Während auf Instagram die roten Herzchen fliegen

Teens sind lieber auf YouTube als auf Facebook unterwegs

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Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

In einer Umfrage des 'Pew Research Centers' nimmt die Gunst der Jugendlichen gegenüber Facebook zum Vergleich der vergangenen Jahre deutlich ab. Der Social-Media-Riese verliert die nachfolgenden Generationen und landet nur auf dem vierten Platz. Zum Glück kann Facebook auf andere Pferde setzen.

Jammern auf hohem Niveau oder doch eher der Warnschuss zur rechten Zeit, um sich weitreichenden Veränderungen zu unterziehen? Während Facebook für einen Großteil der Welt immer noch einen wichtigen Raum für soziale Kontakte darstellt und gleichzeitig Marken, Künstlern und Medienformaten als mächtiger Informationsdienstleister dient, wenden mehr und mehr amerikanische Jugendliche dem Social-Media-Riesen den Rücken zu. Zu diesem Schluss kam die gemeinnützige Organisation des 'Pew Research Centers', unter dessen Leitung eine Umfrage unter 743 US-Jugendlichen zwischen 13-17 Jahren durchgeführt wurde.

95 % der amerikanischen Jugendlichen besitzen oder haben Zugang zu einem Smartphone.

Im Kern drehte sich die Umfrage um die Nutzung sozialer Medien unter Jugendlichen im Allgemeinen – mit teils absehbaren Entwicklungen, die sich schon in den Jahren zuvor abgezeichnet hatten. Im Gegensatz zur letzten Befragung, die 'Pew' Anfang 2015 durchführte, stellt Facebook nicht mehr das dominierende Netzwerk, sondern liegt mit 51% lediglich auf dem vierten Platz. Ganz im Gegensatz zum Videoportal YouTube, auf dem sich zahlreiche Influencer tummeln und von dem rund 85 % der Befragten angaben, dass sie die Google-Tochter nutzen. Mit etwas Abstand folgen dann die bildgewaltigen Plattformen Instagram (72 %) und Snapchat (69 %), die Facebook in Sachen Zuneigung deutlich übertreffen.

Facebook ist alles und doch irgendwie nichts richtig

Diagramm der sozialen Medien von Pew Research

Lag Facebook im amerikanischen Vergleich 2015 noch auf Platz 1, muss sich der Social-Media-Riese dieses Jahr hinter Snapchat, Instagram und YouTube mit dem vierten Rang begnügen. Jugendliche kehren dem Netzwerk mehr und mehr den Rücken zu.  

Quelle: (Screenshot)  pewinternet.org 

Diagramm der sozialen Medien von Pew Research

Lag Facebook im amerikanischen Vergleich 2015 noch auf Platz 1, muss sich der Social-Media-Riese dieses Jahr hinter Snapchat, Instagram und YouTube mit dem vierten Rang begnügen. Jugendliche kehren dem Netzwerk mehr und mehr den Rücken zu.  

Quelle: (Screenshot)  pewinternet.org 

Nur noch die Hälfte der Kids ist demnach bei Facebook angemeldet. Deutlicher hätte das Urteil nicht ausfallen können, dessen Gründe vielfältig scheinen. Ob es nun die anhaltenden Skandale rund um das Thema Datenschutz oder Änderungen am News-Feed sind, oder doch eher, dass die ältere Generation Gefallen am sozialen Netzwerk gefunden hat und den Kids somit die Grundlage für ihre ungestörte Selbstinszenierung nimmt? Der weiße Daumen wird jedenfalls schon seit geraumer Zeit durch rote Herzen und 'Snaps' abgelöst – überraschend kommt diese Entwicklung wahrlich nicht.

Facebook sieht sich einer Zeit gegenüber, in der rund 95 % der amerikanischen Jugendlichen ein Smartphone besitzen oder Zugang zu einem haben und 45 % davon "konstant online" sind - auch dies geht aus der Studie hervor. Eigentlich kein Nachteil, wäre da nicht der deutliche Anstieg an Alternativen: Während mit WhatsApp und Snapchat Nachrichten verschickt werden, kommen Bilder vor allem auf Instagram gut zur Geltung, und Videos schaut man eben bei YouTube. Facebook ist irgendwie alles und macht doch irgendwie nichts konsequent, außer die Optimierung des News-Feeds. Harsch, das mag sein – doch woran liegt es sonst, dass vor allem Kids mit dem sozialen Netzwerk weniger anfangen können, als noch 3 Jahre zuvor?

Der Dienst hat seine Leichtigkeit verloren, sein Community- und Gemeinschaftsgefühl - den Puls der Zeit, wie der demographische Wandel der Plattform zeigt [siehe: Meedia.com – Facebook wird zum Seniorentreff].

Während das verhältnismäßig junge Instagram von Herzchen und weitestgehend positiven Kommentaren geflutet wird, muss sich Facebook Fake-News- sowie Datenschutzvorwürfen, dem Troll-Problem und der Kommentarspaltenhetze stellen. Instagram und Co. sind nicht von Problemen und Kritik befreit, wirken in der öffentlichen Darstellung allerdings befreiter und versprühen gerade unter Jugendlichen den Charme unter sich zu sein.

Instagram als Faustpfand und wachsende Märkte in anderen Bereichen

Es ist klar, dass sich das Umfeld der sozialen Medien heute weniger um eine einzige Plattform dreht als vor drei Jahren.

pewinternet.org

Kritisch zu beurteilen ist jedoch (wie immer) auch die Umfrage selbst, die YouTube zum ersten Mal in den Kreis der Befragung aufnahm. Es lässt sich deshalb nicht absehen, wie die früheren Umfragen ausgefallen wären. Zudem bestehen Zweifel, ob das Videoportal als eher konsumierendes Medium in einer Reihe mit Snapchat, Facebook und Instagram gesehen werden kann, die deutlich mehr auf die eigene soziale Interaktion setzen. Ebenfalls über die Kante gesprungen sind Messenger wie WhatsApp und iMessage (das vor allem in den USA durchaus beliebt ist), die unter anderem gegen Dienste wie Snapchat konkurrieren könnten. Ein vollständiges Bild lässt diese Pew-Umfrage also für unsere Begriffe nicht zu.

Facebook selbst muss nun entscheiden, ob es aus dieser absehbaren Entwicklung seine Konsequenzen zieht. Schlaflose Nächte wird es Zuckerberg und Co. jedoch eher nicht machen – wächst das Social-Network (vor allem in Entwicklungsländern) doch eher und hat mit Instagram als Tochter das beliebtere Netzwerk ja selbst in den eigenen Reihen. Dennoch sollten die Alarmglocken klingeln, denn die nächste Generation fragt vielleicht bald: "Was wolltet ihr damals eigentlich alle auf Facebook?"

Quelle: pewinternet.org

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