Doch nur ein Kavaliersdelikt?

Unterdrückte EU-Studie beweist: Kaum Schäden durch Online-Piraterie

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Online-Piraterie schadet der Unterhaltungs-Industrie nicht: Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine aufwendige Studie im Auftrag der EU-Kommission. Bekannt sind diese Erkenntnisse genanntem Organ schon seit über zwei Jahren, nur veröffentlichen wollte sie die Kommission augenscheinlich absichtlich nicht. Eine Piraten-Politikerin stellt das Papier jetzt öffentlich zur Verfügung.

Habt ihr die siebte Staffel von Game of Thrones gesehen, ohne dafür zu bezahlen? Zum Beispiel auf einer illegalen Streaming-Seite? Dann seid ihr nicht allein: Medienberichten zufolge sind die aktuellen Folgen um Jon, Daenerys, Tyrion und Co. mehr als eine Milliarde Mal illegal heruntergeladen oder gestreamt worden. Auch andere Medien, also Musik, Blockbusterfilme oder E-Books, werden täglich auf diese Weise konsumiert - für Politik und Industrie regelmäßig das Aufregerthema schlechthin.

"Alles in allem beträgt der geschätzte Verlust für aktuelle Top-Filme fünf Prozent des Verkaufsvolumens."

Martin van der Ende, Joost Poort et al.

Eine bereits 2015 der EU-Kommission vorgelegte und 2014 durch eben diese für 360.000 Euro in Auftrag gegebene Studie beweist aber, dass dies den Gewinnen der Unterhaltungsindustrie kaum schadet: "Im Allgemeinen zeigen die Resultate keinen robusten statistischen Beweis, dass Online-Copyright-Verstöße zu verringerten Verkäufen führen", heißt es im Fazit des Papiers. Eine Ausnahme machen lediglich aktuelle Blockbuster, doch selbst hier betrage der tatsächliche Verlust für die Industrie magere fünf Prozent Verkaufsvolumen.

Kurios: Ans Tageslicht geraten ist die Studie erst jetzt. Aus nicht näher bekannten Gründen hatte die EU-Kommission die neuen Erkenntnisse bisher unter Verschluss gehalten. Julia Reda, Mitglied des EU-Parlaments, macht die Studie nach angeblich mehreren vergeblichen Anfrage-Versuchen jetzt auf Ihrer Webseite verfügbar.

Die Piratenpolitikerin wundert sich in ihrem Kommentar, zu welchem Zweck die EU-Kommission die sehr teure Untersuchung offenbar bewusst der Öffentlichkeit vorenthalten hatte. Schließlich seien derlei Erkenntnisse enorm wichtig für die Gesetzgebung im Bereich der Urheberrechte. Wer sich die vollständige Studie in englischer Sprache im Detail ansehen will, bekommt sie über den nachfolgenden Button als PDF-Datei:

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