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Ende einer Ära

Twitter verabschiedet sich von 140 Zeichen – Tweets bald doppelt so lang

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Twitter rüttelt an seinem Fundament: Statt der ikonischen 140 Zeichen erlaubt die Social-Media-Plattform jetzt doppelt so lange Tweets. Zwar befindet sich das Update momentan noch im globalen Testlauf, der allgemeine Rollout scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein. Die Argumente für die Veränderung sind nur schwierig von der Hand zu weisen.

140 Zeichen für einen Tweet sind wenig. Die eigenen Gedanken in dieses Korsett zu pressen, kann Nerven kosten – manchmal klappt es gar nicht oder nur mit Bedeutungsverlust. Wir kennen das Gefühl, ihr kennt das Gefühl und die Verantwortlichen bei Twitter auch. Weil diese Begrenzung offenbar viele User davon abhält, den Dienst häufiger zu nutzen, soll sie nun gelockert und auf 280 Zeichen verdoppelt werden. Zu diesem Schluss kommt Twitter jedenfalls nach eigenen Untersuchungen.

Twitter-Zeichenlimit frustriert die User

Statistik über Zeichennutzung auf Twitter

Jeder zehnte Tweet auf Englisch erreicht das Zeichenlimit - das hemmt offenbar die User und es soll sich ändern. Japanische Tweets sind im Schnitt kürzer und erreichen viel seltener das Zeichenlimit.  

Quelle:  Twitter 

Statistik über Zeichennutzung auf Twitter

Jeder zehnte Tweet auf Englisch erreicht das Zeichenlimit - das hemmt offenbar die User und es soll sich ändern. Japanische Tweets sind im Schnitt kürzer und erreichen viel seltener das Zeichenlimit.  

Quelle:  Twitter 

Neun Prozent aller in Englisch verfassten Tweets erreichen demnach das maximale Zeichenlimit, was darauf hindeutet, dass User ihre Nachrichten kleinmeißeln müssen, bevor sie Twitters Regeln entsprechen. Gleichzeitig treffe das nur auf 0,4 Prozent der auf Japanisch veröffentlichten Tweets zu, weil diese Sprache weniger Zeichen als Englisch benötige, um dasselbe auszusagen (für Koreanisch und Chinesisch verhält es sich ähnlich). Effektiv können Japaner in einem Tweet also mehr ausdrücken als US-Amerikaner, Deutsche oder Spanier.

Der Twist: Japanische User posten häufiger, während der "Kürzungs-Frust" Englischschreiber hemmt. Wer mehr Freiraum für seine Gedanken hat, tweetet öfter, so folgert das Unternehmen. Mehr Useraktivität – nichts wünscht sich eine Social-Plattform sehnlicher. Noch ist die Zeichenverdopplung zwar offiziell ein Testlauf, für den nur wenige User ausgewählt wurden und dessen Ergebnisse Twitter genau analysieren will. Die Worte von CEO Jack Dorsey deuten allerdings daraufhin, dass der grundlegende Kurswechsel beschlossen und die vollständige Implementierung nur eine Frage der Zeit ist:

Twitters 140 Zeichen sind Relikte vergangener Tage

Das Tweet-Limit stammt aus der Zeit vor dem ständig verfügbaren mobilen Internet und mobilen Apps. 160 Zeichen lässt eine SMS zu – daran orientierte sich Twitter. 140 Zeichen für die Nachricht, 20 für den Usernamen. Man dachte im Rahmen technischer Möglichkeiten, die heute überholt sind. Schon öfter werkelte Twitter deshalb am Zeichenlimit und änderte die Regeln. Die 140 Zeichen blieben allerdings bis jetzt unangetastet – sie stehen geradezu symbolisch für die Plattform selbst. Twitter ist schnell, dynamisch und leicht zu scannen, Twitter passiert genau jetzt. Was sich nicht auf 140 Zeichen komprimieren lässt, muss draußen bleiben, so die Maxime.

Was sich nicht auf 140 Zeichen komprimieren lässt, muss draußen bleiben

In der Praxis sieht das freilich oft anders aus: User verlagern ihren Text in angehängte Bilder, verlinken auf externe Webseiten oder produzieren Antwort-Kaskaden auf ihren eigenen Tweet, um das Limit zu umgehen. Das macht Twitter unübersichtlich und wenig einsteigerfreundlich. Die Angst, die Plattform könnte mit der Zeichenverdopplung seinen Charakter einbüßen, scheint unbegründet. Schließlich finden die User schon jetzt Wege, sie zu umgehen – nur auf umständliche Weise.

Wir gehören leider nicht zu den wenigen 280-Zeichen-Testern. Wie sieht's bei euch aus? Und was haltet ihr von der Neuerung: Wird Twitter mit doppelt so vielen Zeichen jetzt auch doppelt so gut?

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1 Kommentar
Tri7on

Twitter hat ja schon an kleinen Stellschrauben gedreht - zählt seit 2016 Fotos und Links nicht mehr voll in das 140 Zeichenlimit mit rein. Mir selbst fällt es teilweise auch nicht leicht, meine Nachricht in die Vorgabe reinzupressen. Deshalb begrüße ich den Schritt. Die Auswirkungen halte ich für hinnehmbar, sie machen Twitter zugänglicher. Ob das die Stammnutzer verschreckt? Ich glaube nicht...