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Böse Überraschungen vermeiden

Vanilla findet Uralt-Posts, bevor sie euch zum Verhängnis werden

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Eure Timelines bei Twitter, Facebook und Co. können euch schnell ins falsche Licht rücken. Plötzlich wird der heute-doch-nicht-mehr-ganz-so-witzige Post von damals zum unangenehmen Thema im Gespräch mit Arbeitgebern oder Kunden. Das Social-Media-Tool 'Vanilla' will euch davor bewahren.

Screenshot von VanillaSocial.co

Die Freunde lachen, Chef und Kunden schütteln den Kopf: Nicht alle Tweets kommen überall gleich gut an.  

Quelle: (Screenshot)  Vanilla 

Screenshot von VanillaSocial.co

Die Freunde lachen, Chef und Kunden schütteln den Kopf: Nicht alle Tweets kommen überall gleich gut an.  

Quelle: (Screenshot)  Vanilla 

Die öffentliche Meinung darüber, was gesagt und nicht gesagt werden darf, ändert sich mittlerweile schneller als das Wetter. Was früher noch als schwarzer Humor durchging, sorgt heute leicht für hochgezogene Augenbrauen - der überspitzte Kommentar zur Feminismus-Debatte von gestern ist der potenzielle Kündigungsgrund von morgen.

So betrachtet werden soziale Netzwerke zum Minenfeld: Denn sie konservieren vermeintliche Momentaufnahmen, unüberlegte Kommentare für Jahre oder gar Jahrzehnte. Deshalb möchte das Startup 'Vanilla' seinen Usern dabei helfen, die eigene Timeline besser zu managen. Die Werkzeuge von 'Vanilla' sollen davor schützen, dass längst vergessene, tief in der Historie vergrabene Posts zu Missverständnissen mit Kunden oder Arbeitgebern führen.

Mit Schlüsselwörtern und Machine Learning

Dazu jagt 'Vanilla' alle Posts des betreffenden Accounts durch ein Analyse-Programm, das sie nach etwa 1000 Schlüsselwörtern durchsucht. Bedenkliche Einträge werden markiert und dem Nutzer zur Kontrolle vorgelegt. Die Entscheidung liegt dann bei ihm: Löschen oder behalten. Mithilfe von Machine Learning soll dieser Prozess kontinuierlich verfeinert werden und dank des User-Feedbacks immer präzisere Analysen erlauben. Was sonst nur in mühsamer Kleinarbeit oder mit Hilfe weniger ausgereifter Tools zu bewerkstelligen ist, geht so deutlich schneller von der Hand. Im Falle von Twitter nutzt 'Vanilla' dabei offizielle Twitter-Schnittstellen - seine Zugangsdaten muss der Nutzer also nicht offenlegen.

Lasst uns ehrlich sein: Jeder redet schon mal Unsinn

Noch befindet sich 'Vanilla' in der Beta-Phase: Twitter wird bereits unterstützt, Instagram soll bald folgen. Ein Probe-Scan ist aktuell für jedermann kostenlos möglich, die Experten-Variante hingegen kostet zwischen 55 und 111 Euro. Ob der Dienst künftig auch Facebook oder Internet-Fossile wie StudiVZ durchstöbern kann, ist noch unklar - das hängt sicherlich auch davon ab, wie sich der Service entwickelt. Nach eigenen Angaben wird der Dienst jedenfalls gut angenommen: Seit dem Startschuss Mitte Oktober seien bereits über eine Million Twitter-Posts analysiert worden.

Posten ist einfach, löschen ist schwierig

Die Idee zu 'Vanilla' kam Entwickler Samuel Woods als er mit einem aufstrebenden Musiker zusammenarbeitete, dem ein frauen- und fremdenfeindlicher Tweet zum Verhängnis wurde, den er als Jugendlicher veröffentlichte. "Lasst uns ehrlich sein: Jeder redet schon mal Unsinn", sagt Wood. "Doch Menschen werden älter und weiser und ändern oft ihre Meinung." Jeder Nutzer sozialer Medien solle in der Lage sein, seine Posts aus der Vergangenheit zu überprüfen und zu managen. Das müsse so einfach sein wie das Posten selbst.

Die Praxis sieht oft anders aus: Twitter selbst begrenzt die Zahl täglicher Löschungen ('Vanilla' verteilt die Aktionen dann auf mehrere Tage), während Facebook entsprechende Optionen in Untermenüs versteckt. Auch wenn die meisten von euch eine Grundreinigung à la 'Vanilla' wahrscheinlich nicht benötigen, bleibt die Lektion dieselbe: Im Zweifel lieber einen Post weniger als einen Post zu viel absetzen - denn ihr wisst nicht, wer mitliest.

Quellen: Vanilla, Pressetext

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