digitale Themen, leicht verständlich.

Genau hingeschaut

Warum immer mehr Smart TVs wissen wollen, was wir schauen

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

In den USA gehen gerade verschiedene Smart-TV-Hersteller einen Deal mit 'Samba TV' ein. Die Software schaut beim Fernsehen fleißig über die Schulter und erfasst dementsprechend Daten, die Werbetreibende für relevante Anzeigen nutzen können.

Gerade in den Sommermonaten rückt die Zeit vor dem Bildschirm in den Hintergrund. Insgesamt keine sonderlich gute Phase für Fernsehsender, TV-Hersteller und Vermarkter, die diesen Kanal nutzen, um ihre Produkte gerne zur besten Zeit in unserem Blickwinkel zu platzieren. Das kann Werbung im Allgemeinen sein, das funktioniert aber ebenso gut in eigentlich "werbefreien Formaten" wie Netflix, Prime-Serien oder Filmen. Beispielsweise, in dem der Protagonist seine schicken neuen Sneaker lässig in die Kamera hält, während sein Kumpel am Soft-Drink nippt, ohne das Marken-Logo mit der Hand zu verdecken – "Diese Sendung wird unterstützt durch Produktplatzierungen."

Egal könnte man meinen – schließlich standen in letzter Zeit ja vor allem Tech-Unternehmen im Fokus der umfangreichen Datenerfassung von Kunden, die das Online-Verhalten der Nutzer analysieren und auf dessen Grundlage maßgeschneiderte Werbung anbieten. Doch mit dem in Kalifornien ansässigem Tech-Unternehmen 'Samba TV' steht eine Software bereits für viele Smart-TVs parat, die nur darauf wartet, dass die dunkle Jahreszeit wieder hereinbricht.

Denn wie die 'New York Times' schreibt, sind viele TV-Hersteller wie 'Sony', 'Sharp' oder 'Phillips' in den USA eine Kooperation mit dem Start-Up eingegangen. Die soll es Vermarktern noch besser ermöglichen, Konsumenten-Profile um eine Ebene zu erweitern – das Wohnzimmer.

Dass unser Online-Verhalten über Facebook, Google oder YouTube getrackt wird und wir diese Dienste zumindest halbwissentlich sogar noch selbst "füttern" ist kein Geheimnis mehr – nun reiht sich also auch der Fernseher in die Riege der Datenerfassungs-Tools mit ein.

Samba TV bringt euch das Topmodel-Kleid in die Anzeigen

Das "smarte" in einem Smart-TV greift durch seine Vernetzung mit dem Internet nicht nur Nutzern unter die Arme, sondern kann – clever verpackt – auch dazu dienen, Anbietern Informationen über unser Fernsehverhalten zu sammeln. Voraussetzung dafür ist beispielsweise eine auf TVs vorinstallierte Software namens Samba TV, die – einmal zugestimmt – im Sekundentakt nahezu alles verfolgen kann, was auf dem Fernseher geschieht.

Samba TV hat Verträge mit rund einem Dutzend TV-Marken - darunter Sony, Sharp, TCL und Philips - geschlossen, um seine Software auf bestimmten Sets zu platzieren.

The New York Times

Nach dem Opt-in-Prinzip soll Samba TV dem Nutzer bei der Einrichtung auffordern, den Dienst zu aktivieren, um Shows und Sonderangebote zu empfehlen. Einmal zugestimmt, schaut die Software dann quasi mit. Getreu dem Motto: Daten sammeln, damit Werbetreibende gezielter ihre Produkte an den Mann / die Frau bringen können.

Schaut ihr euch beispielsweise regelmäßig die anfangs noch wackeligen Gehversuche der Topmodel-Anwärter an, solltet ihr euch nicht wundern, wenn bald zukünftig die bezahlbare Abklatsch-Version des High-Fashon-Kleids als Ad in eurem Browser erscheint.

Unwissenheit der Nutzer als Vorteil der Daten-Apps

Retargeting ist hier das Zauberwort – nur eben kanalübergreifend. Informationen über den TV beziehen, um dann zielgerichtete Werbung auf Smartphones und PCs zu platzieren. Nicht neu und nicht erst seit gestern Methode, um potenzielle Käufer anzusprechen. Doch durch die zunehmende Digitalisierung steigen auch die Möglichkeiten der Werbetreibenden. Smartphones, Standortdaten, Wearables, Surfgewohnheiten oder Game-Accounts, Streaming-Anbieter, Online-Händler und soziale Medien – all diese Informationen sorgen zusammengetragen dafür, dass die Profile jedes einzelnen Kunden immer detaillierter werden.

Und gerade in Zeiten, in denen Verbrauchern mehr und mehr deutlich wird, wie sensibel Themen wie Datenschutz oder Privatsphäre eigentlich sind, bedeuten Apps wie Samba TV noch mehr Ungewissheit und Angst vor dem Kontrollverlust über privaten Informationen. Hat man erst einmal das Prinzip verstanden, kann man sich zumindest proaktiv gegen die permanenten Versuche der unterschwelligen Werbebeeinflussung schützen. Doch dafür benötigt es andere Vorgehensweisen von Apps, als einzig und allein die angeblichen Vorteile bei der Ersterlaubnis in den Vordergrund zu stellen.

Quelle: nytimes.com

Hier erfährst du mehr über: Datenschutz und Sicherheit

Sag uns deine Meinung!