Versprechen mit kurzer Halbwertszeit

Von wegen Läuterung: Facebook zieht nach DSGVO Nutzerdaten in die USA ab

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von Benjamin Krämer -

Die Zeiten, in denen Zuckerberg und sein Unternehmen sich als geläutert darstellen, sind offenbar vorbei: Da die europäische Datenschutzverordnung, die in einem Monat verpflichtend EU-weit in Kraft tritt, Facebook offenbar stört, hat man einem Reuters-Bericht zufolge entschlossen, sämtliche Nutzerdaten aus Europa in die USA abzuziehen.

Hach, was waren das noch für schöne Zeiten, als Facebook ankündigte, in Zukunft die europäische DSGVO freiwillig weltweit umzusetzen. Zeiten, in denen Zuckerberg die Datenschutzverordnung als "modern" und "gut" bezeichnete - vor Senat und Kongress wohlgemerkt. Aber Moment mal! Diese Zeiten sind ja erst eine Woche her. Tja, im Social-Media-Zeitalter mahlen die Mühlen eben schnell und was zuvor noch "wir setzen freiwillig die DSGVO weltweit um" hieß, heißt heute eben "wir setzen die DSGVO im Geiste weltweit um."

Konkret geht es um einen Bericht von Reuters, in dem offengelegt wird, dass Zuckerbergs Unternehmen 1,5 Milliarden Nutzerdaten vom bisherigen Speicherstandort in Irland (einem EU-Land und Teil der DSGVO) in die USA abzieht. Das sind sämtliche Daten aller Nutzer, die nicht in den USA oder Kanada leben. Man betonte gegenüber der Nachrichtenagentur jedoch, dass es sich lediglich um Verschlankung und keinesfalls um Datenschutz- oder Steuerfragen handle.

Facebooks Datenflucht: ungünstiger Zeitpunkt, ungünstiges Signal

Zuckerberg scheint allen Läuterungsbekundungen zum Trotz noch immer vor allem eines im Blick zu haben: Die Aktienkurse seines Unternehmens und nicht die Rechte seiner Nutzer

Nutzern hierzulande dürfte nach und nach auffallen, dass sie beim Facebook-Login gebeten werden, neue Datenschutzbestimmungen zu akzeptieren, in denen bereits vermerkt ist, dass die Daten in den USA gespeichert werden - außerhalb der Reichweite europäischer Datenschutzgesetze. Getarnt werden diese neuen Bestimmungen mit toll klingenden Erklärungen zu neu sortierten Datenschutzeinstellungen auf der Plattform, damit sich auch jeder wohlfühlt. Praktisch bedeuten die Änderungen, dass europäische Staatsbürger keine Möglichkeit mehr haben, sich über Datenschutzmissbrauch zu beschweren - zumindest über keinen offiziellen Kanal.

Mögliche Probleme fallen nun nämlich unter deutlich liberalere US-Gesetze, was die Chancen auf einen positiven Verfahrensausgang deutlich schmälert, wenn nicht gar unmöglich machen dürfte. Interessant sind auch zwei Details dieses Schachzuges: Erstens wurde Irland offenbar nicht über den Schritt informiert, wie ein hochrangiger Regierungsbeamter bestätigte und zweitens klettern die Facebook-Aktien wieder deutlich nach oben. Keine DSGVO-Daumenschrauben mehr? Das gefällt den Anlegern - wir Nutzer hingegen haben das Nachsehen.

Quelle: Reuters.com

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