Eltern aufgepasst

Von creepy bis brutal: YouTube zeigt Kindern Videos, die sie nicht sehen sollten

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von Michael Springer -

Eltern sollten besser etwas genauer hinschauen, wenn ihre Kleinen auf YouTube unterwegs sind: Die weltgrößte Videoplattform kann Kinder auf dunkle Kanäle schicken. Oft liegen fragwürdige Videos nur einen Klick entfernt – oder werden "dank" Auto-Play von selbst abgespielt.

Mehr als 500 Stunden Videomaterial werden jede Minute auf YouTube hochgeladen. Neben Musikvideos, 'Let's Plays' oder 'Fail-Compilations' sind es mittlerweile oft an Kinder adressierte Videos und Kanäle, die massenhaft Views beziehungsweise Abonnements anhäufen: Ein Blick in die YouTube-Top-500 zeigt, dass die großen Kinder-Kanäle klicktechnisch mit Justin Bieber und Katy Perry mithalten können.

Weil immer mehr Kinder weltweit schon frühzeitig mit Smartphones und Tablets in Berührung kommen, erreichen diese Videos schnell Aufrufzahlen in Millionenhöhe. Dahinter steckt ein riesiges Geschäft mit Werbeeinnahmen, das auch zwielichtige Akteure anlockt. Im Fahrwasser der erfolgreichen Channels entstehen Clips, die beliebte Formate, Jingles und Choreographien imitieren und die Kinder besser nicht zu Gesicht bekommen sollten – die Spanne reicht von merkwürdig bis brutal.

YouTube: Beliebte Film- und Comic-Helden werden missbraucht

Für Kinder bestimmte Videos locken mit bunten Thumbnails, beliebten Filmfiguren und Comic-Helden. Von 'Peppa Pig' über 'Spider-Man' und 'Elsa' aus Disneys 'Die Eiskönigin' bis hin zu 'Paw Patrol' sind all die Charaktere vertreten, die Kinder lieben. Das Problem: Ein beträchtlicher Teil dieser Clips ist nicht offiziell lizensiert. Dritte nutzen ohne Autorisierung weltbekannte Marken, um Kinder zum Klicken zu animieren. Selbst für Erwachsene kann es auf den ersten Blick schwierig sein zu entscheiden, ob ein Video authentisch und vertrauenswürdig oder doch bedenklich ist. Kinder sind chancenlos: Sie vertrauen den bekannten Gesichtern – und erleben im schlimmsten Fall einen großen Schreck.

Was eine Folge der belieben Serie Paw Patrol zu sein scheint, entpuppt sich als Nachahmung, die mit Selbstmord-Szenarien, Autounfällen und erschreckenden Masken daherkommt. In einem anderen Video muss ein Peppa-Pig-Verschnitt zum Zahnarzt: Der Mix aus Geschrei, Bildschirmwackeln und Zahnarzt-Geräuschen ist selbst für Erwachsene schwer zu ertragen. Wieder ein anderes Video erschafft mit einfachsten Animationen sowie einer ganzen Armee von Comicfiguren und Superhelden eine "Geschichte", die auf eine diffuse Art verstörend ist. In den Kommentaren ist von bildgewordenen Albträumen die Rede. Das trifft es.

Der YouTube-Algorithmus ist machtlos

Dem YouTube-Algorithmus entgehen diese Auffälligkeiten. Er empfiehlt solche Clips am Ende anderer Videos oder zeigt sie in der Seitenleiste an – selbst in der speziell für Kinder konzipierten YouTube-Kids-App können sie auftauchen. James Bridle hat sich auf Medium intensiv mit dem vielschichtigen Phänomen auseinandergesetzt: Nach seiner Auffassung ist das Problem tief im System von YouTube verankert. Der Mischung aus Plagiaten, Automatisierung (ganze Channels sind mit hunderten sehr ähnlichen, immer neu arrangierten Videos vollgestopft) und Algorithmus-Manipulation sei nur schwierig beizukommen.

In den sozialen Medien häufen sich jedenfalls Berichte von Eltern, deren Kinder bei YouTube auf solche oder ähnliche Videos gestoßen sind. Wenig überraschend waren Angst und Tränen oft die Folge. Eltern sollten deshalb besser etwas genauer hinschauen, wenn der eigene Nachwuchs auf YouTube unterwegs ist – denn der YouTube-Algorithmus kann in dunkle Kanäle führen.

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