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Don't mess with the Internet

Verkehrsbetrieb verhaftet Fahrgast, erntet Shitstorm

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Viel mehr kann man in Sachen Öffentlichkeitsarbeit kaum falsch machen: Erst lässt ein Budapester Verkehrsbetrieb für einen horrenden Betrag eine stümperhafte, völlig unsichere Webseite programmieren, dann lässt das selbe Unternehmen auch noch einen gutmütigen jungen Mann verhaften, der ihnen ein neues Sicherheitsleck gemeldet hatte.

Wie man sich systematisch seine eigene Online-Reputation zerschießt, führt zurzeit der Budapester Verkehrsbetrieb 'Budapesti Közlekedési Központ (BKK)' eindrucksvoll vor. Ein junger Mann hatte diese Woche eine Sicherheitslücke auf der Website des Öffi-Unternehmens gefunden, mittels derer jeder über die Entwickler-Tools eines Browsers (üblicherweise aufrufbar über die Taste F12), nach Belieben Ticketpreise manipulieren konnte. So war es ihm möglich, ein umgerechnet etwa 31 Euro teures Ticket für den Fantasiepreis von knapp 16 Cent zu erwerben. Eingelöst hatte er es aber nicht - vielmehr kontaktierte er umgehend das staatliche Unternehmen über die Sicherheitslücke.

Volltrottel! Lasst die Anklage fallen! Er wollte nur helfen und ihr seid selbst Schuld, dass euer System Schrott ist!

Marek Duciuc via Facebook am 27.07.17

Andere Unternehmen würden den jungen Mann nun für sein Pflichtbewusstsein belohnen und sich um die Sicherheitslücke kümmern - die BKK alarmierte stattdessen die Polizei und ließ ihn mitten in der Nacht verhaften, wie Bleeping Computer berichtet. Sogar eine Pressekonferenz hielt die BKK kurz danach ab und brüstete sich dort mit der Vereitelung einer vermeintlichen "Cyber-Attacke". Wohlgemerkt: Der junge Mann hatte die Ticketpreise mit Hausmitteln eines handelsüblichen Browsers verändert, ein 'Hack' im eigentlichen Sinne hat gar nicht stattgefunden. Auch gegenüber der ungarischen Presse habe der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, ausdrücklich seine guten Absichten betont.

BKK erlebt Super-GAU auf Facebook

BKK

Ganz unten: Die Facebook-Seite des Verkehrsbetriebs wird sich von diesem Shitstorm - wenn überhaupt - so schnell nicht erholen.  

Quelle: (Screenshot)  Facebook / BKK 

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Ganz unten: Die Facebook-Seite des Verkehrsbetriebs wird sich von diesem Shitstorm - wenn überhaupt - so schnell nicht erholen.  

Quelle: (Screenshot)  Facebook / BKK 

Nachdem dann auch noch bekannt wurde, dass der Verkehrsbetrieb jährlich fast eine Million Euro für die Instandhaltung der stümperhaft programmierten Webseite ausgibt, gab es im Netz kein Halten mehr. Seit Tagen häufen sich gehässige Kommentare und Aufforderungen auf der Facebookseite des Unternehmens, die Anschuldigungen gegen den jungen 'Whitehat' fallen zu lassen. Weit über 47.000 Nutzer bewerteten den BKK dort zudem mit einem von fünf Sternen - da die Seite bisher insgesamt nicht einmal 48.000 Bewertungen angesammelt hatte, ist das Resultat entsprechend desaströs.

Dass sich die Facebook-Seite des BKK von diesem Schlag überhaupt wieder erholt, ist mehr als fraglich. Der Zoo Hannover beispielsweise hat noch immer an dem Skandal über die vermeintlich nicht artgerecht gehaltenen Elefanten zu knabbern: Die Facebook-Seite des Tierparks dümpelt auch gut 4 Monate später noch auf 2-Sterne-Niveau.

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