Kakerlaken oder nicht?

Topf Secret: Wie sauber ist der Imbiss um die Ecke? [Update]

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mit 'Topf Secret' ist heute ein neues Online-Portal an den Start gegangen, das für mehr Transparenz in der deutschen Lebensmittel- und Restaurant-Landschaft sorgen soll. Ansonsten nur schwer zugängliche Hygieneberichte sollen dort für jedermann abrufbar sein und dann öffentlich gemacht werden. Wir haben es mal durchgespielt - ohne Erfolg.

+++ Update (13.03.2019) +++

Etwa anderthalb Monate sind vergangen, seitdem wir vom Landkreis die Nachricht erhalten haben, dass unsere Anfrage nach einem Hygienebericht postalisch weiterverarbeitet wird. Der Brief, der gestern in unserem Briefkasten landete, entpuppt sich aber leider als ziemliche Enttäuschung. Das hat im Wesentlichen drei Gründe:

1. Die in der ursprünglichen Anfrage gestellte Berufung auf Art. 21 DSGVO, nach dem eine Weitergabe der persönlichen Daten des Antragstellers (wir) an Dritte (den Betrieb), widersprochen wird, ist rechtlich offenbar nicht haltbar. Das schreibt der Landkreis in der zweiseitigen Mitteilung. Sofern der Betrieb die Herausgabe von Name und Anschrift verlangt, müssen diese demnach herausgegeben werden. Zwar hat Foodwatch inzwischen mit einer entsprechenden Formulierung in dem Vordruck des Antrags reagiert. Die Konsequenz daraus dürfte aber den wenigsten schmecken: Name und Anschrift des Antragstellers werden auf Anfrage bereitgestellt. Daraus folgt Grund Nummer 2:

2. Wie jeder weiß, gibt es im Leben ziemlich genau drei Personen, die man nicht verärgern sollte: Seinen Zahnarzt, seinen Friseur (okay, das entfällt bei mir) und diejenige Person, die einem das Essen macht. Gerade abseits von großen Städten, wo jeder jeden kennt, wird es niemandem gefallen, im Restaurant um die Ecke auf einer Abschussliste zu stehen. Die meisten (uns auch) dürfte da der Appetit auf eine Weiterverarbeitung des Antrags vergehen.

3. Für unseren Landkreis war ein derartiger Antrag offenbar mit einigem Arbeitsaufwand verbunden. Anders lässt es sich kaum erklären, dass das Ende der Frist für die Einverständniserklärung zur Weitergabe unserer persönlichen Daten an den Lebensmittelbetrieb laut Schreiben am 02.03.2019 abgelaufen ist - erhalten haben wir den Brief aber erst am 12.03.2019. Das Ende vom Lied: Die Frist ist (logisch) abgelaufen, was die Behörde als Rücknahme unseres Antrags gewertet hat.

+++ Update Ende (13.03.2019) +++

+++ Update (29.01.2018) +++

Zwei Wochen nach unserer Anfrage bezüglich eines beliebten Lokals in unserer Stadt, haben wir nun - doch überraschend zügig - eine Nachricht von unserem Landkreis erhalten. Diese ist auf 'Topf Secret' für jeden Nutzer einsehbar, die persönlichen Informationen werden allerdings nur uns angezeigt. Im Bild seht ihr, wie die Mail aussieht.

Zwei Wochen nach unserer Anfrage hat der Landkreis reagiert. Alles Weitere wird auf dem Postweg kommuniziert.  

Quelle: (Screenshot)  Topf Secret 

Zwei Wochen nach unserer Anfrage hat der Landkreis reagiert. Alles Weitere wird auf dem Postweg kommuniziert.  

Quelle: (Screenshot)  Topf Secret 

Darin heißt es, dass unser Anliegen nun bearbeitet, alles Weitere allerdings über den Postweg abgewickelt wird. Die Frist ist nach wie vor auf den 16. Februar datiert - wir sind gespannt!

Insgesamt scheint die Abwicklung über Topf Secret recht zügig und unkompliziert abzulaufen, auch unser Landkreis hat flott reagiert. Dass die weitere Kommunikation per Post abgewickelt werden soll, macht zwar einen etwas umständlichen Eindruck. Den Postverkehr können wir aber auf Wunsch auf dem Portal hochladen, wie es in einer Infobox im persönlichen Bereich heißt.

+++ Update Ende (29.01.2018) +++

Originalmeldung:

Jeder war schon mal in einer speckigen Bratwurstbude oder einem heruntergekommenen Imbiss - oder isst dort, wie ich, sogar regelmäßig. Und auch wenn es einem nach der Mahlzeit nie wirklich schlecht geht, fragt man sich doch hin und wieder: Wie es bei denen wohl in der Küche aussieht? Wie oft wäscht sich der Koch wohl die Hände? Zwei der Fragen, denen Lebensmittelkontrolleure regelmäßig auf den Grund gehen. Die Ergebnisse veröffentlichen die Behörden jedoch nicht, nur mit viel Aufwand kann der Verbraucher sie bei der zuständigen Behörde beantragen. Diesen Vorgang wollen 'Foodwatch' und die Transparenz-Initiative 'FragDenStaat' jetzt mit ihrem neuen Portal 'Topf Secret' vereinfachen.

Topf Secret soll Hygieneberichte öffentlich machen

Das Prinzip hinter der heute Morgen an den Start gegangenen Webseite ist simpel: Restaurant oder Lebensmittelbetrieb auf der Straßenkarte auf foodwatch.org auswählen, Kontakt und Anschrift angeben sowie Postadresse hinterlegen. Die Initiatoren verschicken dann eine vorformulierte, rechtssichere E-Mail an die zuständige Behörde. Der Aufwand für den Verbraucher ist also weitaus geringer, die Hemmschwelle einfach mal nachzuhaken, sinkt.

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Laut den Organisatoren sind die Behörden gemäß dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) verpflichtet eine Auskunft zu erteilen. Bis tatsächlich eine Antwort kommt, könne es allerdings einige Wochen dauern. Liegt sie vor, kann sie auf das Portal hochgeladen werden, damit sie für jeden einsehbar wird. Wir haben das probehalber für eines unserer Stammlokale durchexerziert und sind gespannt, wann (beziehungsweise ob) uns der Bericht erreicht.

Die Idee der beiden Organisationen klingt sinnvoll, auch andere europäische Staaten gehen in dieser Hinsicht transparenter vor. Dänemark zum Beispiel kommuniziert die Ergebnisse offen und verteilt sogar Aufkleber mit Hygiene-Smileys. Auch Restaurantbetreiber können damit werben: Ein lächelnder Smiley an der Eingangstür ist ein Qualitätsversprechen.

Online-Pranger? Neues Portal kann Schaden anrichten

Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle allerdings, dass Online-Pranger wie Topf Secret eben auch Schattenseiten haben. Die Hygieneanforderungen an die Gastronomie in Deutschland sind relativ streng und schwere Mängel haben schon jetzt unmittelbare Konsequenzen: Genügt das Lokal den Anforderungen nicht, wird es schlimmstenfalls sofort geschlossen. Anders formuliert: Auch ohne Topf Secret dürfte es schwierig werden, sich in einem Lokal in diesem Land zu vergiften.

Hygienekontrollen finden in der Regel zudem unangekündigt statt. So unangenehm das gerade im Bereich Gastro klingen mag: Jeder hat mal einen schlechten Tag, auch wenn ansonsten makellos gearbeitet wird. Wird ausgerechnet dieser Bericht online an die große Glocke gehängt, könnte das für mehr Schaden sorgen, als angemessen wäre.

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