ob sich anlässlich der Werbeaktion vielleicht doch der eine oder andere zu einem außerplanmäßigen Knuddler hat hinreißen lassen, ist bisher nicht bekannt.

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