Fragwürdige Offenheit

Transparenz erst nach der Wahl: Facebook will Daten zu US-Wahl 2016 freigeben

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von Benjamin Krämer -

Mit der US-Wahl 2016 ging der Datenzirkus für Facebook erst so richtig los. Wählermanipulation, Trolle und Werbeanzeigen aus dem Kreml und Social Media Diffamierung von Hillary Clinton - alles Quatsch, sagte Zuckerberg damals, gar 'lächerlich' sei das, nur um später zuzugeben, dass es doch so gewesen sei. Nun will Facebook weitere Daten zur Wahl freigeben: Nach der nächsten Wahl.

Die Manipulation von US-Wählern durch fragwürdige Social Media Methoden brachte Facebook 2016 beinahe zum Stolpern. "Lächerlich" nannte Zuckerberg die Vorwürfe damals, nur um später einzuknicken und zuzugeben, dass die Verbreitung von Fake News durch sein Netzwerk tatsächlich vorangetrieben worden war. Im Jahr 2018 und drei Jahre später zeigt sich, wie viel an den damaligen Vorwürfen dran war: Cambrige Analytica klaute die Daten von 87 Millionen Profilen und benutzte sie, um Trump zum Wahlsieg zu verhelfen und Clinton schlecht aussehen zu lassen. Die Gelder dafür kamen offenbar aus Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml. Zuckerberg, der aktuell täglich in der Presse zu lesen und zu sehen ist, fallen immer neue Möglichkeiten ein, wie er panische Aktionäre und abwandernde Nutzer abfangen will. Jetzt soll eine Transparenzoffensive Abhilfe schaffen.

Facebook: Ein nützlicher Zug zur denkbar schlechtesten Zeit

Facebook veröffentlichte schon mehrfach einzelne Anzeigen, die man als Fake News identifiziert habe und präsentierte und löschte eine Reihe mit russischen Geldern finanzierte Beiträge, um zu zeigen, dass man etwas gegen demokratiefeindliche Vorgänge im weltgrößten Social Network unternehme. Nun wolle man eine ganze Reihe weiterer Daten zu ähnlichen Vorgängen offenlegen, versprach Zuckerberg, um ein ähnliches Desaster in Zukunft zu verhindern. Irritierenderweise will er das aber erst nach der nächsten US-Wahl tun. Für Wähler wäre es sicherlich praktischer, wenn sie in Echtzeit sehen könnten was a) an böswilligem und spalterischem Content auf Facebook zu finden ist, um es zu identifizieren und b) im Vorlauf der nächsten Wahl besser auf der Hut sein zu können. Doch Zuckerberg sperrt sich gegen ein solches sukzessives Veröffentlichen. Er wolle nur "korrekte Zahlen" veröffentlichen, die einen langwierigen internen Prozess durchlaufen haben - und das wird erst nach der Wahl der Fall sein. Wozu ist dieser Schritt dann wirklich gut?

Weil das alles ziemlich deprimierend ist, hier die humorvolle Erklärung des Datenskandals in unter drei Minuten von 'extra 3':

Quelle: theverge.com

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