In Spanien ist das schon einmal geschehen

Tschüss, EU: Macht Google News bei uns wegen Link-Steuer dicht?

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Ändert sich auf den letzten Metern nichts mehr am geplanten EU-Leistungsschutzrecht, könnte Google News in der gesamten EU vom Netz genommen werden - das deutete jetzt Googles Vizepräsident für News Richard Gingras an. Der Konzern hat das schon einmal getan: Als Spanien einen Vorläufer der geplanten 'Link-Steuer' einführte, hat der Konzern nicht lange gefackelt.

Wie sucht ihr eigentlich im Internet nach Nachrichten, wenn ihr euch auf den neuesten Stand zu einem bestimmten Thema bringen wollt? Vermutlich tippt ihr eure Suchanfrage in die Suchleiste bei Google ein oder ihr öffnet gleich Google News. Dort findet ihr dann zu eurer Anfrage passende Links zu News-Portalen inklusive kleiner Anreißertexte, über die ihr auf die entsprechenden Seiten weitergeleitet werdet. Komfortabel für euch und gut für die News-Seiten? Wenn ihr uns fragt: Ja, unbedingt.

Die EU sieht das aber anders. Denn die will im Zuge des sogenannten Leistungsschutzrechts (Artikel 11) eine Link-Steuer einführen, durch die Google jedes Mal zur Kasse gebeten wird, wenn ein solcher Link mit Anreißertext in den Ergebnissen erscheint. Kritiker werfen der EU-Kommission an dieser Stelle ein Einknicken gegenüber großen Verlagshäusern vor. Diese erhoffen sich dadurch schwindende Umsätze zu kompensieren. Das Problem: es funktioniert nicht. Erwiesenermaßen.

Wir würden nicht im Traum daran denken, von Google Geld dafür zu verlangen, wenn ihr über solche Anreißertexte auf unsere Seite gelangt - schließlich hilft das euch und uns. Große Medienhäuser treten aber genau dafür ein.

Quelle: (Screenshot / Netz.de)  Google News 

Wir würden nicht im Traum daran denken, von Google Geld dafür zu verlangen, wenn ihr über solche Anreißertexte auf unsere Seite gelangt - schließlich hilft das euch und uns. Große Medienhäuser treten aber genau dafür ein.  

Quelle: (Screenshot / Netz.de)  Google News 

Denn in Spanien ist Google News bereits vor ein paar Jahren wegen eines dort eingeführten strengen Leistungsschutzrechtes - ein Vorbild für die geplante EU-weite Link-Steuer - vom Netz genommen worden. Google hat nicht zahlen wollen und daher den Dienst eingestellt. Ergebnis: Der Traffic zu Nachrichtenseiten brach deutlich ein. Genützt hat das niemandem, am allerwenigsten den angeschlagenen spanischen Medien, und schon gar nicht Blogs und kleineren Nachrichtenseiten, die trotz aktueller und relevanter Nachrichten nun kaum noch gefunden werden - wer hätte das gedacht.

Google News: Nur Verlierer nach Abschaltung

Jetzt hat Richard Gingras, Googles Vizepräsident für News, Konsequenzen angedeutet, sollte das EU-weite Gesetz nicht auf den letzten Metern abgeändert werden: Genau wie damals in Spanien könnte Google News im Ernstfall in Europa vom Netz genommen werden. Immerhin beteuerte er jetzt gegenüber dem 'Guardian': "Wir würden nicht gerne sehen, dass das passiert." Dass Google den Dienst eher vom Netz nimmt, als für jeden Link in die Tasche zu greifen, gilt aber als unumstritten.

Zumal: "Es gibt keine Werbung in Google News. Für Google ist News kein Gewinn-generierendes Produkt", wie Gingras betont. Für Google wäre eine Abschaltung von News also zwar ein Verlust, aber sicherlich ein verschmerzbarer. Das geringere Übel, sozusagen. Der wahre Verlierer aber wäre die bis dato noch vielfältige Nachrichtenlandschaft in der EU - und somit der Leser.

Quelle: The Guardian

Sag uns deine Meinung!