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[Kommentar]

Treibt YouTube mit Absicht Keile zwischen die Gesellschaft?

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

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von Benjamin Krämer -

YouTube steht aktuell in der Kritik, nachdem ein Programmierer den Algorithmus offengelegt hat, mit dem Googles Videoplattform Inhalte sortiert. Demnach werden bewusst spalterische und sensationslüsterne Videos gefördert, indem sie prominenter dargestellt werden. Das ist beunruhigend und trägt zu der wachsenden Kritik an sozialen Medien bei - zu Recht!

YouTube ist für junge Menschen so etwas wie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender für ältere Semester. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Aufschrei groß ist, als ein Programmierer herausfindet, dass der Algorithmus, der die Videos sortiert, zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Ganz konkret konnte einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge herausgefunden werden, dass Videos die sensationslüstern, spalterisch oder extrem sind, prominenter platziert werden. Ein Beispiel, das vielen noch im Gedächtnis sein dürfte, ist Logan Pauls Video im Suicide Forest, in dem er sich mit lustigem Hütchen auf dem Kopf über die Leiche eines Selbstmörders lustig macht und sie auch noch filmt. Das Video wurde derart prominent platziert, dass es millionenfach geklickt wurde, bevor YouTube einschritt und es sperrte. Ähnlich verhält es sich mit Videos über extreme politische Ansichten wie jene von der AfD, die mit Extremaussagen locken.

YouTube ist kein öffentlich-rechtlicher Sender

Zwei junge Männer mit Mützen auf dem Kopf

Logan Paul filmte eine Leiche und machte sich über sie lustig. Vorfälle wie diese zeigen, dass YouTube sich nicht mit fadenscheinigen Argumenten aus der Affäre ziehen darf.  

Quelle: (Screenshot / Just Games)  YouTube.com 

Zwei junge Männer mit Mützen auf dem Kopf

Logan Paul filmte eine Leiche und machte sich über sie lustig. Vorfälle wie diese zeigen, dass YouTube sich nicht mit fadenscheinigen Argumenten aus der Affäre ziehen darf.  

Quelle: (Screenshot / Just Games)  YouTube.com 

Das Problem sind die Verkaufsstrategien von Social-Media-Plattformen: Wichtigste (laut Kritikern sogar einzige) Kenngröße ist das 'User Engagement', also die Bindung der Nutzer an die Inhalte und damit die Plattform. Man möchte sie möglichst lange im Netzwerk halten und der Algorithmus hat verstanden, dass das nicht über objektive, faktenbasierte Inhalte funktioniert, sondern über reißerischen Content, über den viel kommentiert (YouTube-Slang für 'gestritten') wird. Der Video-Dienst wehrt sich mit der Aussage, dass die User eben bestimmen würden, was sie sehen wollen. Die Süddeutsche Zeitung zitiert dazu treffend die Soziologin Zeynep Tufekci, die meint, dass sei als würde man Kindern in der Schulkantine nur noch Süßigkeiten geben, weil sie die eben am liebsten mögen. Krank macht es sie trotzdem.

Große Reichweite bringt große soziale Verantwortung mit sich

Wenn YouTube sich also darauf beruft, dass es sich um einen Entertainment-Anbieter handle, der keinen sozialen Auftrag unterliege wie beispielsweise Fernsehsender, dann greift das deutlich zu kurz. Man muss das Problem von der Symptomatik her erfassen und das bedeutet: YouTube scheint mit seiner Bewertung des Inhalts Streit und Missgunst zu fördern und süchtig zu machen, wie viele Ex-Mitarbeiter der Branche betonen.

Wenn wir eine heile Gesellschaft und Netzkultur aufrechterhalten und spalterischen Bewegungen wie den nationalistischen und 'post-faktischen' Rattenfängern entgegentreten wollen, können wir uns nicht einfach auf Gesetze und vergleichbare Regelungen im Rundfunk berufen, sondern müssen handeln. Kinder schauten bisher auch 'gerne' gruselige, von KIs geskriptete Nonsene-Videos, die YouTube nach einem Shitstorm löschen musste. Ein Ähnliches Einsehen wäre auch bei den Prioritäten des Algorithmus wünschenswert.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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