Unmissverständlich geht anders

Trotz deaktiviertem Standortverlauf: Google speichert dennoch Ortsdaten [Update]

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Google speichert den Aufenthaltsort, auch wenn der 'Standortverlauf' von Nutzern deaktiviert wurde. Möglich machen es die weiteren Google-Dienste, die über eine ganz andere Option ihre Berechtigungen beziehen. Die Praktik stößt auf breite Kritik.

Es könnte alles so einfach sein: Wir nutzen unsere Smartphones nach bestem Wissen und Gewissen, stellen den Google 'Standortverlauf' ein, wenn wir ihn benötigen (beispielsweise um auf Google Maps zurückzugreifen) und deaktivieren diese Option wieder, wenn wir sie nicht mehr benötigen. Kein allzu großer Wunsch - finden nicht nur wir, sondern so gut wie jeder Datenschutzbeauftragte, der sich um den Schutz personenbezogener Daten sorgt.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, hat Google anscheinend ein Problem mit Begriffen wie "einfach" und "nachvollziehbar". Denn der Suchmaschinenriese speichert Standortdaten auch dann noch, wenn wir den 'Standortverlauf' deaktivieren - es also unterbinden möchten, dass ein Tech-Unternehmen jederzeit den Aufenthaltsort speichert.

Kritik wird vor allem an den Praktiken geübt

Generell ist bekannt, dass Google Standortdaten auf einer Zeitachse ablegt, um diese für uns und für sich nachvollziehen zu können. Genügend Gründe sprechen sowohl dafür als auch dagegen, dass man dies zulässt - allerdings steht es jedem zunächst einmal offen, die Protokolldienste zu nutzen. Wer sich dagegen entscheidet, der sollte seinen Wunsch auch berücksichtigt wissen.

Google möchte so sehr wissen, wo du hingehst, dass es deine Bewegungen selbst dann aufzeichnet, wenn du es ausdrücklich untersagt hast.

Ryan Nakashima|apnews.com

Darüber hinaus speichert Google jedoch beispielsweise auch Standortschnipsel, die es mithilfe von Suchvorgängen im Browser und über andere Google-Dienste bezieht, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Das Ganze lässt sich zwar ebenfalls unterbinden, läuft dann allerdings unter der Bezeichnung 'Web- und App-Aktivitäten'.

Ist diese Funktion deaktiviert, werden nun auch Dienste wie Wetter-Apps daran gehindert, mithilfe von kleinsten Aktivitäten eine Nachverfolgung abzuspeichern. Diese mit Zeitstempeln verknüpften Daten ermöglichen Google ebenso die Lokalisation mithilfe von Standortpunkten in seiner Zeitleiste.

Kritik üben die Reporter von AP vor allem an der Praktik, Nutzer mit eigentlich unmissverständlichen Befehlen im Glauben zu lassen, eine Datenspeicherung zu unterbinden. Während sich an anderer Stelle weitere Optionen befinden, die man erst deaktivieren muss, um eine vollständige Nachverfolgung zu verhindern.

Googles Datenerfassung unter 'Meine Aktivitäten' regeln

Google antwortet auf die Vorwürfe im Gespräch mit 'The Verge' mit Unverständnis und verweist darauf, dass man Zweck und Nutzen der vorhandenen Dienste deutlich darlegen würde. Das Unternehmen erkläre seine Google-Produkte weitreichend und gebe seinen Nutzern alle Steuerelemente und Berechtigungen an die Hand, um Standortverläufe zu unterbinden sowie zu löschen.

Das Löschen von Standortdaten, die über 'Web- und App-Aktivitäten' erfasst und in der Zeitachse gespeichert werden, ist durchaus möglich. Allerdings kann man geteilter Meinung darüber sein, ob dieses Wissen wirklich so detailliert und unmissverständlich zur Verfügung gestellt wird, geschweige denn simpel umsetzbar ist.

Finden könnt ihr all dies unter 'Meine Aktivitäten'. Folg einfach dem Link, um einmal festzustellen, was ihr Google alles so anvertraut - ob bewusst oder unbewusst.

+++(Update 17.08.2018)+++

Zumindest auf der englischsprachigen Seite scheint die AP-Meldung über die Standortdatenspeicherung zu einem Umdenken bei Google geführt zu haben. Wie 'Associated Press' in einem Folgeartikel berichtet, hat der Suchmaschinenkonzern seine fehlerhafte und irreführende Beschreibung auf seiner 'Manage or delete your Location History'-Seite abgeändert und klargestellt, dass Benutzer weiterhin verfolgt werden - selbst, wenn sie den 'Standortverlauf' deaktiviert haben.

This setting does not affect other location services on your device, like Google Location Services and Find My Device. Some location data may be saved as part of your activity on other services, like Search and Maps.

support.google.com

Vor dieser Untersuchung schrieb Google dort: "Wenn Sie den Standortverlauf deaktivieren, werden die von Ihnen besuchten Orte nicht mehr gespeichert". Nach der Überarbeitung wird der Konzern deutlich konkreter und gibt nun an, dass sich die Einstellung nicht auf andere Ortungsdienste auf dem Gerät auswirkt.

Wirkte Google im Vorfeld dieser aufkommenden Diskussion zunächst noch uneinsichtig, indem sie eher mit Unverständnis darauf verwiesen, man würde Zweck und Nutzen der vorhandenen Dienste deutlich darlegen, rudert der Konzern mit dieser Überarbeitung nun deutlich zurück.

Auf der deutschsprachigen Seite sind zum Zeitpunkt des Updates bislang keine Veränderungen am Inhalt vorgenommen wurden. Es ist allerdings zu hoffen, dass auch Nutzer hierzulande mit den korrekten Informationen versorgt werden, um Klarheit zu schaffen.

+++(Update 17.08.2018)+++

+++ (Update 21.08.2018) +++

Zumindest in den USA könnte die Kritik an den undurchsichtigen Praktiken in Bezug auf die Standortdatenspeicherung nun offenbar juristische Konsequenzen für den Google-Konzern nach sich ziehen. Dies berichtet unter anderem die Tagesschau.

Dem Suchmaschinenkonzern werden in einer Klageschrift "Irreführung und Verletzung der Privatsphäre" vorgeworfen, weil Google trotz eines deaktivierten Standortverlaufs unter gewissen Umständen weiterhin Standortdaten speichert. Im Dokument wird Google beschuldigt, dass seine Dienste "heimlich überwachen" und dies durch App-Einstellungen somit auch Drittparteien ermöglicht. Die beauftragte Kanzlei strebt zudem eine Sammelklage an, um gegen die angeblichen Privatsphäreverletzungen vorzugehen.

Vorgelegt wurde die Klage am Bundesgericht in San Francisco von einer Kanzlei, die einen Klienten aus San Diego vertritt. Sowohl Google als auch die Kläger äußerten sich bislang nicht zu diesem Sachverhalt.

+++ (Update 21.08.2018) +++

(@deBeneke)
Das Problem wird auf die Nutzer abgewälzt

Unterm Strich muss man festhalten, dass Google sicherlich Mittel und Wege bereitstellt, um die Datenerfassung zu unterbinden. Allerdings versteht sich der Konzern ebenso darin, ein Verständnisproblem auf die Nutzer seiner Dienste abzuwälzen, anstatt die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Dienste unmissverständlich genutzt werden können.

Nutzer stehen ebenso in der Pflicht, sich über ihre Aktivitäten Gedanken zu machen und sicher einschätzen zu können, was man dem Konzern alles anvertrauen möchte - und welche Einschränkungen es zur Folge hat, wenn man das Meiste davon unterbindet. Allerdings darf dies in Zukunft auch deutlich leichter verständlich bzw. unmissverständlich geregelt sein.

Quellen: theverge.com, apnews.com

Hier erfährst du mehr über: Google und Datenschutz

Sag uns deine Meinung!
1 Kommentar
Daniel

Schlimmer finde ich eher das die Apps von Facebook, also die FB App selber, der Messenger und Instagram uns für Werbezwecke abhören, um uns personalisierte Werbung anzuzeigen und das obwohl das Mikro aus ist bzw die Mikrofonfunktion für die jeweilige App deaktiviert wurde. Am schlimmsten ist es aber bei Instagram.